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Dein Leben mit Nicht-Behinderten - Wie tolerant musst Du sein?

Menschen mit Behinderung werden oft als hilfsbedürftige Opfer behandelt. Das erfordert viel Toleranz, vor allem von ihnen selbst. Wir wollen diese Erfahrungen hören: "Dein Leben mit Nichtbehinderten – Wie tolerant musst Du sein?" – unter diesem Titel sammeln wir Geschichten und Anekdoten von Menschen mit Behinderung. Erzählt uns in Texten, Bildern, Videos oder Posts von Euren Erfahrungen! Wir sammeln alles in unserem Liveblog. Die besten Geschichten senden wir im Rahmen der ARD-Themenwoche "Toleranz – Anders als Du denkst".

  • Marcus Willam erzählt eine wahre Begebenheit: Während er wartend am Bahnhof steht, kommen und gehen andere Menschen an den Bahnsteig, der Zug fährt aber nicht ab. Wie sich später herausstellt, wurden die anderen Menschen per Lautsprecher über den Ausfall des Zuges informiert. Er bekam das nicht mit und wartete sehr lange. Keiner machte ihn darauf aufmerksam.

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  • Als Rollstuhlfahrer in den Club? Nicht so easy:

    ARD Themenwoche Toleranz: Wenn der Alltag zur Behinderung wird | BR.de

    Mit Rollstuhl in den Club. Als Blinder Computer-Games zocken. Geht das? Wir machen den Test, treffen drei junge Menschen mit Behinderung und erfahren, wie es sein kann, dass jemand trotz Karriere nie Geld zurücklegen kann.
    [PULS]
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  • Vorab gleich der Hinweis: Ich habe bewusst ein Bild von mir hinzugefügt, bei einem Radiosender mit ähnlichem Effekt wie bei meinen blinden Freunden.
    Ich selber bin "nur" sehbehindert. Sehr tolerant bin ich, wenn Kollegen, Freunde, selten auch Verwandte mir als Farbenblinden immer wieder die tollen Farben auf ihrer Kleidung oder in der Natur im Frühling usw. erklären.
    Auch habe ich mich besonders als Lehrer daran gewöhnt, dass es meine Mitmenschen verwundert, warum ich, trotzdem ich eine Brille mit fetten Gläsern auf habe, immer noch so nah an das Papier rangehen muss. Letztens erzählte mir ein Freund aus Torgau, dass ihn der Wirt aus der Kneipe gefragt habe, warum ich denn an der Speisekarte rieche - das fand ich sehr lustig!!!
    Da ich an einem Gymnasium tätig bin, ich war auch schon an anderen Schulen in meinen 28 Dienstjahren, und mein soziales Umfeld auch überwiegend aus recht schlauen oder sehr schlauen Menschen besteht, weiß ich und toleriere auch, dass die Akzeptanz, manchmal auch bitte die Ignoranz von Behinderungen (steht bei uns auch nicht immer im Vordergrund) sehr stark auch vom IQ abhängt, manche Menschen sind damit einfach überfordert, die sind dann aber auch in vielen anderen Bereichen (Beruf, Familie, Beziehung, Geltungsbedürfnis usw.) überfordert.
    Übrigen, tolle Idee vom Bayerischen Rundfunk - danke, weiter so!
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  • Seit 14 Jahren bin ich Blind mit Sehrest 1-2 Prozent

    „Mein Leben mit Nichtbehinderten - Wie tolerant bin ich?"

    Aus der Sicht eines “behinderten“ Menschen
    scheint es fast egal zu sein, ob ich als „Behinderter“ Mensch in Bezug zum „Nichtbehinderten“ Menschen tolerant bin…
    …an dieser Stelle stellt sich mir die Frage,
    wieviel von meiner Toleranz wird von „Nichtbehinderten“ überhaupt wahrgenommen?

    Der „Nichtbehinderte“ Mensch braucht die von mir erbrachte Toleranz nicht.
    Er freut sich über Dankbarkeit.
    Auf der einen Seite ist dies auch richtig und schön, wenn mir geholfen wird, bin ich aus vollem Herzen dankbar.
    Auf der anderen Seite: wenn es im Umgang wie oft meist dabei bleibt, ist es bitter.
    Und ... doch: Am besten sind für mich Zeiten, in denen ich Toleranz für mich
    im Umgang mit Nichtbehinderten mit Humor übersetzen kann.
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  • Der Betroffenheitsprofi

    Der Betroffenheitsprofi
    kann sehen, denken oder laufen //
    und dir einen alten Socken verkaufen. //
    Der Socke mit all seinen Löchern, sagt er und streicht dir über die Backen. //
    Ist zum Mitgefühl einsacken. //
    Großzügig wie der Profi ist, //
    Schenkt er dir sogar den alten Mist.
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  • Wie tolerant ich sein muss? Oh ja, sehr! Toleranz kommt ja bekanntlich vom lateinischen „tolerare“, und das bedeutet so viel wie erdulden, ertragen, erleiden. Und ich muss in der Tat einiges ertragen! Allerdings leide ich weniger an übertriebener oder nicht erwünschter Hilfe, denn man sieht nicht, dass ich schlecht sehe! Von Fremden habe ich daher eher Unverständnis zu befürchten!
    Da schnauzt mich eine Frau aus der nächsten Straße an, was ich ihr denn getan hätte. Sie beschwert sich, dass ich sie nicht mehr grüßen würde, wenn ich als Beifahrerin an ihr vorbeifahre. Ich erkläre, dass ich sie gar nicht erkenne, weil ich schlecht sehe. Sie akzeptiert die Begründung nicht.
    Auf dem Gehweg hat ein Hund sein Geschäft verrichtet und dessen Besitzer es nicht für nötig befunden, den Dreck wegzuräumen. Ich erkenne den Haufen nicht und tapse mitten hinein. Natürlich ärgere ich mich!
    Außerdem sind da die vielen Hürden, die ein selbstständiges und selbstbestimmtes Agieren einschränken oder sogar unmöglich machen. Wie soll ich den Zahnarzt frei wählen, wo es doch nur einen vor Ort gibt? Natürlich könnte ich mit dem öffentlichen Nahverkehr auch in einen anderen Ort fahren, was sich allerdings in den meisten Fällen zu einem Tagesausflug ausweiten würde. Und wenn frau drei Kinder hat, ist das eher ungünstig.
    Apropos Kinder und Nahverkehr: Ohne Begleitung einen Elternabend zu besuchen, ist mir ebenfalls nicht möglich! Zum einen fährt zu der abendlichen Zeit ohnehin kein Bus mehr und zum zweiten entgeht mir alles, was die Lehrer mittels Overheadprojektor oder Whiteboard zeigen und erklären. Ich müsste ständig nachfragen, was den Elternabend in die Länge ziehen würde. Also gehe ich in der Regel gemeinsam mit meinem Mann hin. Wenn wir Glück haben, kann der Opakommen und auf die Enkel aufpassen. Zu ihm gibt es zwar keine Busverbindung, aber er verfügt über ein Auto und das nötige Sehvermögen!
    Dank meiner drei Kinder muss ich schon zuhause sehr, sehr tolerant sein! Sie arrangieren für mich Parcours für unfreiwillige Hürdenläufe. Wie sie das anstellen? Ganz einfach: Schuhe nach der Eingangstür mitten im Weg ausziehen und an Ort und Stelle stehen lassen; Den Schulranzen möglichst zentral im Flur platzieren. Die Hose über dem Laufen verlieren und als nette Stolperfalle liegen lassen; Im eigenen Zimmer die Möbel umstellen, wenn möglich, mitten im Raum verstreut; Das Licht ausschalten, während ich die Treppe rauf- oder runtergehe: Ein Blatt Papier auslegen oder eine leere Klopapierrolle – da rutscht es sich besonders gut drauf aus!
    Man könnte auch sagen, der Nachwuchs geht mit meinem eingeschränkten Sehvermögen ganz natürlich und unbefangen um! Die Jungs lassen sich davon wenig beeindrucken und finden garantiert jeden Vorteil, den die Behinderung ihrer Mutter für sie mit sich bringt. Ob es darum geht, quasi vor meinen Augen unbemerkt Naschwerk aus dem Kühlschrank oder einer Schublade zu stibitzen oder mich zu einer Unterschrift zu bewegen, ohne mir die schlechte Note zu beichten – alles wird ausprobiert. Und wenn ich beim Putzen über herrenlose Schokoladepapierchen stolpere, war es wieder keiner. Ich frag mich nur, wer dieser Keiner wohl sein mag und bei welchem meiner drei Sprösslinge er sich versteckt hält!
    Auch verschwinden regelmäßig Dinge wie Scheren, Messer oder andere Küchenutensilien. Das heißt, sie verschwinden nicht wirklich, sie wandern nur von ihrem angestammten Platz irgendwo anders hin. Sie mit meinem kläglichen Sehvermögen wieder aufzuspüren, ist oft reine Glückssache! Und dummerweise brauch ich sie häufig gerade dann, wenn die Kinder die Schulbank drücken und der Gatte an seinem Arbeitsplatz ist. Ich weiß nicht, wie viel Zeit ich schon mit vergeblichem Suchen verschwendet habe!
    Lesen kann ich schon lange nicht mehr. Je mehr mein Sichtfeld zerriss und zu immer kleineren Sehinseln zusammenschrumpfte, umso schwieriger wurde es. Manchmal erkenne ich jedoch einzelne Buchstaben oder Ziffern. Andere, die von meiner Sehbehinderung wissen, wundern sich dann regelmäßig über mich. Sie fragen nach, ob es wohl besser geworden sei und stellen ihre Unterstützung ein. Sie denken, jetzt müsse ich alles erkennen und lesen können, aber das ist nicht der Fall! Blindheit kann sich jeder gut vorstellen, da muss man nur die Augen zukneifen. Aber eine Seheinschränkung zu begreifen, ist etwas ganz anderes. Denn ich bin ja nicht völlig blind!
    Ich wundere mich sowieso, wie viel ich trotz meines mickrigen Sehrestes von etwa 5 Prozent auf dem sogenannten besseren Auge noch sehe. Oder sollte ich lieber sagen, erahne? Vielleicht ist es ja auch einfach Intuition oder Erfahrung! Schließlich wandern Schultaschen regelmäßig mitten in den Weg, macht die Kühlschranktür ein Geräusch, dem dann ein verdächtig unauffälliges „Trapp Trapp“ in Richtung eines der Kinderzimmer folgt, oder riecht ein Mund nach Schokolade.
    Auch das Nasenbohren gelingt dem holden Nachwuchs nicht immer unbemerkt. Ich triumphiere, wenn ich ein erstauntes „Wieso weißt du das? Du kannst es doch gar nicht sehen?“ höre. Tja, liebe Mitbewohner im Kleinformat, unterschätzt niemals eine sogenannte Behinderte! Auch das heimliche Popeln in der Nase erkenne ich vielleicht nicht direkt – aber die typischen Handbewegungen nehme ich aus dem Augenwinkel durchaus wahr und kann mir dann den Rest zusammenreimen! Ich mag zwar behindert sein, aber ich bin ganz gewiss nicht blöd!
    Ertragen muss ich allerdings die Popel, die außerhalb meiner Reichweite den Weg aus der Nase in die Wohnung gefunden haben. Manchmal kleben sie irgendwann mir an der Hose, weil ich sie nicht gesehen und mich dann daraufgesetzt habe. Auch muss ich es aushalten, dass mir Informationen vorenthalten werden, so nach dem Motto, „das kann sie sowieso nicht lesen, also sag ich es ihr gar nicht!“ Dabei handelt es sich in der Regel um handschriftliche Dokumente wie Schulaufgaben oder ähnliches, die mein Vorlesegerät nicht lesen kann.
    Was zu ertragen mir besonders schwerfällt, ist die Abhängigkeit. Abhängigkeit von anderen, die Dinge für mich tun, die ich gerne selbst tun würde. So hat mein Mann die Verwaltung der Finanzen vollständig übernommen. Das bedeutet, dass ich ihn um Geld bitten muss, wenn ich ein Geschenk für ihn kaufen möchte! Natürlich ist es nicht sein Geld oder Konto, sondern unser gemeinsames. Trotzdem fühlt es sich blöd an! Wobei ich oft gar nicht weiß, was ich ihm überhaupt schenken soll! Ohne ihn bin ich ja praktisch eine Immobilie und komme gar nicht dorthin, wo es Dinge gibt, die ihm Freude bereiten!
    Oder die Abhängigkeit von der Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit anderer. Ich kann ja selbst nicht mehr fahren, muss also oft jemanden darum bitten, Taxi für mich zu spielen. Dann warte ich manchmal vor der Haustür auf die jeweilige Person und sie kommt nicht pünktlich. Ich stehe wie unter Strom, weil ich weiß, dass es allmählich knapp wird. Ich bin dem Helfenden auf Wohl und Wehe ausgeliefert! Wenn er mich vergisst, hat nicht er ein Problem, sondern ich! Und ich wurde tatsächlich schon vergessen! Da musste ich es ertragen, nicht pünktlich zu sein und die Schelte einzustecken, dabei lag es gar nicht an mir!
    Oder ich muss es erdulden, dass etwas als barrierefrei gepriesen wird, aber wieder einmal die Sehbehinderten vergessen wurden! An die denkt kaum jemand! So werden immer mehr Gehsteigkanten abgesenkt, was für Rollstuhlfahrer toll ist. Aber die Ampeln geben nach wie vor keinen Mucks von sich. Sind also die Lichtverhältnisse nicht ausnahmsweise gerade „ampeloptimal“, darf ich rätseln, ob gerade grün ist! Wenn ich Glück habe, kommt ein weiterer Fußgänger, der über die Straße möchte, und ich kann mich an ihm orientieren.
    Auch in der virtuellen Welt stoße ich auf Hindernisse. Zwar verfüge ich über einen Screenreader. Ein Screenreader ist ein Programm, das Bildschirminhalte vorliest, und zwar von Anfang bis Ende. Ganz gleich, welcher Unsinn auf der Seite steht, ob ein Kalender mit Wochentagen und den einzelnen Daten oder eine ausführliche Kopfleiste mit zig Anklickmöglichkeiten, alles rattert der Screenreader unterschiedslos herunter. Da dauert es oft lange, bis ich bei der für mich interessanten Textpassage angelangt bin. Sehbehinderte müssen das ertragen!
    Schließlich ist das noch das geringste Übel! Denn oft sind die Seiten so angelegt, dass der Screenreader sie eben nicht vollständig lesen kann! Wie oft habe ich schon gehört „eingebettetes Objekt“ und das war es dann! Der Text in dem Bilderrahmen bleibt für mich unlesbar!
    Übrigens sind auch die Preisrätsel des Bayerischen Rundfunks für mich und meinen Screenreader nicht zugänglich! Denn den Code, der sich irgendwo gut versteckt hält, hat mein Screenreader noch nie vorgelesen!
    Eine Sache fällt mir doch noch ein, wo ich manchmal Hilfe bekomme, die ich nicht brauche: Wenn ich eine Treppe hinaufgehe, meinen manche, sie müssten mich führen, und packen mich am Arm. Aber Probleme habe ich nicht treppauf, sondern ausschließlich treppab, wo sich alles wie eine Ebene vor mir ausbreitet. Und ganz egal, wie oft ich das schon erklärt habe, beim nächsten Mal werde ich wieder treppab allein gelassen und treppauf ungefragt am Arm gepackt!
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  • ich bloggte vor ein paar Tagen über Toleranz :http://thabs.de/toleranz/
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  • Ich möchte nicht für meine Blindheit bewundert werden oder bemitleidet. Ich sehe nicht, wenn jemand starrt, aber wenn mein Freund mir das dann sagt frage ich mich immer ob ich im Museum stehe. Ich dachte eigentlich dass gerade Kinder lernen, zu fragen, wenn ihnen was unklar ist, statt dessen starren alle nur oder gehen mir gleich ganz aus dem Weg und das in einer Stadt, in der viele blinde leben. Ich möchte gefragt werden, ob man mir helfen kan, anstatt einfach zu zerren oder "links, rechts" zu sagen wenn ich den Weg genau kenne und weiß, wo da Hindernisse sind. Weise ich die Leute darauf hin, sind sie gleich beleidigt "ich wollte ja nur helfen" mag sein, aber niemand möchte einfach so angefasst werden, auch wir haben Distantszonen die eingehalten werden müssen. Manche reden dann auch überlaut mit mir, so als sei ich zusätzlich noch taub oder blöd.
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  • Auch die Kollegen von sueddeutsche.de haben dieses Thema entdeckt: "Wo will der Rollstuhl denn raus?"
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  • Ich habe eine angeborene Gehbehinderung, kann auch laufen, nutze aber seit einigen Jahren außer Haus meistens meinen Rollstuhl.

    Ich finde im Allgemeinen hat sich der Umgang von Nichtbehinderten mit Behinderten sehr gebessert.
    Ich muss mich allerdings in vielen Punkten meinen Vorscjhreibern anschließen.

    1. Ich möchte nicht, dass man mich durch die Gegend schiebt ohne gefragt zu haben. Wenn ich Hilfe brauche, dann frag ich nach Hilfe und wenn ich etwas alleine versuche und es klappt nicht, dann brauche sich dafür kein anderer verantwortlich fühlen, dass es nicht geklappt hat. Ich möchte einfach Dinge erst alleine versuchen, bevor ich nach Hilfe frage und außerdem lege ich großen Wert auf meine Selbstständigkeit und Selbstbestimmtheit.
    In manchen Situationen kann es auch gefährlich sein, wenn jemand plötzlich meinen Rollstuhl schoiebt ohne es angekündigt zu haben, weil sich dann der Krafdt aufwand, den ich aufwenden muss um vorranzukommen verringert und wenn man z.B. eine Bordsteinkante runterfahren will und plötzlich fasst einer an, kann es auch passieren, dass man nach hinten umfällt. Es ist mir auch schon passiert, das mich Menschen vor eine kleine Bordsteinkante geschoben haben und ich fast rausgefallen bin, weil diese Leute dachten, dass man so da hochkommt.

    2. Keiner muss mir meterweit aus dem Weg gehen oder sämtliche Stühle aus dem Weg räumen. MMein Rollstuhl ist recht schmal und wendig und ich beherrsche ihn gut und brauche nicht viel Platz. Ansonsten sag ich es (s.o.).
    Eltern müssen auch ihre Kinder nicht aus dem Weg zerren. Es ist nicht schlimm, wenn man mir im Weg steht, ich stehe bestimmt auch mal im Weg.

    3. Ich finde, man darf ruhig fragen, warum ich behindert bin. Es ist immer besser zu fragen als zu starren. Auch Kinder dürfen mich ruhig fragen was los ist, denn nur so kann man lernen. Wenn ich eine Frage nicht beantworten möchte, dann sag ich auch dies.

    4. Ich gehe durchaus auch mal in Diskotheken mit Freunden. Es gibt dort immer wieder Menschen, die mir sagen, wie toll sie es finden, dass ich trotz meiner Behinderung in Diskos gehe! Da kann ich nur sagen "Ja schon, aber warum auch nicht?!". Was ich nicht leiden kann ist, wenn Leute meinen meine Freunde sind meine Betreuer und man kann nur mit denen reden. Ich bin Studentin, lebe vollkommen selbstständig und bin durchaus auch in der Lage selbst für mich zu reden.
    Ich habe eine angeborene Gehbehinderung, kann auch laufen, nutze aber seit einigen Jahren außer Haus meistens meinen Rollstuhl.

    Ich glaube im Großen und Ganzen müssen die Menschen einfach mehr fragen.
    Es ist nicht schlimm, wenn man etwas nicht weiß, wenn man nicht so viel mit behinderten Menschen zu tun hat.
    Es liegt dann ans uns behindinderten diese Fragen nicht genervt zu beantworten. Aber man muss nichts beantworten, was man nicht beantworten möchte.
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  • Als Gehbehinderte mache ich u. a. oft folgende Erfahrung in folgender Situation:

    Ich möchte gerade eine schwere Glastür öffnen, dann kommt ein Mensch von der anderen Seite her und möchte mir die Tür aufhalten. Meistens ist es aber so, dass ich den Türgriff bereits fest in der Hand habe und diesen zu diesem Zeitpunkt auch schon zum Festhalten brauche. Dabei ist mir auch schon passiert, dass ich beinahe gestürzt wäre, weil mir der ungebetene Helfer die Tür aus der Hand gerissen hat - obwohl ich darum gebeten hatte, diese doch bitte loszulassen... Und wenn man dann vor Schreck etwas lauter (jedoch nicht unfreundlich) wird, sind die Leute beleidigt...
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  • Behindertennichdiskriminierungsdiskriminierungsgesetz

    Meine Freundin ist sehbehindert. Und sucht nach einem neuen Arbeitsplatz. Da sie ja behindert ist, könnte es ja sein, dass sie sich im Laufe des Bewerbungsverfahrens auf Gesetze beruft, die das Diskriminieren von Minderheiten verhindern sollen. Somit schwebt über jedem Unternehmen die Klage aufgrund vermeintlicher Diskriminierung. Um dies zu vermeiden wird sie häufig, insbesondere in staatlichen Einrichtungen, zum Bewerbungsgespräch eingeladen. Sie fährt dann mit dem Zug bis zu 300km zum Bewerbungsgespräch, dann trinkt man gemütlich ein, zwei Tassen Kaffee, plaudert ein wenig über das Wetter und dann darf sie wieder heim fahren. Auf diese Weise kann sich das Unternehmen nicht vorwerfen lassen, meine Freundin wäre nicht zum Bewerbungsgespräch eingeladen worden. Toll, nicht?
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  • Ich bin vollblind und schreibe meine Erfahrungen gerne humorvoll auf.

    Laufschnur - Anlass für vielerlei Spekulationen

    Joggen – ein Selbstversuch mit Langstock endete mit verknacksten Knöchel, Bänderzerrung und drei Wochen Schonung. Da war ein anderer Plan bitter von Nöten.
    Ingrid, mit der ich schon walke, weigerte sich hartnäckig, ihren Body vom Untergrund zu erheben; eine andere Bekannte fand keinen Termin und wieder eine andere traute sich nicht – lauter Absagen.
    Ohne viel Hoffnung fragte ich Alexandra, unsere Schwimmaufsicht, und ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen: "Ja, ich jogge, wir können gleich zum Lebkuchenlauf gehen!", antwortete sie mir. Das war mir dann doch etwas zu forsch und wir fingen langsam an.
    Wir halten beide eine kurze Schnur in der Hand auf Spannung, damit ich die Richtung einhalte und doch möglichst frei laufen kann.
    Dieses kurze Stück Schnur bietet allerlei Anlass zur Spekulation:
    Ein entgegenkommender älterer Herr deutet auf den Strick und meint freundlich:
    "Damit ihr euch nicht verliert!"
    Jawohl, so kann man das auch nennen – damit ich in der Spur bleibe.

    Auf der Runde um den Herrengraben spricht uns eine junge Dame an:
    "Bevor ich heute Nacht nicht schlafen kann: "Warum habt ihr denn eine Schnur?"
    Wir klären sie auf – um ihren guten Schlaf bemüht.

    Eine Frau meint wissend: "Zum besseren Training!?"
    Ja, sonst wäre ein Training so für mich nicht möglich.

    Ein Mann kommt uns auf dem Weg um den See entgegen und rät uns fürsorglich:
    "Ihr werdet euch doch nicht um den Strick streiten!"
    Nein, es ist lediglich mein Kampf, mit Alex Schritt zu halten.

    Auf dem Betonweg nach Iphofen erkennt ein Mann: "Ah, abschleppen!"
    Wie wahr, Alex saust heute wie der Blitz und ich bekomme kaum die Füße auf den Boden und bin schon wieder in der Luft. Hechelnd tappe ich in ihrem Windschatten.
    Das nehme ich aber alles in Kauf, wenn ich nur draußen laufen kann und eine Begleiterin habe.

    Eigentlich dachte ich, die Reihe der Kommentare sei zu Ende – nein, gleich bei einem Lauf drei:
    "Net loslassen!", mahnte ein entgegenkommender Mittelfranke.
    Nein, tu ich nicht freiwillig.

    "Immer noch am Bendel!" stellte er beim nächsten Treff fest.
    Ja, ich lasse mich nicht so leicht abnabeln.

    "Dudär euch daa führn?" fragte ein Spaziergänger auf dem Weg um Iphofen.
    Kommt hin...
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  • Blind sein

    Stell dir vor:
    du bist ein Haus und an den Fenstern sind die Rollos heruntergelassen
    du schaust jetzt so deinen Garten an

    neue Blickrichtung
    um außen etwas zu sehen muss ich nach innen schauen
    in mein Kopf-Kino gehen

    Wahrnehmung weniger Überblick mehr Einblick
    die fassbare Welt ist sehr eng geworden
    so weit meine Arme und Beine reichen

    zurückgeworfen auf mich selbst
    neu organisieren neu beginnen
    neue Wege und eigene Lösungen finden

    andere Werte werden wichtig
    Stille Ordnung Langsamkeit

    Sinne schärfen sich
    konzentriert auf das Wesentliche
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  • Vollkommen normal

    Ich bin vollkommen normal, oder?

    Ich bin schon sehr lange vollblind.
    Deshalb suche und finde ich andere Wege um an mein Ziel zu gelangen.
    Das ist doch vollkommen normal, oder?

    Das Nicht-Sehen-Können hat meinen Blick von der Oberfläche in die Tiefe gelenkt.
    Dafür bin ich dankbar.
    Das ist doch vollkommen normal, oder?

    Mein Gegenüber sieht in mir häufig seine eigene Schwäche und Hilflosigkeit.
    Ich weiß es und halte es aus.
    Es bereitet mir Schwierigkeiten, aber es macht mich auch stark.
    Das ist doch vollkommen normal, oder?

    Sehende meinen oft besser zu wissen, was für eine Blinde gut ist.
    Ich fühle mich da selten richtig verstanden.
    Ich nehme das zur Kenntnis und gehe meiner Wege.
    Das ist doch vollkommen normal, oder?

    Ich messe mich stets an Sehenden.
    Eine Richtschnur, die selten oder gar nicht zu erreichen ist.
    Ich will sein wie ein Sehender.
    Ist das noch normal?
    Darf ich nicht blind sein?

    Eine Freundin sagt: "Brigitte, du bist so normal.
    Das macht dich so außergewöhnlich."
    Das ist also doch nicht normal?
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  • Bevorzugt bei Dunkelheit

    Tagsüber kann jeder seinen Garten gießen. Aber um Mitternacht?
    Auf so etwas komme scheinbar nur ich, denn für mich gibt’s da keinen Unterschied. Irgendwann muss ich doch auch einmal einen Vorteil haben.
    Wenn also andere sich ins Haus zurückziehen, die Beine hoch legen, Fernseher und Licht anschalten, werde ich draußen aktiv. Im Sommer ist es dann bereits kühler und die Tagesgeräusche klingen ab. Da lässt sich prima das gesägte Holz aufstapeln. Der Nachbar dachte, da seien Diebe am Werk, schnappte sich seine Taschenlampe und schlich herüber.
    "Ach, ganz normal, Brigitte räumt nur auf!"
    Dem Unkraut ist es sowieso egal, ob es am Morgen oder in der Nacht gerupft wird. Nur habe ich da schon eine Nachbarin furchtbar erschreckt, als sie in der Nacht auf dem Heimweg an meinem Grundstück vorbei kam und ich unvermutet aus dem Gebüsch kroch. Sie hüpfte fast vom Gehsteig. Seitdem verlege ich meine Nachtaktivitäten lieber in den hinteren Garten.
    Beim Gießen hört man so richtig schön, wo das Wasser auftrifft. Blätter klingen anders als Erde, der Baumstamm oder der Teich und die Kieselsteine. Leider findet sich kaum jemand, der mir um Mitternacht beim Gießen Gesellschaft leistet. Nur Marina hat sich einmal getraut und mitgegossen.
    Aber egal. ob dunkel oder hell, wenn Ingrid laufen will findet sie mich.
    Versteckt unter der Eibe hinter der Hecke im Graben zum Nachbarn, spürte sie mich auf und stand plötzlich vor mir.
    "Wir laufen jetzt!"
    Erschrocken fuhr ich hoch.
    "Wie hast du mich denn gefunden?", fragte ich verwundert.
    "Na, deine Gartenschuhe waren fort, Da musst du doch irgendwo drin stecken!"
    Gegen sie ist absolut kein Kraut gewachsen.
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  • Luftüberwachung

    Ab in den Garten – das Wetter passt gerade. Auf allen Vieren robbe ich los, in der einen Hand den Unkrautstecher und mit der anderen schaue ich. Nach Stunden körperlichen Einsatzes kehre ich erschöpft, aber zufrieden an meinen Ausgangspunkt zurück. Der Rücken schmerzt, aus den Haaren rieseln trockene Blüten und Blätter und von Hose und Händen bröckelt Erde. Um nicht im Haus eine Schmutzspur zu hinterlassen, habe ich mir als ordentliche Hausfrau angewöhnt, die Gartenklamotten auf der Terrasse auszuziehen. Haus und Büsche schützen mich vor Nachbars neugierigen Blicken. Hose, Socken und T-Shirt hängen bereits am Stuhl. Gerade öffne ich den BH, denn selbst dort sammeln sich Blättchen und Nadeln,.
    Klatsch, Klatsch, Klatsch!
    Lauter Beifall erschallt aus luftiger Höhe.
    Jetzt höre ich auch das Gas zischen.
    Verwundert hebe ich den Kopf.
    Fährt doch da gerade ein Ballon über mir vorbei!
    Auf Blicke von Oben bin ich nun wirklich nicht vorbereitet gewesen.
    Tja, Striptease im Garten bekommen Ballonfahrer auch nicht jeden Tag geboten.
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  • PeterB hat seinen Beitrag zum Thema als Hörfassung auf Youtube eingereicht. Vielen Dank dafür!

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  • Bei meinem Sehrest von 2 % rechts und 1 % links trage ich in der Öffentlichkeit an meinem Revers das gelbe Behindertenabzeichen mit drei schwarzen Punkten und gehe mit dem gut sichtbaren weißen Stock (Blindenstock), dessen Bedeutung nach meinen Erfahrungen vielen Fußgängern und Radfahrern nicht bekannt ist.
    Auf Gehsteigen und selbst auf Spazierwegen, wo hier in Kempten Hunde an der Leine zu führen sind, laufen große Hunde frei und erschrecken mich, wenn sie für mich blinde Person, obwohl ich keine Angst vor Hunden habe, plötzlich vor mir stehen oder mich anschnüffeln. Über kleine
    Hunde drohe ich zu stolpern, weil sie sich für mich ungesehen vor meinen Füßen befinden. Angesprochen auf diese gefährliche Situation reagieren Hundehalter mit Unverständnis.
    Ähnliche Schrecksituationen erlebe ich, wenn Radfahrer ohne Klingelzeichen haarscharf an mir vorbeifahren, oft vorbeisausen.
    Ich danke Ihnen für die Beschäftigung mit dem Thema behinderte Menschen.
    von Ellen Schallenberger bearbeitet von Notizbuch-Redakteur 11/11/2014 7:54:22 AM
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  • Schienenersatzverkehr
    Vor drei Tagen habe ich von dieser Themenwoche erfahren und hatte hin und her überlegt, was ich dazu beisteuern könnte. Heute fiel mir mein Beitrag so zu sagen in die Hände.
    Ich war mit einen guten Bekannten verabredet. Wir wollten uns in Neukölln, das ist in Berlin ein Bezirk, treffen um ein paar nette Stunden zusammen zu verbringen. Also ging ich zur U-Bahnline 7, um dort in Richtung Rudow zu fahren.
    Alles schien bis dahin okay zu sein. Der Zug fuhr in den Bahnhof ein. In der U-Bahn suchte ich mir gemütlich einen Platz und döste vor mich hin. Bis ich plötzlich eine Durchsage vernahm, das alle Fahrgäste doch bitte aussteigen sollen, denn der Zug endet hier. Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.
    Also stieg ich wie alle anderen aus und stand wie verdonnert erst einmal herum und wußte nicht, wohin ich gehen sollte. Die Menschen liefen aufgeregt an mir vorbei und hörten mein Bitten nicht, mir doch weiter zu helfen. Ein Herr wandte sich dann zu mir um und sprach mich in einer fremden Sprache an.
    Ich versuchte ihm zu erklären, das ich gerne zum Schienenersatzverkehr möchte. Er verstand mich nicht und ließ mich dann ohne Vorwahrnung einfach stehen.
    Einige Anläufe mußte ich unternehmen, bis mich doch jemand erhörte und mich dann zum gewünschten Ziel brachte, dem Bus.
    Es war sogar ein Angestellter der U-Bahn der mich dann freundlicher Weise unter seine Fittiche nahm. Ihm breitete ich dann meinen Herzschmerz aus, das ich von dem hier, nicht vorher informiert wurde. Denn sonst hätte ich wohl doch einen anderen Weg wählen können um da hin zu gelangen, wo jetzt mein Bekannter auf mich wartet.
    Ihm tat dies offenbar sehr leid, aber könne im Moment nichts für mich tun, als mich zum Schienenersatzverkehr zu bringen.
    Ich meinte zu ihm das ist mir klar, aber können Sie dies doch bitte weitergeben? Er hörte sich alles an, aber ob er das dann wirklich tat, weiß ich nicht. Nun saß ich erst einmal im Schienenersatzbehelf und hoffte nun, gut da anzugelangen, wo ich schon längst erwartet wurde.
    Nach einigen Stationen hielt der Bus und es ging dann wieder zur U-Bahn.
    Ich lief zum Gleis Richtung Rudow, aber dort fand momentan kein Zugverkehr statt.
    Wäre mir da nicht eine nette Frau über den Weg gelaufen, die sich meiner annahm, würde ich wahrscheinlich noch immer dort stehen. Auch da hörte ich keinerlei Ansage, die mir verriet wie es nun weiter geht.
    Sie sprach dann einen Herren an, der uns dann verriet, wo wir hin müssen.
    Auf dem Gleis fuhr nun der Pendelverkehr.
    Sie bot sich an, so lange zu warten bis ich letztendlich in der richtigen U-Bahn sitze, die mich dann in Richtung Rudow führe.
    Nach einigen Stationen war ich dann auch da, wo ich hinwollte.
    Jedoch ziemlich genervt und entsetzt, das es so abgelaufen war. Zurück fuhr ich dann lieber einen Umweg um ohne Streß nach Hause zu gelangen.
    Ich mußte heute wirklich viel Toleranz an meinen Mitmenschen üben, um nicht völlig aufgelöst zu meiner Verabredung zu gelangen.
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  • GESCHICHTEN AUS DEM ALLTAG EINES BLINDEN

    1. Im Griff von zwei frommen Frauen

    Samstagnacht in der U-Bahn-Station Nollendorfplatz. Ich bin auf der untersten Ebene ausgestiegen. Plöttzlich hebt jemand die Spitze meines Blindenstocks hoch und zieht mich hinter sich her. Auf der Rolltreppe dreht sich meine unbekannte Helferin um und fragt mich: "Haben Sie schon einmal etwas von Jesus Christus gehört?"
    "JA" sage ich. "Der hätte mich sicher liebevoller angesprochen."
    Mein schräger Engel lässt den Blindenstock fallen. Er ist in dieser Nacht nicht alleine unterwegs.
    "Wir werden für Sie beten!" ertönt es aus zwei Mündern.
    "Das kann nie schaden", bedanke ich mich und setze - vom frommen Zugriff erlöst - meinen Weg nach oben fort.

    2.Gabel oder Löffel?

    In meiner Nachbarschaft wird eine Kneipe neu eröffnet. Sie lädt zu einem kostenlosen Büffet ein. "Ich habe Lust auf viel Salat", erkläre ich Peter. "Löffel oder Gabel?", fragt er, und meine Antwort ist "eine Gabel".
    "Aber mit einem Löffel kämst Du besser zurecht!", belehrt mich Peter. Stur bestehe ich auf meiner Gabel.
    Meine Finger ertasten einen bis an den Rand gefüllten Teller. Ich mache mich mit meiner Gabel an die Arbeit. Plötzlich spricht ein Fremder vom Nebentisch Peter an: "Mit einem Löffel käme er viel besser zurecht." - "Der Meinung war ich auch", entschuldigt sich Peter. Der Fremde steht auf und nimmt mir meine Gabel aus der Hand. Dann kommt er mit einem Löffel zurück und setzt sein Gespräch mit Peter fort: "Mein Großvater war auch blind. Bei Blinden darf man nicht lange fackeln. Da muss man handeln!"
    Ich löffle meinen Salat und denke an den armen Großvater.

    3. Frühling

    Wenn im Garten die ersten Krokusse blühen oder im Mai die Apfelbäume Blüten treiben, lässt sich meine blinde Mutter zu den Frühlingsboten führen. Zärtlich berührt sie die zarten Knospen und verharrt einen Moment in tiefer Ergriffenheit.
    Seit meinen Kindertagen höre ich das Lied, wie tapfer meine Mutter ihr Schicksal meistert. Jetzt bin auch ich schon seit über 15 Jahren blind. Der Frühling ist für mich eine besonders schmerzhafte Zeit. Alle um mich herum freuen sich über die Rückkehr der Farben. Ich aber werde niemals mehr einen blühenden Kirschbaum oder einen strahlend blauen Sommerhimmel bewundern können.
    Im November lebt es sich wieder leichter, wenn alle das trübe Wintergrau beklagen.

    4.Der ungebetene Helfer

    Ich möchte auf dem U-Bahnhof Möckernbrücke in die untere Linie umsteigen. Auf der Zwischenebene bietet mir ein Mann seine Hilfe an. Seine alkoholfahne schreckt mich ab. Ich lehne dankend ab. Trotzdem heftet er sich an meine Fersen. Auf einer langen Rolltreppe geht es nach unten. Plötzlich schreit er "Jetzt". Vor Schreck mache ich einen Schritt vorwärts und stürze die letzten drei Stufen hinunter. Das hätte übel ausgehen können.
    Mein Helfer lässt sich nicht abschütteln. Meine Schritte werden unsicherer und jede Stufe kann jetzt zum Verhängnis werden. Ich bin erleichtert, als sich endlich die U-Bahn-Tür hinter mir schließt.
    Wie wir Blinden werden auch viele Alkoholiker als Außenseiter wahrgenommen. Wenn dann auch ich noch die angebotene Hilfe ablehne, reagiert mancher hasserfüllt. Oft ist es klüger, ihn als Helfer zu akzeptieren, statt den schwankenden Mann abzuweisen.

    5. Engel und Dämonen

    "Was sucht der Mann mit dem Stock im Boden?", fragt ein Kind seine Mutter. Diese wartet mit der Antwort, bis ich mich entfernt habe. Offenbar ist ihr die Neugierde ihres Kindes peinlich.
    Manchmal antworte ich statt der Mutter: "Ich suche einen vergrabenen Schatz. Kannst Du mir helfen?" Das Kind reagiert belustigt. Meist weiß es nicht so recht, ob es mir glauben soll.
    Kinder haben zu einer Behinderung noch ein unbefangenes Verhältnis. Sie fühlen sich geschmeichelt, wenn sie helfen können. Aber es kann auch ganz anders kommen:
    Ich döse auf einer Wiese vor mich hin. Plötzlich spüre ich, wie sich jemand an meinen Blindenstock heranschleicht. Sicher ist es wieder der achtjährige Achmet. Er hat zuhause wenig zu lachen. Sein Vater ist seit Jahren arbeitslos. Anfangs bin ich Achmets Zurufen treuherzig gefolgt und gegen manche Wand gerannt. Jetzt gelingt es ihm nicht mehr so leicht, mir ein Bein zu stellen.
    Ich lasse einen Schrei los und eine kichernde Kinderhorde entfernt sich.

    6.Der blinde Weise

    Ich bin unterwegs auf der Warschauer Straße. Plötzlich höre ich hinter mir heftiges Geschnatter. Es hört sich fernöstlich an. Dann werde ich links und rechts untergehakt. Mein Blindenstock schwebt in der Luft. Dem Lachen nach zu schließen, macht es meinen Begleiterinnen viel Spaß. Sie kommen aus einer Kultur, die im Blinden den Weisen sieht. Es bringt Glück, für einen Moment seine Wirklichkeit zu teilen. Hundert Meter weiter lassen sie mich wieder allein.
    Der christlich geschulte Blick sieht in mir einen vom Leid Gezeichneten. Nicht Fröhlichkeit, sondern Mitgefühl erscheint als die angemessene Reaktion. Aber vielleicht hat mein Unglück auch noch eine andere, glücksbringende Seite.

    7. "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes!"

    Er muss mich in der U-Bahn entdeckt haben. Als ich sie an der Endstation verlasse, folgt er mir. Unter freiem Himmel spricht er mich an: "Im Namen Jesus Christus, der die Blinden geheilt und die Lahmen das Gehen gelehrt hat, kann ich Dir Dein Augenlicht wiedergeben!"
    Mein Schweigen deutet er als Zustimmung. Er legt seine Hände auf meine Schultern und beginnt zu beten. Vorbeiratternde S-Bahnen untermalen den Klang seiner lateinischen Fürbitten. Schließlich legt er seine warmen Handflächen auf meine Augenhöhlen.
    "Ich spreche Dich los von Deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes." Dann schlägt er offenbar ein großes Kreuz über mich. Mir ist inzwischen eingefallen, dass er mich schon einmal geheilt hat. Es geschah vor etwa zwei Jahren und mitten im geschäftigen Treiben auf der Warschauer Straße.
    Ein tiefer Ernst und seine religiöse Inbrunst machen aus ihm einen sympathischen Irren.

    www.leiden-schaft.org
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  • Ich finde die Idee einer Themenwoche gut und wichtig, weil es für einige vielleicht doch die Chance ist nachzudenken.
    Ich selbst sitze im Rollstuhl und bin blind. Habe eine Mehrfachbehinderung.
    Mir ist schon einiges aufgefallen im Zusammenhang mit nicht behinderten Menschen, das leider sehr negativ ist. Parkplätze für Rollstuhlfahrer, wo sich dann ein normaler Autofahrer draufstellt, „das hab ich jetzt aber gar nicht gesehen“ - sowas ist leider keine Seltenheit.
    Oder Toiletten für Rollstuhlfahrer, die auch von Fußgängern benutzt werden, weil die Toilletten einfach schön groß sind.
    „Ich darf auch hier drauf gehen.“
    Ich: „Warum, wo ist denn ihr Rollstuhl?“
    Die Frau (Fußgängering): „Ich hab einen Schlüssel!“
    Peinlich! Einfachste Ausreden, weil ihnen die Begründung fehlt. Unglaublich!
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  • Die Aktion finde ich toll Ich bin übrigens hochgradig sehbehindert und lebe in einer eher provinziellen Umgebung.
    Es wurden bereits viele negative Beispiele zum Umgang der Bevölkerung mit Menschen mit Handicaps angeführt, die ich ebenfalls bestätigen kann.
    Meine Erfahrung ist, dass die Bevölkerung in Großstädten toleranter und aufmerksamer z.B. auf jemand mit Blindenstock reagiert, als in der Provinz. Nachdem ich meine Kindheit und Jugend in einer Blinden- und Sehbehindertenschule verbracht habe, also unter blinden und sehbehinderten Menschen und in einer sehr geschützten Umgebung, musste ich nach meiner Ausbildung als junge erwachsene Frau erst lernen, in der "sehenden Welt" zu bestehen. Dabei habe ich u.a. die Erfahrung gemacht, dass auch wir Menschen mit Handicap tolerant gegenüber den "Normalos" sein müssen, weil sie wirklich oft nicht wissen, wie sie mit uns umgehen sollen.
    Allerdings gibt es leider viele, die nicht in der Lage sind, über den Tellerrand hinaus zu schauen. Noch schlimmer finde ich, wenn Eltern durch ihr Verhalten ihren Kindern vermitteln, dass eine Behinderung etwas Schlimmes ist. Ich benutze einen Blindenlangstock und während ich mit "Fiffi" einmal auf den Bus wartete, kam ein kleines Kind in meine Nähe gelaufen. Kurz darauf kam die Mutter und hat das Kind mit den Worten weggezerrt: "Geh weg, die ist blind!" Da war ich echt geschockt. Ebenfalls erschreckend ist für mich - insbesondere als Frau mit einer Sehbehinderung - dass es Menschen gibt, die mir nicht einmal einen Partner ohne Behinderung zugestehen würden. "Er muss ja nicht blind/sehbehindert sein, sondern kann ja eine andere Behinderung haben." Es ist schon blöd genug, dass es in der sehenden Männerwelt sehr oft Vorurteile gegenüber blinden/sehbehinderten Frauen gibt: die kann nicht Auto fahren, kann die überhaupt meine Wäsche waschen, kochen, putzen etc.???
    Was die Toleranz der Medien angeht, würde ich mir wünschen, dass in der Berichterstattung zwischen Blindheit und Sehbehinderung differenziert wird. Die Bedürfnisse sehbehinderter Menschen unterscheiden sich oftmals erheblich von denen blinder Menschen. Es ist ja schön, wenn es an den unterschiedlichsten Orten Beschriftungen in Braille gibt. Was nutzt mir das aber, wenn ich kein Braille lesen kann und optisch alles grau in grau ist? Zusätzlich eine kontrastreiche Gestaltung mit gut lesbarer Schrift und blendfreie Beleuchtung würde sehbehinderten Menschen, die sich zum Großteil noch visuell orientieren können, wesentlich mehr helfen.
    Abschließend bleibt für mich zu hoffen, dass die Aktion Erfolg hat und die Toleranz und das Verständnis untereinander und füreinander wächst.
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  • OI! Na das ist mal ein Thema.
    Ich stell mich kurz vor: Ich bin Tamara und 22 Jahre. Ich bin an taubheitsgrenzend Hörbehindert und trage einseitig ein Cochlea-Implantat (Hörprothese) und auf der anderen Seite mein Hörgerät. Meine Hörbehinderung habe ich seit meiner Geburt. Ich komme aus einer Familie, die davon geprägt ist. Die Behinderung wird weiter gegeben und besteht schon seit Generationen. Ergo. Ich kenn das normale hören nicht und versuche mir vorzustellen, wie es ist, normal zu hören, aber das wird mir nie gelingen.
    Seit kurzem studiere ich und komme gut klar. Aktuell kämpfe ich mit meiner Krankenkasse für die Kostenübernahme einer sogenannten Höranlage, die mir hilft, im Alltag besser klar zu kommen und meine Gesprächspartner zu verstehen. Leider finde ich das absolut diskriminierend, dass genau solche Institutionen anscheinend so auf den Kapitalismus aus sind. Ahnung vom wirklichen Leben eines Behinderten haben die wenigsten dort und kann Argumente zum Teil einfach nicht nachvollziehen.
    Wie tolerant muss man sein? Ich will hier mal speziell mal auf die Hörbehinderung/Gehörlosigkeit eingehen. Ich erlebe es einfach immer wieder, wie WENIG die meisten Menschen über das Thema Hörbehinderung/Gehörlosigkeit wissen. Einige Personen mit denen ich studiere, wussten nicht mal, dass es eine Höranlage gibt, oder dass es gar ein internationales Fingeralphabet gibt! Ganz ehrlich. Ich finde das sehr traurig. Und dabei kann man solche kleinen Sachen, die soo viel bewirken können, nebenher sogar noch in der Grundschule vermitteln! Themenwoche/Projektwoche: Behinderung. Man.. man kann sooo tolle Projekte machen! Wenn man schon dort anfängt, dann wäre es weitaus weniger nervig und diskriminierend für alle Beteiligten, denn Nicht-Behinderte sind genauso behindert, wenn sie nicht wenigstens das Grundwissen über die gängigsten Behinderungen verfügen. Und dabei möchte ich nicht mal nur die körperlichen Behinderungen erwähnen. Wir sollten nicht vergessen, dass wir mindestens genauso tolerant gegenüber Menschen mit seelischen/geistigen Behinderungen sein sollten. Und das fängt schon bei der Berufsunfähigkeitsversicherung an, wo seelische Behinderungen, wie z.b. ein großes Thema zurzeit Depressionen, oder Borderline etc., noch von einigen Versicherungen nicht anerkannt werden. Das ist pure Diskriminierung.

    Behinderung ist ein verdammt großes Feld und das rüber zu bringen, oder gar all mein Wissen hier zu schreiben, würde glatt an einer Lebensaufgabe grenzen. Ich versuche mich nur kurz zu halten.
    Man muss also eindeutig mehr Toleranz schaffen und natürlich wird es nie eine Nation geben, die grenzenlos barrierefrei ist, aber wenn wir alle zusammen daran uns beteiligen, können wir dafür sorgen, dass Inklusion auch wirklich klappt und jeder Behinderte seine Chancen hat, die Gleichen Möglichkeiten, wie jeder Andere auch, zu nutzen, um ein möglichst barrierefreies und sorgenfreieres Leben zu haben.

    Das war jetzt mein Schlusswort und will gar nicht so viel vorweg nehmen, da bestimmt noch Andere hier her kommen.

    Liebe Grüße
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  • Ich bin blind, komplett blind, sehe also auch keinen Funken von Licht oder Helligkeit.
    Mein Mann ist ebenfalls blind. Es ist für mich immer wieder amüsant, wenn wir abends Besuch bekommen und meistens denke ich nicht daran, das Licht anzuknipsen, weil ich ja auch im Dunkeln „sehe“.
    Mir fällt es dann erst auf, wenn sich unser sehender Besuch so komisch tapsend hinter mir bewegt. Auf meine Frage: „Wo bleibst Du denn? Ist was?“
    Kommt dann: „Kannst Du vielleicht mal ein Licht anmachen?“
    Mit einem schmunzeln antworte ich: Ach so, ich habe ganz vergessen, daß Du im Dunkeln ja nichts sehen kannst!“
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  • "Don't be awkward - be human" - so klingt das in den USA.

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  • Ich bin blind und erlebe oft folgendes:
    Getätschele

    Du suchst den Eingang zu einem Gebäude, eine Treppe, irgend etwas. Ein lieber Mitmensch zeigt dir das gesuchte und klopft dir dann drei Mal auf die Schulter,
    tätschel, tätschel, tätschel. Du freust dich zwar über die Hilfe, das Getätschele hätte aber nicht sein müssen. Dir wird so signalisiert:
    "Braves Mädchen!
    Schau mal, ich hab Dir dein runter gefallenes Spielzeug aufgehoben, alles ist wieder gut."
    So komme ich mir dann vor. Es ist einfach entwürdigend, dieses
    Angefasse und Getätschele. Ich bin weder ein Hund, noch ein Kleinkind oder eine 96 jährige Oma, die Aufmunterung benötigt, die man aber auch vor dem unnötigen Anfassen fragen sollte. Ich bin eine gestandene Frau
    und übe einen qualifizierten Beruf aus. Ich frage mich immer, was dieses Getätschele und gestreichele soll.
    Am liebsten würde ich zurück tätscheln, fände ich es nicht so entwürdigend und würde ich die Leute erwischen. Ich lebe nach der regula aurea: "Was du nicht willst, das man dir tu', das
    füg' auch keinem anderen zu."
    Und was ist sinnvoll? Fragen, ob man seinen Arm anbieten darf, helfen - und gut.
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  • ich habe über den Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund von dem Aufruf gehört, wobei der bayerische Rundfunkbeispiele sucht, inwieweit Behinderte dem Verhalten seitens nicht behinderter gegenüber Toleranz üben sollen. Sie suchen aber die besten Geschichten. Leider kann ich Ihnen damit nicht dienen, denn diese Geschichten sind meistens nicht gut. Ich möchte auch nicht, dass dieses Thema rein zur Unterhaltung dient, wo es nur um spektakuläre Storys geht. Damit kann ich leider nicht aufwarten.

    Während der Schulzeit hat man mir immer gesagt, dass nicht die Umwelt sich ändern müsse sondern ich. Wenn ich integriert werden möchte, müsse ich mich so oder so verhalten. Mir wurde klargemacht, dass ich die anderen brauche, die anderen aber nicht auf mich warten. Somit bin ich eigentlich im Nachteil und eigentlich diejenige, die den schwarzen Peter hat, und die die Anpassungsleistung vollbringen muss. Mit der Inklusion hat sich dies Gott sei Dank geändert. Ob dies wirklich so ist, wird sich noch herausstellen.

    Ich habe mich häufig darüber geärgert, dass ich wie ein Kind behandelt werde. Ich bin 46 Jahre alt, extrem klein und fast blind. Daher werde ich von Leuten häufig einfach angefasst. Ich werde zur Seite geschubst, ohne mich zu fragen oder darum zu bitten, dass ich beiseite gehe. Ich werde auch mal von älteren Zeitgenossen, die es eilig haben, in die Seite geboxt, wenn ich nicht sofort auf deren Befehl hin ausweiche. Ich werde auch häufig einfach mit Du angesprochen. Meistens wird auch das, was ich sage, nicht ganz für voll genommen, obwohl ich ein Studium mit 1,3 hingelegt habe. Wenn ich mit anderen rede, drehen sie sich mitten im Gespräch um und fangen ein anderes Gespräch mit einem anderen Menschen an. Manche gehen auch einfach aus dem Raum, ohne mir Bescheid zu geben. Das ist ziemlich erniedrigend, wenn man dann mit der Luft spricht. Auch wird häufig meine Begleitperson angesprochen, wenn ich mit ihr in ein Geschäft gehe. Meine Begleitperson sagt mir auch häufig, dass mich Leute gar nicht anschauen sondern nur die Begleitperson. Ich werde auch überhaupt nicht als Frau wahrgenommen. Man nennt mich nur Mädchen oder einmal sogar altes Mütterlein. Das Zwischenstadium einer erwachsenen Frau, die weder ein Kind noch eine Greisin ist, wird bei mir gar nicht gesehen.

    Auch werde ich häufig einfach angefasst und irgendwohin gezogen, ohne mich vorher zu fragen oder zu warnen. Es passiert auch schon mal, wenn mir jemand seine Hilfe anbietet, und ich diese ablehne, dass der andere einfach nicht locker lässt.

    Ich weiß nicht, inwieweit ich hier Toleranz üben soll. Ich kann nicht erwarten, dass der andere meine Gedanken liest. Aber wenn ich deutlich sage, was ich nicht möchte oder möchte, dann sollten diese Grenzen auch sofort respektiert werden. Ich muss immer erst wesentlich lauter werden, damit ich meine Grenzen deutlich machen kann. Dies wird dann aber wieder als zickig, unbotmäßig und über empfindlich angeschaut. Ich glaube, anderen Menschen gegenüber würde man sich nicht so verhalten.

    Auch nervt es mich ungemein, wenn ich einmal einem sehenden erkläre, worin ich Schwierigkeiten habe, und dass für mich manche Dinge mit wesentlich höherem Aufwand verbunden sind, wenn dann immer der Spruch kommt: das geht uns allen so. Ich weiß ganz genau, dass das nicht stimmt, und dass man mich hier nur einfach trösten will. Aber ich möchte nicht für dumm verkauft werden. Ich fände es wesentlich angenehmer, wenn man würdigen würde, dass bestimmte Dinge für mich schwieriger sind, und ich nicht nur einfach nur weniger Frustrationstoleranz habe. Dies ist nämlich nicht so, ich muss mich häufig ziemlich stark durchbeißen. Ich finde, dies wird häufig zu wenig gewürdigt.

    In den Medien werden entweder ganz tolle Blinde oder ganz arme Blinde gezeigt. Die Menschen, die ungefähr in der Mitte sind, die einige Dinge gut können, aber die mit vielen Dingen auch Probleme haben, fallen einfach unter den Tisch. Interessant ist nur, was sensationell ist.

    Ich möchte hier einmal folgende Dinge festhalten, die bitte auch einmal in ihrer Sendung vorkommen sollten:

    1. Bitte erst fragen, bevor man jemanden anfasst.

    2. Wenn man das Gespräch beendet oder sich entfernt, sollte man dem anderen vorher Bescheid geben, insbesondere dann, wenn der das nicht sehen kann.

    3. Man sollte jeden erst einmal mit Sie ansprechen. Erst dann, wenn man sich besser kennt, kann man sich auch duzen.

    4. Wenn ein Blinder mit Begleitperson da ist, sollte der Verkäufer oder Arzt oder wer auch immer trotzdem mit dem Blinden sprechen. Es ist unhöflich, mit jemandem in der dritten Person über eine andere anwesende Person zu sprechen. Dies gilt auch bei Blinden.

    5. Ich bitte auch um etwas mehr Toleranz, wenn ein behinderter oder älterer Mensch an der Kasse etwas länger braucht. Es passiert häufig, dass dann Menschen aufstöhnen oder schimpfen. Niemand weiß, ob er nicht auch einmal in die Situation kommt, wo er für Dinge länger braucht.

    6. Ein Blinder kann genauso auch studiert oder ein bestimmtes Fach gelernt haben und es beherrschen. Daher geht es nicht, einen blinden zu bewundern, das es doch so toll sei, dass er das kann. Vielmehr sollte man mit jemandem einfach auf Augenhöhe über das Fachgebiet normal sprechen. Alles andere ist ein vergiftetes Lob.

    7. Wenn jemand Hilfe ablehnt, muss dies respektiert werden. Andererseits, wenn jemand Hilfe möchte, darf eine andere anwesende Person nicht einfach sagen, der oder die kann das doch alleine. Was jemand kann oder nicht, hat nur die betreffende Person selbst zu entscheiden.

    8. Irgendwelche innigen Berührungen wildfremden gegenüber sind zudringlich. Dies gilt auch für Blinde. Wenn ein Blinder nach dem Weg fragt, darf man ihm nicht einfach kumpelhaft und plump vertraulich den Arm um die Schulter legen, als kenne man ihn schon 20 Jahre. Mir passiert dies häufig, wobei mir Leute dann extrem nahe kommen, die ich überhaupt nicht kenne. Daher ist der normale gebotene Abstand auch bei Blinden zu wahren.

    9. Das Wort „Vorsicht“ ist ziemlich nutzlos. Man muss schon direkt sagen, worauf der Blinde aufpassen soll. Wie soll ich sonst wissen, was mit Vorsicht gemeint ist? Beispielsweise: Achtung, da steht jemand auf der Treppe. Oder: Vorsicht, da kommt ein Gerüst vor ihnen.

    10. Richtungsangaben sollte man mit Worten machen. Mit den Armen zu zeigen hilft einem Blinden nicht.

    11. Wenn man einen Blinden führt, sollte der sich einhängen. Es ist ziemlich gefährlich, einen Blinden einfach vor sich her zu schieben. Der sehende sollte einen halben Schritt vor dem blinden laufen, um schnell anzuhalten, wenn es eine Treppe hinunter geht. Umgekehrt würde sonst der Blinde stolpern, und der sehende, der ihn festhält, könnte ihn nicht halten.

    Dies sind jetzt nur einige Punkte, die mir häufig auffallen oder passieren. Selbst verständlich bedeutet dies nicht, dass blinde Menschen immer intolerant sein und alles immer sofort fordern oder erwarten dürfen. Es bedeutet auch nicht, dass blinde Personen sich so benehmen dürfen, wie sie wollen. Auch wir müssen uns an die Umgangsformen halten. Aber ich glaube, wenn man sich einmal fragt, wie man selbst gerne behandelt werden würde, würden einem manche Dinge automatisch einfallen. Am besten ist es, man behandelt einen Behinderten so wie jeden anderen Erwachsenen auch, wobei man sich darauf verlässt oder ihn dazu ermuntert, zu sagen, wenn er Hilfe braucht. Und man sollte denjenigen selbst denken lassen, er weiß am besten, was er kann oder nicht. Auch dies ist eine Form der Selbstbestimmung und Selbständigkeit.

    Es wäre schön, wenn einige dieser Punkte in ihrer Sendung auftauchen würden.

    Vielen Dank, dass Sie so eine Aktion gestartet haben.
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  • ich bin 72 Jahre alt und seit dem fünften Lebensjahr auf Grund einer Handgranatenexplosion erblindet. Im Laufe meines Lebens musste ich nicht selten gegenüber nicht behinderten Menschen tolerant sein. Was mir nicht immer leicht gefallen ist. Hier einige Beispiele:

    Ich suche in Begleitung meiner Ehefrau einen Arzt auf. Dessen erste an meine Frau gerichtete Frage: "Was hat er denn?"

    Dass die Begleitung und nicht der betroffene Blinde angesprochen wird, ist leider häufig der fall.
    Dazu wird unter Blinden folgende humorvolle Anekdote erzählt:
    Ein Blinder steht mit seinem Führhund vor einem Postschalter und will Briefmarken kaufen.
    Frage des Postangestellten:
    "Was will das Herrchen denn?"

    Ich esse in einem Restaurant. Am selben Tisch sitzt eine Dame, die bemerkt, dass ich blind bin.
    Sie erklärt anerkennend: "Dass sie ohne zu sehen ihren Mund finden, ist ja toll!"
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  • Hallo bin Carina. Spiele in einer inklusiven Theatergruppe mit anderen behinderten und nichtbehinderten. Bin selbst blind. Da muss ich sehr tolerant sein, denn der einen kommentiert alles und der nächste macht komische Geräusche wegen der Bdhinderung.
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  • Zum Umgang mit Sprache haben schon einige etwas geschrieben. Zum Begriff "blind" könnte ich einiges schreiben. Er wird oft synonym mit blöd oder unwissend oder impulsgesteuert verwendet, meist geradezu als Schimpfwort für besondere Dummheit, wie: "Bist du blind!"
    Hier und heute will ich aber nur einmal etwas zum leidigen Begriff "Blindgänger" schreiben: Obwohl es zahlreiche Begriffe für nicht explodierte Weltkriegsbomben gibt, wie Fliegerbombe, Bombe o.ä., wird im Radio im Verkehrsfunk oft davon gesprochen, dass dort und dort ein Blindgänger gefunden wurde, weshalb die und die Straßen gesperrt werden müssen und das und das Viertel evakuiert werden muss. Blindgänger sind also offenbar etwas gefährliches. Wie mag es wohl Leuten gehen, die kurze Zeit später einen Blinden auf der Straße gehen sehen? Überdies bedeutet Blindgänger in diesem Wort eigentlich Versager. Die Bombe war ja gar nicht blind, in dem Sinne, dass sie ihr Ziel verfehlt hätte. Meist liegen diese Bomben ja in der Nähe von Gleisanlagen, die sie treffen sollten. Blind heißt hier, nutzlos, Versager, ähnlich wie im Wort Blinddarm.
    Leider hat die Intendantin des RBB meine Bitte abgelehnt, den Begriff "Blindgänger" in den Verkehrsmeldungen ihrer Sender zu vermeiden und statt dessen die anderen möglichen Wörter dafür zu nutzen, weil ich die Verwendung dieses Begriffes in diesem Zusammenhang als diskriminierend empfinde. Sie ließ mir schreiben, man habe eine Schulung bei leidmedien.de gemacht und wisse nun gut bescheid, was für Behinderte diskriminierend sei und was nicht. Achso, na dann werde ich mal tolerant sein. In Preußen ist eine einmal gefundene Ordnung der Dinge offenbar das Wichtigste. Schön, dass ihr in Bayern noch offene Schubladen habt und nachfragt, vielen Dank für diese Initiative!
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  • Wenn ich als Blinder durch die Stadt laufe, ist schon einiges an Toleranz gegenüber Nichtbehinderten gefragt. Desöfteren wird mir etwas hinterher gerufen, wie "links", "grün" bei Ampeln o.ä. Leider sind die Zurufe in mindestens 60% der Fälle falsch oder unsinnig. Bei "links" oder "rechts" ist es am offenkundigsten: Einige verwechseln es schon an sich, selbst wenn sie hinter mir laufen und diesselbe Perspektive haben, wie ich. Kommt mir jemand entgegen, ist unklar, ob er oder sie links von sich aus gesehenmeint, oder schon meine Perspektive mit gedacht hat, ganz mal abgesehen von der Verwechslungsmöglichkeit. Wenn ich etwa einen Bahnsteig entlang gehe, tue ich das gern an der Bahnsteigkante oder am Blindenstreifen in der Nähe der Kante. Das ist am einfachsten und ungefährlichsten für mich. Manche Leute meinen aber, es sei gefährlich und rufen mir dann über den halben Bahnsteig zu "link!", obwohl links das Gleis ist. Bei grünen Ampeln kommt es vor, dass ich stehenbleibe, weil ich am Verkehr auf der Straße, die parallel zu mir läuft, höre, dass meine Ampel bald rot wird, etwa weil die Autos schon beschleunigen, um bei gelb noch rüber zu kommen. Deshalb bleibe ich stehen, bekomme dann aber ins Ohr gebrüllt: "Grün!" Wenn ich dann sage: "Gleich nicht mehr." sagt der andere dann: "Oh ja, tatsächlich, jetzt ist rot." Wäre ich dem "Grün!" gefolgt, wäre ich bei rot mitten auf der Straße. All diese Hilfsangebote sind sicher gut gemeint, ich denke aber öfter für mich, dass ich nur hoffe, dass sie nicht einmal auf einen Blinden treffen, der darauf hört. Ich für meinen Teil reagiere auf diese Zurufe nicht, weil ich zu bequem bin, mir jedesmal Gedanken zu machen, ob sie gerade stimmen oder nicht und was der Rufer wohl meint. Mir ist trotzdem bisher nie etwas passiert.
    Noch etwas, was nervt sind aufgehaltene Türen: Die verkomplizieren für mich das Durchqueren der Tür sehr. Ich weiß nie, wie weit steht die Tür auf, halb schräg, ganz weit, nur ein bisschen und wo steht der Aufhaltende, hinter der Tür, davor, daneben. Das alles raus zu finden, um mich nicht an der Tür zu stoßen oder den Aufhaltenden anzuschubsen, ist für mich konzentrationsaufwändiger, als wenn ich die Tür für mich allein öffne.
    Also Tenor: Nichtbehinderte könnten meine Nerven schonen, wenn Sie das einfach lassen würden. Wenn ich Hilfe brauche, frage ich direkt und gut vernehmlich danach.
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  • Hallo, eine solche themenwoche finde ich toll! Vielleicht hilft sie ein wenig nichtbehinderten oder auch andersbehinderten Menschen Informationen an die Hand zu geben, wie ein toleranteres Miteinander möglich sein könnte.
    Ich bin von Geburt an hochgradig sehbehindert und seit ca. 15 Jahren gelte ich als vollblind. Ich laufe im öffentlichen Raum mit weißem Langstock durch die Welt und nutze ihn somit als eine Möglichkeit der Orientierung. Ich bin selbstständiges und selbstbestimmtes leben gewohnt, schlage deswegen aber Hilfe, die mir angeboten wird nicht grundsätzlich aus! Ich nehme auch Hilfe an, obwohl ich sie vielleicht im Moment gar nicht benötige. Ich selber mache mir häufig das Leben damit leichter und dem Anderen gibt es ein gutes Gefühl und er wird mit Sicherheit auch nach mir noch bei anderen Menschen gewillt sein seine Hilfe anzubieten. "Anbieten" ist hier das Zauberwort! jeder sehende Mensch nimmt mit einem Anderen Kontakt auf bevor er ihn anfasst. Es muß unter sehenden nicht das gesprochene wort sein was dazu ausreicht um sich zu verständigen. Es reicht häufig der Blickkontakt. Dieser fällt bei uns Blinden oder Sehbehinderten aber weg. Das gibt aber niemanden das Recht deswegen uneingeschränkt Körperkontakt aufzunehmen. Auch bei uns gibt es eine Individualdistanz wie bei jedem anderen auch! Ich möchte durchaus die Wahl haben ob ich mich von meinem Gegenüber anfassen lasse oder nicht.
    Mir passierte vor einigen Jahren folgendes:
    Ich stand an einer Kreuzung und wartete darauf, das die Ampel grün für mich wurde. Ich bekam mit, das neben mir noch jemand stand und wartete. Es wäre also genügend Gelegenheit gewesen mich anzusprechen. Die Ampel wurde grün und ich ging los. Plötzlich hatte ich in meiner freien Hand eine andere Hand! Ich ließ es erst einmal geschehen, denn mitten auf einer befahrenen Straße eine Diskussion anzufangen wäre völlig falsch gewesen. Ich stellte die Person, es war eine Frau, auf der anderen Straßenseite zur Rede und sagte ihr, das sie mich vielleicht vor dieser Aktion hätte ansprechen sollen. Ich würde üblicherweise nicht mit jedem Menschen und schon gar nicht mit Fremden Personen händchenhaltend über die Straße laufen. Sie verstand leider nicht was ich ihr sagen wollte! Nicht, das sie dem Deutschen nicht mächtig gewesen wäre, war sie, sie hat es nicht mit einem Übergriff in meine Intimsphäre in Zusammenhang gebracht sondern mit Sauberkeit! Sie hätte doch handschuhe an und ich würde doch nicht krank von ihr. Mein Erklärungsversuch, das das ja gar nicht mein Problem sei verstand sie überhaupt nicht. Bei so vielRespektlosigkeit wurde meine toleranz auf eine harte Probe gestellt und ich konnte sie auch nicht wirklich immer behalten! Diese Dame wird evtl so schnell keinem mehr helfen, was aber sicherlich auch kein großer Verlust ist.
    Ich mag mich nicht einfach anfassen lassen! Ich erschrecke davon und fühle mich auch unwohl dabei. Wir haben zum glück meist die Möglichkeit zu sprechen und mir damit anzuzeigen ich bin da und ich biete Dir Hilfe an. Mich wortlos irgentwohin zu zerren, wo ich vielleicht noch nicht einmal hin will ist völlig distanzlos! so geht man nicht mit einem anderen Menschen um! Ich bin blind und nicht blöd. Ich kann sprechen und meine Meinung äußern. Ich kann sogar hören was man mir sagt und darauf reagieren! Ich bin "nur" blind!
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  • Das Ganze ist ein Geben und ein Nehmen.
    Nicht nur sich helfen lassen!
    Das Gegenüber hilft gerne. Aus Höflichkeit oder dem Bedürfnis etwas Gutes getan zu haben und und und. Unbewusst schwelt jedoch beim Gegenüber eine Leistungseinforderung des Behinderten wegen Abhängigkeit mit - ist aber falsch verstanden und manchenfalls nicht notwendig.
    Sondern auch helfen, mitgestalten!
    Dies verschafft Respekt, Anerkennung - ja oft Bewunderung, neben der Erkenntnis, dass es durchaus einen Gewinn darstellen kann, einen Behinderten als Kollegen oder gar guten Bekannten (Freund) zu haben.
    Hilfe annehmen, wo es notwendig ist - selbständig agieren wo es möglich ist.
    Arroganz, Hochnäsigkeit und Schmarotzverhalten signalisieren Ablehnung und Abwertung (die wollen ja nur! - aber vor allem nichts tun).
    Ein freundliches aufeinander zugehen, eine harmonische Unterhaltung und eine der Fertigkeiten entsprechenden Mitwirkung erzeugt Zustimmung und Anerkennung.
    Wenn das Gegenüber über Behinderungen (Einschränkungen) und Fertigketen des Behinderten bescheid wissen, stellt sich der Umgang vorurteilsloser und schlussfolgig unproblematischer dar - also Gegenüber i n f o r m i e r e n! Nichtbehinderte haben oft Angst, dass sie etwas falsch machen können.
    Sprichwörter wie z. B. wie man in den Wald hineinruft, schallt (schreit) es auch wieder heraus, haben hier volle Geltung. Wenn das Gegenüber sieht, dass man eine Person ist, die ihr Leben zu meistern versteht und auch etwas zu bieten hat, wird man auch als eine solche behandelt.
    Um die Frage der Toleranz direkt zu beantworten gilt - wie grundsätzlich: Wie es die entsprechende Situation erfordert - ausgeglichen, aufeinander zugehend, Ängste abbauen….
    Übrigens: Inklusion ist keine Einbahnstraße - auch Behinderte sind gefordert zu geben und nicht nur nehmen zu wollen (wie ich persönlich es bedauerlicherweise oft erlebe).
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  • Hallo, ich bin Mutter eines 6 jährigen sehr schwer behinderten Jungen (Zerebralparese) der im Reshabuggy sitzt.

    Wir leben seit 3 Monaten in San Francisco und das Thema Toleranz gegenüber Behinderung liegt mir sehr am Herzen:

    Es ist eine andere Welt hier.

    Ich fühle mich zum ersten mal INKLUDIERT und nicht ex-kludiert. Zu hause ist ein kurzer Trip zur Post oder zum Einkaufen ein kleines Event, man wird angestarrt und bemitleidet. Hier ist es ein neues Leben, die Leute kommen auf uns zu, lachen uns an und zeigen uns: ihr gehört dazu. Wo ich in Deutschland Mitleid spüre, spüre ich in San Francisco Respekt. Es ist so heilsam hier zu sein und ich hab ein ganz anderes Selbstbewusstsein bekommen in Sachen Behinderung. Ich würde mir so sehr wünschen, dass Deutschland offener wird gegenüber behinderten Menschen. Wir können so viel voneinander lernen.

    Diese Themenwoche ist genial, weiter so!
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  • Negativ besetzt

    "Krüppel" sei ein negativ besetztes Wort -
    hat man mir gesagt...
    Wie oft man mir so negativ begegnet, danach hat noch nie jemand gefragt.

    Wer besetzt dieses Wort denn negativ?
    Warum muss ich es mir sagen lassen ins Gesicht,
    benutzen aber darf ICH es nicht -
    auch wenn ich's in den Augen vieler anderer bin.

    Wo ist da der Sinn?!!


    geschrieben von mir im Jahr 2003 und für mich (leider) immer noch aktuell!
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  • ... da fällt mir noch etwas zum Beitrag von Herrn Alexander Grundler ein, der sich auf die Sprache der Journalisten bzw. in den Medien bezieht:

    Ein wirklich ganz "übles" Beispiel hierfür ist die immer wieder getroffene Feststellung, dass der betreffende Mensch an den Rollstuhl "gefesselt" ist - man stelle sich das mal bildlich vor!!!... Nein, derjenige, der nicht gehen kann, benutzt einfach einen Rollstuhl, eben wie einen Gebrauchs-gegenstand - nicht mehr und nicht weniger.
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  • Ich bin selber gehbehindert, und immer wieder mal kommt es zu folgender Situation:

    Irgend jemand fragt mich, ob er mir bei irgend etwas helfen kann, und wenn ich dann freundlich sage: "Nein, vielen Dank, ich komme allein zurecht", dann reagieren manche Leute wirklich schon fast beleidigt.
    Es muss doch aber möglich sein, dass ich eine angebotene Hilfe höflich und freundlich ablehne, ohne dass die betreffende Person gleich eingeschnappt ist.
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  • Vor einiger Zeit saß ich in der Bahn und es spielte sich folgender Dialog ab:

    Bekannte kommt in die Bahn sieht
    mich:Hallo

    Ich: Hallo
    Sie: wo wollen Sie denn hin?
    Ich: nach Hause
    Sie:aber da sitzen Sie doch in der falschen Bahn, ins Wohnheim gehts doch in die andere Richtung
    Ich: ich wohne aber in X
    Sie:Ach Gott,da habe ich Sie schon in die falsche Bahn gesetzt
    Ich: ja und ich wohne selbstständig
    Frau entschuldigt sich, peinlich....peinlich.
    Aber Sie:
    Ich muss das noch lernen

    Wir verstehen uns heute bestens. Für mich war es keine Beleidigung, sondern ist für mich ein Indiz gewesen, dass man in die Öffentlichkeit Mus, den Dialog suchen und aufzufallen.....

    Es ist nicht immer easy mit den

    nichtbehinderten Mitmenschen ;)
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  • Was mich ab und an wirklich stört und was mir extrem viel Toleranz abverlangt ist die Sprache der Journalisten. Menschen mit Behinderung "leiden" z. B. sehr oft an einer Krankheit oder sind von ihr "betroffen". Dabei stimmt das vielleicht so gar nicht. Ich z. B. finde mein Leben gut so wie es ist und würde mir einen bewussteren Umgang mit der Sprache in der Medienwelt wünschen. Die Internetseite www.leidmedien.de finde ich sehr gut und die sollte jeder der im Bereich Medien tätig ist zumindest kennen und einmal gesehen haben. Denn dann leiden und meistern wir unser Schicksal vielleicht alle besser..

    Aber es gibt auch lustige Geschichten die mir vor einigen Jahren passiert ist und die ich damals auch schon einmal zu Papier gebracht habe:

    "Dann hat der liebe Gott bei dir also einen Fehler gemacht?"

    Ein kleines Mädchen zeigt, wie einfach die Welt sein kann
    Lange habe ich überlegt ob ich die nun folgende Geschichte auf virtuelles Papier bringen soll oder nicht. Ich habe mich dann heute dafür entschieden. Vor einigen Wochen ging ich durch die Stadt Weiden um einige Erledigungen zu tätigen. Da kam in der Fußgängerzone ein kleines Mädchen auf mich zugerannt. Ich dachte erst, es rennt an mir vorbei, aber dann merkte und sah ich ganz deutlich: Nein, es wollte zu mir.

    Die Mutter lief hetzend hinterher. Als das Mädchen direkt vor mir stand, schaute es mich mit großen Augen von oben bis unten an. Drehte sich zur Mutter um und sagte: "Siehst Du Mami, ich habe es doch gewusst - der Mann ist irgendwie kaputt." Damit meinte sie meine weithin sichtbare Gehbehinderung. Der Mutter war das immens peinlich und sie fuhr das Kind auch gleich an: "Sowas sagt man doch nicht, das habe ich dir schon hundert mal erklärt." Darauf antwortete das Mädchen: "Aber du hast mir doch gestern erklärt, man soll immer die Wahrheit sagen."

    Der Mutter wurde die Situation zusehens peinlicher und sie wollte das Kind gerade wegzerren, da dachte ich, nun sollte ich aber schon einschreiten und erklärte dem Mädchen dass ich von Geburt an eine Gehbehinderung habe und dass meine Muskeln und mein Bewegungsapparat leider nicht so funktionieren, wie bei vielen anderen Menschen. Da schaute sie mich verständnisvoll an uns sagte: "Dann hat der liebe Gott bei dir also einen Fehler gemacht?" Diese prägnante und dennoch treffende Analyse eines etwa 4-jährigen Mädchens verblüffte mich derart, dass ich einigermaßen verdattert aber auch gerührt antwortete: "Ja so kann man es in etwa sagen."

    Die Mutter war über diese Feststellung ihrer Tochter auch dermaßen verwundert, dass sie wie angewurzelt da stand und sichtlich nicht wusste, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Das Mädchen aber wusste es sehr wohl und meinte: "Du, also ich muss jetzt mit meiner Mami weiter - wir wollen noch Spielsachen anschauen. Aber danke, dass du mir das so toll erklärt hast und bitte mach' dir nichts draus, der liebe Gott hat alle Menschen lieb, auch die, bei denen er einen Fehler gemacht hat." Sprach es und eilte schnurstracks davon.

    Die Mutter murrmelte im Weggehen noch schnell: "Entschuldigung und nix für ungut." Dieser Moment hat mich dann noch über Tage hinweg beschäftigt, aber auch zu der Erkenntnis gebracht, würden wir alle die Welt mit den Augen von Kindern sehen hätten wir viele Probleme, die in unserer Gesellschaft existieren, überhaupt nicht. Der verdatterten Mutter kann ich nur den Rat geben: Seien sie froh, dass ihr Kind noch so neugierig ist und die Welt erfahren möchte. Ich persönlich empfinde es auch in keinster Weise verletzend wenn Kinder mich auf meine kleine Einschränkung direkt ansprechen, denn sie sind oftmals die weitaus ehrlicheren Gesprächspartner. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen eine schöne und erfolgreiche Woche.
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  • es gibt einige themenbereiche, die durchaus an meine persönliche toleranzgrenze stoßen. sei es die flotte bedienung in der kneipe, die einem mal geschwind freundschaftlich in die wange kneift, während sie den espresso serviert. oder das aufmerksame wegreißen aller stühle an einem tisch in einem radius von 10 m um den rollstuhl - auch wenn man einfach nur vorbei rollen möchte und das auch gefahrlos für mensch und möbel kann. kaum erwähnenswert ist es auch, folgenden satz zu hören: da bleib weg, das ist ein auto; man gewöhnt sich daran, als objekt betrachtet zu werden. treppen an neubauten nerven mich. der bau von heimen, wo man einfach nur billig abgestellt wird - gehört abgeschafft. das wort inklusion - unfug; es wird niemals eine gesellschaft geben, die benachteiligungen komplett auffängt.
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  • Meine über 30-jährigen Erfahrungen im Zusammenleben mit meiner schwerstbehinderten Tochter gehen dahin, dass Akzeptanz und Toleranz – im Widerspruch zu den Leitgedanken der Inklusion – immer weniger werden und Menschen mit hohem Hilfe- und Betreuungsbedarf werden immer weiter ausgegrenzt. Der Unterschied zwischen dem propagierten politischen Anspruch und dem wirklichen Leben von schwerstbehinderten Menschen, die sich nicht selbst vertreten können, ist enorm und wird immer größer.
    Aktivisten, die sich um eine Verbesserung dieser Situation bemühen, werden von vielen Menschen unter unterschiedlichen Vorwänden behindert: Kostenträger und Einrichtungsträger, die hochgradig ökonomische Interessen haben und sich anmaßen, besser als die Angehörigen zu wissen, was gut ist für "die Schwerstbetroffenen". Als wären Menschen mit hohem Hilfe- und Betreuungsbedarf eine Art "homogene Masse" mit gleichen Interessen und Bedürfnissen und müssten ausgrenzende Lebensbedingungen ohne Widerrede tolerieren.
    Leider müssen wir Ausgrenzung und Intoleranz auch von weniger stark behinderten Menschen erleben, die ausschließlich ihre eigenen (meist wirtschaftlichen) Interessen vertreten. Diese gesellschaftliche Exklusion wird zwar nicht unbedingt gerne, aber doch im Sinne einer "höheren Sache" - der vermeintlichen Inklusion - toleriert.
    Inklusion bedeutet aber, dass alle - wirklich ALLE - am ganz normalen Leben teilhaben können.
    Aber so lange das, was am Menschen wirtschaftlich verwertbar ist, als Herzstück der Inklusion hervorgehoben wird, sind wir noch weit entfernt davon, Menschen unabhängig von ihrer vermeintlichen Normalität, bzw. der Art und Schwere ihrer Behinderung zu tolerieren und zu akzeptieren!
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  • Ich bin relativ "leicht" behindert - einhändig von Geburt an. Obwohl ich wunderbar zurecht komme, werde ich an der Kasse regelmäßig gefragt "kann ich ihnen helfen"? - eine Antwort wird oft auch gar nicht abgewartet, sondern sofort grabscht die Kassiererin nach meinem Geldbeutel. Ich sage dann immer ziemlich unwirsch "nein, bitte nicht! Ich mag das nicht!" oder "Bitte nicht, das macht mich nervös".
    Noch schlimmer finde ich allerdings, dass meine Mutter nie Verständnis dafür hatte, wenn ich mich gegen diese Übergriffigkeit wehrte. Sie war dann immer auf der Seite der zurückgewiesenen Nichtbehinderten. Ich muss sagen, das nehme ich ihr bis heute übel, obwohl ich inzwischen längst erwachsen, in Rente bin und sie längst tot ist. Überhaupt war sie eher eine zusätzliche Belastung als eine Hilfe für mich, in Sachen Behinderung war sie für mich ein Klotz am Bein, denn sie konnte es noch weit weniger ertragen, ein behindertes Kind zu haben, als ich eines zu sein. Ich habe ihr deshalb schon sehr früh überhaupt nichts mehr über meine Erlebnisse, die mit meiner Behinderung zu tun hatten, erzählt.Natürlich weiß ich auch, dass sie auch ihre Geschichte hat,durch die sie geformt wurde. Ich selber habe mich meinerseits für einige Männer interessiert, die selbst behindert waren, aber die Vorstellung, sie eines Tages meiner Mutter als Lebenspartner vorstellen zu müssen, hat mich geradezu in Panik versetzt, auch wenn ich selbst alleine mit ihnen bezüglich der Umwelt zurecht kam. Diese Mutter kann man keinem behinderten Partner zumuten. Noch schlimmer fand ich aber meine eigene Reaktion auf dieses Problem... irgendwas von ihr muss da auf mich abgefärbt haben... tief im Innern... all das war viel zu schwierig, und auch die Therapie, die ich gemacht habe, konnte mir nicht wirklich helfen... Ich bin also lieber unverheiratet geblieben. Überflüssig zu sagen, dass ich mich so bald wie möglich von dieser belasteten und belastenden Mutter abgenabelt habe.
    von Brummelise bearbeitet von Notizbuch-Redakteur 11/3/2014 12:56:55 PM
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  • Beim Thema Behinderung dreht sich ja meist alles um die Körperbehinderten, weil die am meisten Lobbyarbeit betreiben und am sichtbarsten sind, dabei gibt es auch noch seelisch und geistig behinderte Menschen.


    Und was man mit einer chronifizierten psychischen Krankheit mitunter so an Übergriffen erlebt, schlägt dem Fass den Boden aus. Das geht von subtiler, als Hilfe getarnter Bevormundung bis hin zu offen unverschämten Äußerungen.

    In dem Fall sind die "Übeltäter" allerdings nicht Passanten (die sehen die Behinderung ja nicht), sondern professionelles Personal, das für Behandlung und Betreuung ja sogar noch bezahlt wird. Also Sozialarbeiter, Therapeuten, Klinikpersonal. Aber auch z.B. auf dem Arbeitsamt ist die psychisch behinderte Person je nach Lust und Laune der dort Beschäftigten Freiwild für Schikanen (da dieses Klientel ja häufig nicht in der Lage ist seine Rechte durchzusetzen).

    Man ist mit so einer Problematik also auf Wohl und Wehe der "Professionellen" ausgeliefert, was eine sehr unschöne Situation ist, und hier hat sich noch nicht herumgesprochen, dass die Würde, Autonomie und Selbstbestimmung der Betroffenen ein wichtiges und zu förderndes Gut ist.
    von Psychozicke bearbeitet von Notizbuch-Redakteur 11/3/2014 12:54:40 PM
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  • Ich bin schwerbehindert, aber dies sieht man mir zum Glück nicht an. Seit 2009 bin ich aufgrund meiner Behinderung arbeitslos. Vom Jobcenter und der Rentenversicherung wurden bisher alle Anträge von mir auf Fortbildung und Umschulung abgelehnt. Auf meine Bewerbungen erhalte ich nur Absagen. Seit 2009 kämpfe ich an den Sozialgerichten um mein Recht auf Umschulung. Bis heute wird eine für mich geeignete Umschulung abgelehnt. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, jemals wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
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  • Am vergangenen Mittwoch haben wir im Funkhaus des Bayerischen Rundfunks eine Podiumsdiskussion aufgezeichnet - und am Rande einige Gäste gefragt: "Wie tolerant müssen Sie sein gegenüber Nicht-Behinderten?" Die Antworten waren teilweise schockierend...


     

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  • Der Klassiker: Für wen waren diese Behinderten-Parkplätze gleich wieder gemacht?

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  • Erfahrungen im Geschäft: Da wird der Blindenstock auf einmal zum Besenstiel - und soll dann auch noch was kosten! Gedankenlosigkeit?

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  • Süß, dieser Hund! Aber leider ein Blindenhund - und deshalb nicht immer zu streicheln. Hätten SIe das gewusst?

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  • "Behindert ist keine Beleidigung" - "Oah ne keine Diskussion jetzt." - "Ne, darüber diskutiere ich auch nicht."
  • Am 14.10.14 machte ich mit einer 92-jährigen Dame einen Ausflug nach Bad Wiessee. Nicht nur die sehr rollstuhlgerechte Promenade, sondern auch das öffentliche Behinderten-WC dort hat uns wiederholt zu Ausflügen dorthin angeregt. Frau K. ist beinamputiert.
    Heute war das Behinderten-WC verschlossen. Ein Schild forderte dazu auf sich an das an der Hauptstraße befindliche Touristenbüro zu wenden, dort seinen Behindertenausweis vorzulegen und für 18 Euro den Schlüssel zum Behinderten-WC abzuholen.
    Die Toilette für Nicht-Behinderte ist weiterhin frei zugänglich. Nur passt der Rolstuhl nicht in die Kabine.
    Ich fide diese Maßnahme total gaga und diskriminierend.
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  • İch hasse das wort "behindert"!!!! Das sind nur menschen mit besonderen bedürfnissen!
  • Bei Menschen mit Behinderung, Formulierungen mit "trotz" bzw. "trotzdem" vermeiden.Auch Gegensatzpaare vermeiden gesund/Behindert #dmw14
  • Gelernt: Menschen mit Behinderung werden oft auf deren Defizite reduziert.Besonders Medien sollten sich hier an der Nase nehmen. #dmw14
  • Menschen ohne Behinderung labern manchmal so eine Scheiße...
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