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Berlinale 2015

Kino Kino berichtet von der 65. Berlinale direkt vom Festivalzentrum im Herzen Berlins.

    Sebastian Schippers Film "Victoria" - einer der deutschen Beiträge im Berlinale-Wettbewerb - lässt den oscar-nominierten Birdman Movie alt aussehen - schreibt das US-Fachmagazin Variety. Das dürfte Schippers Chancen auf einen Bären erhöhen! Den ganzen Artikel findet Ihr hier: variety.com

    Mythos Mallick - "Knight of Cups" im Wettbewerb

    Der gestrige Berlinale-Tag stand im Zeichen eines Kino-Meisters: Das neue Werk von Bären-Gewinner Terrence Malick​, "Knight of Cups" mit Christian Bale​ und Natalie Portman​ lief im Wettbewerb. Mit Spannung erwartet ... doch wie gut ist der neue Film des Regisseurs, der mit "The Thin Red Line" oder "Tree of Life" Klassiker des modernen Kinos geschaffen und seit Beginn seiner Karriere 1969 insgesamt nur acht Filme gedreht hat? Kino-Kino-Autor Florian Kummert hat "Knight of Cups" gesehen.

    Kleine Filme ganz gross - ein kurzer Rückblick auf das erste Berlinale-Drittel

    Viel Geld, Bombast und Weltstars machen noch lange kein gutes Kino - das bewies das erste Berlinale-Drittel eindringlich. Was hatte Festivalleiter Dieter Kosslick im Wettbewerb aufgefahren: Weltstars wie Nicole Kidman, “Batman” Christian Bale, Juliette Binoche, James Franco und Natalie Portman, Regie-Meister Werner Herzog und Terrence Malick. Mit großen Filmen im Gepäck. Umgehauen hat uns keiner von ihnen. Isabel Coixets Eröffnungsfilm “Nobody Wants The Night” mit Juliette Binoche als starke Frau um 1908 im Eis von Norwegen auf Liebes- und Sinnsuche - ein aufwendiges Drama, das an Emotionen überhaupt nichts vermittelte. Werner Herzogs “Queen of the Desert” mit Nicole Kidman als starke Frau in der Wüste, genauer als Gertrude Bell, die als Historikerin, Schriftstellerin und Angehörige des britischen Geheimdienstes entscheidend an der Weichenstellung für die politische Neuordnung des Nahen Ostens um 1920 beteiligt war. Klingt ja gut. Das Ergebnis: eine fast unerträglich kitschige Schmonzette mit einer trotz Sandsturm und brütender Hitze stets gut geschminkter, nie schwitzender Kidman als Heldin. Das hat uns nicht überzeugt. Immerhin, Herzog hat durch diesen Film sein Faible für weibliche Hauptrollen entdeckt, will bald wieder einen Film über eine große Frau drehen. Wir hoffen.


    Große Momente mit stoischem Gesichtsausdruck

    Die wirklich größte Frau der ersten Berlinale-Tage spricht einen alten Dialekt, den sogar die meisten ihrer Landsleute nicht verstehen: María Telón, einer der drei Hauptrollen des Wettbewerbsbeitrags “Ixcanul” (“Vulkan”) - überhaupt erste Film aus Guatemala, der in einem Berlinale-Wettbewerb lief. G Gedreht überwiegend mit Laien-Schauspielern. Telón spielt die Mutter des Maya-Mädchens Marìa, das von einem Plantagenarbeiter erst geschwängert und dann sitzen gelassen wird. Das stürzt die Familie in eine schwere Krise, war Marìa doch dem Chef ihres Vaters als Braut versprochen … nun droht die Bauernfamilie Arbeit, Haus und damit alles zu verlieren. Doch Marìas Mutter kämpft auch dann noch weiter, als sogar ihre Tochter verloren scheint. Wie es Schauspielerin Marìa Telón hier schafft, mit stoischer Miene und absolut reduziertem Gesichtsausdruck eine riesige Bandbreite an Emotionen fühl- und visuell erlebbar zu machen, ist erstaunlich. “Ixcanul” - ein sicherer Bären-Kandidat. Und ein aufregender, sehenswerter Film.


    Ein Thriller aus Berlin thrillt die Berlinale-Besucher: "Victoria"

    Wie auch Sebastian Schippers Berlin-Thriller “Victoria”, nach Herzog der zweite deutsche Wettbewerbsbeitrag, der gezeigt wurde. Gedreht in einer kompletten, schnittfreien Einstellung erzählt Schipper die Geschichte einer jungen Spanierin, die sich nach einer durchtanzten Nacht in Berlin Kreuzberg mit vier Jungs auf der Straße anfreundet, um dann einen kompletten Bankraub durchzuziehen. Drei Monate Proben, viel Improvisation und schließlich drei Takes haben Schipper und sein Team hinter sich gebracht. Der dritte war auch der beste Take - der ist auf der Berlinale gezeigt worden … und begeisterte die Besucher. Schipper ist hier mit ganz wenig ganz großes Kino gelungen. Ein Film, der im wahrsten Sinne des Wortes ganz nah an seinen Figuren, damit auch an ihren Gefühlen, am Moment dran ist. Er fängt das Leben in einer unerreichten Intensität genau dann ein, während es geschieht. Beeindruckend. Neu. Kleines und doch ganz großes Kino.


    Abstrakt-redundantes von Terrence Malick

    Letzteres erwartete man auch von Terrence Malicks “Knight of Cups” mit Christian Bale als Hollywood-Star auf Sinnsuche. Wer Malick kennt und mag, der lässt sich gern ein auf die überwiegend zusammenhanglose Aneinanderreihung von Szenen, die Bale beim Durchstreifen von Los Angeles’ Hochhäuserschluchten, der Wüste oder düsterer Clubs zeigen … begleited von endlosen Monologen der Hauptfigur aus dem Off. Dazu reihenweise und redundante Szenen von schönen Menschen in schöner und sichtbar teurer Kleidung und immer wieder Aufnahmen wohlgeformter weiblicher Hinterteile. Die internationale Kritik zeigte sich irritiert von Malicks Film. Der Schritt weg vom Narrativen zu abstrakten Bildcollagen, wie sie sich in seinen letzten Filmen “Tree of Live” und “To the Wonder” bereits andeuteten, ist jetzt noch größer ausgefallen. Das ist nicht mehr toll, sondern anstrengend. Denn was gerade bei “Tree of Life” gut funktionierte - die Inszenierung von menschlichen Eindrücken und Erinnerungen - verläuft sich hier zur einer Wiederholung von (gewiss großartig gefilmten) Hochglanzbildern. Da können auch eine gute Cate Blanchet und ein eindrucksvoller Christian Bale vor der Kamera nichts retten.


    Warmherzige Spürnase - "Mr. Holmes"

    Dann doch lieber ein ruhiger, konventioneller, warmherziger Film über Sterblichkeit, Liebe und das “Mit sich ins Reine kommen” wie “Mr. Holmes”. Regisseur Bill Condon inszeniert hier Sir Ian McKellen (das ist Gandalf aus "Herr der Ringe") als 93-jährigen Meisterdetektiv, der auf seinem Landsitz gegen zunehmende Demenz kämpft und in dem 10-jährigen Sohn seiner Haushälterin, einer Kriegswitwe, einen Sohn-Ersatz findet. Zusammen gelingt es ihnen, Holmes’ letzten Fall zu Ende zu bringen, der der alten Spürnase keine Ruhe lässt. Ein stimmig inszenierter, von Sir Ian McKellen bravourös getragener Film, der sowohl junge wie ältere Zuschauer berühren, amüsieren und mit einer kleinen Brise Ermittlungen - der Film schildert auch Holmes’ Vergangenheit - in Spannung versetzen wird. Sowas gewinnt auf Festivals keine Preise - der Film läuft auf der Berlinale außer Konkurrenz -, aber es schürt die Freude auf den regulären Kinostart. Denn "Mr. Holmes" ist einfach wunderschönes Kino. Und nicht zuletzt darum sind wir ja nach Berlin gereist.


    "The Sixth Sense", Magersucht und Sozialkritik: Der polnische Film "Body" - eine Entdeckung!

    Sie kennen “The Sixth Sense”? Der Film, in dem Bruce Willis die ganze Zeit als Geist durch die Gegend läuft und einem Jungen hilft … und als Einziger nicht weiß, dass er tot ist? Stellen Sie sich diesen Plot eingebettet in ein Drama um einen verwitweten Gerichtsmediziner und seine magersüchtige Tochter vor, die sich beide hassen, weil sie nicht mit dem Verlust der Mutter zurechtkommen. Und jetzt der Trumpf: “Body” von Malgorzata Szumowska ist eine Komödie, wenn auch eine der leisen Töne. Denn die 41-jährige Regisseurin hat noch die Figur der Anna (brillant: Maja Ostaszewska) hinzugefügt.

    Medium Anna ( Maja Ostaszewska) 

    Ein schrilles Trio

    Anna ist ein Medium - wie der kleine Junge aus “The Sixth Sense” sieht sie kürzlich Verstorbene, hört die Stimmen der Toten, kann Verbindung zu ihnen aufnehmen und schreibt dann in Trance deren Botschaften hektisch auf Papier nieder. Leicht hat es Anna nicht. Ihre unorthodoxen Methoden bei ihrer Klinik-Arbeit mit anorektischen Mädchen stößt beim Chefarzt auf Unverständnis. Ihre Dogge zu Hause gehorcht ihr kaum und belegt nachts den Großteil des Bettes. Dazu kommt, dass die Toten zu ihr ohne Vorankündigung sprechen. So manches Mal hält Anna mitten im Satz inne, blickt verklärt ins Nirgendwo, um ihren Gegenüber dann mit Details Aus dessen Leben zu überraschen, die sie gar nicht wissen kann. Dann der Gerichtsmediziner (Janusz Gajos): Er ist von den Schauerlichkeiten seines Berufs abgestumpft, hat kein Problem, nach der Visite eines blutverschmierten Tatorts ins Restaurant zu gehen und prüft nicht mal, ob der Erhängte im Wald wirklich tot ist. Und schließlich seine Tochter Olga, die ihre Magersucht schamlos vor ihrem Vater in der Wohnung zelebriert. 

    Ein wahrhaft schrilles Trio, dass nach einem Selbstmordversuch Olgas in Annas Klinik aufeinandertrifft.
    Anna wird Olgas Therapeutin, empfängt bei Vater und Tochter sogleich seltsame Schwingungen und ahnt, dass die verstorbene Mutter dringend Kontakt mit ihren Hinterbliebenen aufnehmen will. Nach langem Hin und Her willigt Olgas Vater ein - er hat nämlich allein zu Hause mehrere seltsame, an Spuk erinnernde Erlebnisse. Anna versucht Kontakt aufzunehmen … mit überraschenden Ergebnissen.

    Die Wut und den Hass rauslassen: Anna bei der Arbeit mit magersüchtigen Mädchen  

    Humor so fein wie Mikrofaser

    “Body” hat keine stringente Handlung, Regisseurin Szumowska reiht lieber kleine mehr oder weniger absurde Einzelepisoden im Leben des Trios aneinander. Dabei ist sie auffällig rau und nimmt kein Blatt vor den Mund - die Kamera ruht teils unangenehm lang auf den dürren Körpern der Mädchen in Annas Obhut, es wird geflucht, gekotzt, das heutige Warschau in düsteren, vorwiegend hässlichen Tönen gezeichnet. Triste Plattenbauten, blutverschmierte Tatorte, Aufnahmen von entstellten Leichen, die sich Olgas Vater zu Hause bewaffnet mit einem Glas Wodka auch nach Dienstschluss betrachtet … Die Komödie in “Body” versteckt sich. Es ist diese ungewöhnliche Form Szumowskas, den Seelenzustand ihrer Figuren spürbar zu machen, der “Body” sehenswert macht. Der Humor ist hier wie Mikrofaser in die Schwere eingewoben, kommt überraschend, klein und immer wirkungsvoll zum Vorschein, um in der nächsten Szene wieder komplett zu verschwinden.

    Der grummelige Gerichtsmediziner (Janusz Gajos) überlegt. Hat Anna wirklich Kontakt mit seiner toten Frau? 

    Man muss sich darauf einlassen, die Regisseurin hat eine ganz eigene Vorstellung davon, was witzig ist. Aber gerade so gelingt es ihr vortrefflich, ganz subtil auf die Missstände in ihrer Heimat aufmerksam zu machen: Teenager, die an Magersucht leiden, Frauen, die ihre Kinder wegen des polnischen Abtreibungsverbots auf der Bahnhofstoilette zur Welt bringen … und töten. Dass Szumowska keine Antworten hat, stört nicht. “Body” ist harte ernste Kost, über die man lachen kann. Das hat man so im Kino selten erlebt. Eine starke Leistung. Und nicht zuletzt ein Gewinn für die Zuschauer, dass die Berlinale diesen polnischen Film ins Programm gehievt hat.

     

    Charlotte Gainsbourg über Frauenfiguren in emotional extrem belastenden Situationen: "Ich suche diese Rollen nicht, ich fühle mich zu diesen Rollen nicht hingezogen. Ich weiß nicht, warum sie mir immer wieder angeboten werden."

    Wim Wenders und Hauptdarsteller James Franco am Set von "Every Thing Will Be Fine"



    Wim Wenders über seinen Film "Every Thing Will Be Fine": "Es ist ein Film über das Heilen! Nicht über Verlust oder Schmerz, über die Heilung von diesem Schmerz!"

    Der Film handelt von dem Schrifsteller Thomas, der nach einem Streit ins Auto steigt und bei seiner ziellosen Tour durch die Stadt ein Kind tot fährt. Der entsetzliche Verlust wird für die Hinterbliebenen, aber vor allem auch für Thomas zur emotionalen Zerreißprobe.

    Berlinale-Premiere des oscar-nominierten Films "Selma"! Unsere Meinung: "Ein gewiss wichtiges US-Geschichtsstück über die Bürgerrechtsbewegung mit herausragenden, packenden Einzelmomenten, aber auch dramaturgischen Hängern. Dennoch, so präzise hat seit langem kein Film die Wut, die Verzweiflung, den Hass und die Hoffnung dieser Zeit rekonstruiert. Wie David Oyelowo tief in die Seele von Martin Luther King eintaucht und diese große historische Figur wieder zum Leben erweckt, muss man gesehen haben."

    Das Berlinale-Publikum feiert das Martin-Luther-King-Drama "Selma" ...

    ... mit Standing Ovations im Berliner Kino Zoo Palast.

    Unsere neue Sendung ist draußen - einfach hier klicken: br.de

    Festival-Endspurt: unsere Top 5 des Berlinale-Wettbewerbs

    Erste Preise auf der 65. Berlinale vergeben 


    Das Publikum hat abgestimmt: Der 17. Panorama-Publikums-Preis geht an den Spielfilm  Que Horas Ela Volta?.




    Bei den Dokumentarfilmen gewinnt Tell Spring Not To Come This Year.



    Der Panorama-Publikums-Preis wird von der Berlinale, Sektion Panorama, in Zusammenarbeit mit radioeins vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) und dem Stadtmagazin tip Berlin verliehen.

    Die offizielle Preisverleihung findet am Berlinale Publikumstag, Sonntag, 15. Februar, um 17:00 Uhr im CinemaxX 7 am Potsdamer Platz statt.


    Preis-Träger der Sektion "Perspektive Deutsches Kino" steht fest

    Ein idealer Ort von Anatol Schuster gewinnt den "DFJW-Preis Dialogue en perspective".

    Der Preis wurde 2004 vom Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW), offizieller Partner der Berlinale, gemeinsam mit den Internationalen Filmfestspielen Berlin ins Leben gerufen. Er ist mit 5.000 Euro dotiert und wird von einer jungen deutsch-französischen Jury vergeben.

    Wie wird die Jury rund um Jurypräsident Darren Aronofsky heut Abend entscheiden? Es bleibt spannend. Eindeutige Favoriten für den Goldenen Bären gibt es nicht ...

    Erste deutsche Produktion in diesem Wettbewerb ausgezeichnet - Silberner Bär für "Victoria"



    Ein Film komplett in einer Einstellung gedreht, komplett ohne Schnitt - das ist wahrlich ein Novum. Sebastian Schipper hat dieses aufwendige Vorhaben in seinem Berlin-Thriller "Victoria" umgesetzt. Gerade wurde sein Kameramann, der aus Norwegen stammende Sturla Brandth Grøvlen für eine herausragende künstlerische Leistung mit dem Silbernen Bären geehrt. In unseren Augen eine absolut verdiente Auszeichnung.








    Der zweite Kamerapreis geht nach Russland an das bildgewaltige Werk "Under Electric Clouds".



    Der erste Preis, den wir nur schwer nachvollziehen können:

    Ein Silberner Bär für das beste Drehbuch geht an "Der Perlmuttknopf", ein gewiss ambitionierter Dokumentarfilm über Wasser, seine verschiedenen Erscheinungsformen und Klänge und nicht zuletzt über den Genozid an Ureinwohnern Patagoniens. Starke Bilder, aber narrativ absolut nicht stimmig ...




    Zwei Darsteller-Bären für "45 Years"

    Charlotte Rampling und Tom Courtenay überzeugten in dem interessanten Drama über Eifersucht im Alter sowie Erinnerungen an das tragische Ende einer Liebe. Beide Darsteller wurden je mit einem Silbernen Bären geehrt. In unseren Augen "an excellent choice!"



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