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Die Vegan-Dschällendsch

Eine Woche Hardcore-vegan leben? BR-Reporter und Fleischfresser Rainer Aul probiert es aus und macht die Vegan-Challenge – pardon – Dschällendsch! Bis zum Start der BioFach-Messe in Nürnberg gibt's nix tierisches aus seinem Speiseplan. Und hier im Blog berichtet er, wie es ihm ergeht. Mahlzeit!

  • Tag 8 der Vegan-Dschällendsch neigt sich dem Ende zu … wird Zeit, ein Fazit zu ziehen. Frei von irgendwelchen ideologischen Gesichtspunkten, um die es hier nie ging. Ebensowenig wie um eine allumfassende Beleuchtung des Themas, wissenschaftliche Erkenntnisse oder sonstwas. Die Frage war schlicht: Kann ich als Fleischfresser eine Woche lang auf vegan umschalten?

    Nach acht Tagen mit 99-prozentig veganer Ernährung (laut App und Zutatenliste der verwendeten Nahrungsmittel :) ) geht es mir körperlich gut, ich fühle mich nicht geschwächt, habe keinen Heißhunger auf Fleisch und meine Fingernägel sind mir auch noch nicht ausgefallen. Also grundsätzlich: ja.

    Aber. Im Kopf allerdings geht es mir – ich wiederhole mein Bild – als käme ich von einem Urlaub aus Veganistan nach Hause zurück. Es war ganz nett dort, interessant und informativ, aber doch irgendwie fremd. Und Daheim ist es einfach am schönsten.
    Das Fremdeln mit dem vegan-sein konnte ich während der gesamten Dschällendsch nicht ablegen. Ich habe mich angepasst, aber richtig reingefunden habe ich nicht.

    Was ich gelernt habe:

    - Wer sich vegan ernähren will, kann das rein technisch gesehen problemlos tun. Vegane Lebensmittel gibt es in jedem Supermarkt, auch Discounter haben inzwischen ein veganes Angebot. Ob man dort hochwertigere oder nachhaltigere Nahrung erhält als „Normal“-Esser? Bestenfalls Vertrauenssache. Auch beim Bäcker bekommt man vegan-kompatible Produkte, nur den Metzger wird man auf der Straße wohl bald wieder Siezen.

    - Wer es vegan probieren will, sollte sich zunächst Zeit nehmen und informieren: Welche Produkte darf ich essen, auf welche Zutaten muss ich verzichten, was kann ich wie ersetzen, und – eine Woche hat in dieser Hinsicht bestimmt noch keine Auswirkungen – wie stelle ich eine ausreichende Versorgung mit den wichtigsten Nährstoffen sicher (ist allerdings bei jeder Form der Ernährung wichtig).
    Eine Seite wie wir-essen-gesund.de kann da gute Dienste leisten, ein gutes Rezeptbuch sowieso. Eine Smartphone-App (ich nutzte Vegan Scanner) zum Scannen von EAN-Codes kann ein praktischer täglicher Begleiter sein, dem man natürlich auch vertrauen muss.

    - Wer wirklich durchhalten will als Veganer, braucht meiner Meinung nach einen guten Grund, das zu tun. Bei mir waren es der Willen, es mal auszuprobieren und die Bockigkeit, es der das-hältst-Du-nie-durch-Fraktion zu zeigen. Für eine Woche hat das gereicht.
    Es gibt gute Gründe, vegan zu leben – sich gesund zu ernähren, die Natur zu schützen, Tieren Leid zu ersparen – aber Überzeugung braucht es auch. Dann packt man es bestimmt auch besser, von seinem Umfeld erst mal schräg angesehen zu werden ;)

    - Vegan muss nicht gesund heißen.

    - Smoothies machen ist nicht schwer.

    - Champignons aus dem Glas tun’s auch.

    Eine Woche ist sicher eine viel zu kurze Zeit, um irgendwelche Urteile zu fällen, aber für mich kann ich sagen, dass ich viel dazugelernt habe, mir es aber nicht vorstellen kann, weiter vegan zu leben. Derzeit jedenfalls.
    Es mag Bequemlichkeit sein, Ignoranz, Selbstgefälligkeit – kommt bestimmt auf den Standpunkt an. Ich möchte einfach nicht auf Nahrungsmittel verzichten, die für mich zum Leben dazugehören, auch wenn es nur zwei Mal in der Woche Fleisch gibt, nicht täglich. Ganz zu schweigen von Käse, Milch, Eiern … Faschingskrapfen! *seufz*

    Aber: Ich habe viele Rezepte kennen gelernt und gesehen, wie einfach es ist, mehr Gemüse in den Speiseplan einzubauen. Ich habe mich noch nie so intensiv mit der Frage beschäftigt, woher meine Lebensmittel stammen und was in ihnen enthalten ist. Und an meinem Arbeitsplatz wurde in dieser Woche so viel über das Thema Ernährung gesprochen wie ich es noch nie erlebt habe. Ein wichtiges Thema, das uns alle täglich angeht, aber oft wohl zu kurz kommt. So viele Menschen haben mit mir ihre Erfahrungen geteilt und Tipps gegeben.

    Und innerhalb weniger Tage drei Kilo abgenommen. Bäm! Unterm Strich hat sich die Woche für mich absolut gelohnt! :)

    In diesem Sinne: Vielen Dank an alle Blogleser und allzeit guten Appetit wünscht euch

    Rainer

    P.S.: Als sozusagen offiziellen Abschluss habe ich mir vorhin zwei Schoko-Cookies eingeworfen. Milchschokolade – was für ein unglaubliches Erlebnis, eine Geschmacks-Explosion, eine Zungenknospen-Supernova!

    Schade, dass mir jetzt irgendwie schlecht ist …
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  • Und das muss noch sein: der dritte und letzte Vegan-Dschällendsch-Beitrag aus der Frankenschau aktuell :)

    BR-Reporter vom 10.02.2016: Eine Woche vegan – heute wird gefrühstückt | BR Mediathek VIDEO

    Vegane Ernährung steht hoch im Kurs. BR-Reporter Rainer Aul startet einen Selbstversuch und ernährt sich eine Woche vegan. Zum Frühstück gibt's Hafermilch statt Kuhmilch. Eine Umstellung, die Rainer nicht leicht gefallen ist.
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  • Zum Nachtisch gibt's was von zu Hause mitgebrachtes: Soja-Schoko...masse. Wie das schmeckt? Ich sag's mal so: Erlaubt einem, mit dem Löffel den Geschmack und die Konsistenz von Dipersionsfarbe zu erleben, ohne einen ganzen Eimer davon kaufen zu müssen *örk*

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  • Heute, am letzten Tag der Dschällendsch, gab es zum ersten Mal etwas vegan-kompatibles in unserer Kantine zu essen: Tofu mit Reis und Gemüse. Wow, was warmes zu Essen am Mittag! ;)

    Einer von acht Tagen. Nicht gerade ein guter Schnitt, aber wohl das Problem vieler, die sich vegan ernähren wollen: Vielerorts ist man noch nicht auf ihre Bedürfnisse eingestellt. Heißt schlicht: Salat mampfen oder selbst was mitbringen. Bestimmt hat nicht jeder hat so viel Glück wie ich, einen netten Kantinenkoch zu haben, der sich – wenn auch mitleidig – auf meine Teilzeit-Veganität einlässt und auch mal eine Portion vom vegetarischen Menü abzwackt, bevor Schafskäse oder etwas anderes es vegan-unverträglich macht.

    Der Tofu war übrigens lecker, richtig fest, nicht so fluffig-substanzlos, wie ich ihn schon erlebt habe. Ich hoffe, ihr seht mir nach, dass ich mal wieder nicht zum Fotografieren gekommen bin ... hab mich beim Essen so lange mit Koch Rainer über die Konsistenz und Zubereitung von Tofu unterhalten, bis der Teller leer war :)
    Aber: nicht gerade ein guter Schnitt Konnte wieder kein Foto machen
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  • Und hier zum Nachhören:

    Eine Woche vegan: "Der Verzicht auf Milch war am schwierigsten" | BR.de

    Die vegane Test-Woche von BR-Reporter Rainer Aul ist fast vorbei. Nach viel Gemüse und Obst freut er sich darauf, wieder essen zu können, was er möchte. Doch Zucchini-Baggers und Blumenkohlauflauf soll es nun öfter geben.
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  • Der Wahnsinn geht weiter: Vegan-Dschällendsch-Abschluss-Interview bei Bayern 2 :)

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  • Tag 8! Zum Abschluss der Woche gibt's als Frühstück ein Banane-Himbeer-Zitrone-Kiwi-Hafermilch-Mixgetränk. Geht mir leichter über die Zunge als "Smoothie" ;) Und lecker schmeckt er auch noch :)

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  • Hier noch der zweite Vegan-Dschällendsch-Beitrag aus der Frankenschau aktuell:

    BR-Reporter vom 09.02.2016: Eine Woche vegan - heute wird gekocht | BR Mediathek VIDEO

    Vegane Ernährung steht hoch im Kurs, immer mehr fleischlose Produkte kommen auf den Markt. BR-Reporter Rainer Aul startet einen Selbstversuch und ernährt sich eine Woche vegan. heute wird gekocht: Kloß mit Spinatsoß!
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  • Eben erzählt mir Kollege Jonas, dass er sieben Jahre als Veganer durchgehalten hat.
    Sieben. Jahre.
    Reschpeck. Das wäre für mich dann doch ein zu langer Trip in den Urlaub ;)
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  • Übrigens: Das Rezept, um das es gleich im Fernsehen geht, findet ihr hier: s3.eu-central-1.amazonaws.com
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  • Toll, jetzt war ich eben noch so stolz auf mich, da sagt Kollege Thomás, dass er nicht so richtig beeindruckt ist von meinem Verzichts-Gejammere. Als Vegetarier hat der leicht reden ;)
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  • Tag 7: Wie ich mich fühle? Das fragen mich die Leute heute ständig. Gut, ja, gut. Bassd scho, wie der Franke sagt. Ich fühle mich nicht ausgehungert, aber auch nicht besonders. Drei Kilo weniger auf der Waage sagen aber schon was aus.
    Jedenfalls befinde mich auf dem Endspurt. Auch einstellungstechnisch. Irgendwie bin ich stolz, es bisher (bis auf ein paar Missgeschicke) vegan durchgehalten zu haben. Ich freu mich aber auch wieder darauf, "normal" essen zu können. Es ist nicht so, dass ich einzelne tierische Nahrungsmittel vermisse, aber ... es ist, als würde ich immer noch etwas fremdeln in Sachen Vegan-sein. Es fühlt sich fast so ein bisschen an, als würde ich demnächst von einer siebentägigen Reise nach Hause zurückkehren ;) Aber Moment: zwei Tage muss ich noch durchhalten!

    Heute waren wieder Dreharbeiten dran. Inzwischen hab ich mich so daran gewöhnt, dass ich ganz vergessen hab, die Kamera zu zücken :) Heute Abend ist der nächste Beitrag dran, um 17.30 Uhr in der Frankenschau aktuell im Bayerischen Fernsehen.
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  • Und das Video aus der Frankenschau aktuell von gestern :)

    Selbstversuch vom 08.02.2016: Eine Woche lang vegan leben | BR Mediathek VIDEO

    BR-Reporter Rainer Aul startet den Selbstversuch und ernährt sich eine Woche lang nur vegan. Eigentlich sollte das nicht so schwer sein - oder etwa doch?
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  • Hier noch mein Gespräch in Mittags in Franken von gestern:

    Veganer Selbstversuch: "Ich muss mich ständig rechtfertigen" | BR.de

    BR-Mitarbeiter Rainer Aul ernährt sich eine Woche lang vegan. Die "Extrawürste" beim Essen sind anstrengender als gedacht. Er erzählt vom Spießrutenlauf zwischen Mittagessen in der Kantine und Diskussionen mit Freunden.
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  • Kleiner Hinweis: meine Vegan-Dschällendsch ist heute, am Dienstag und am Mittwoch Thema in der Frankenschau aktuell, jeweils um 17.30 Uhr im Bayerischen Fernsehen und in der BR-Mediathek! :)
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  • Tag 6: Beim Frühstück noch schnell Mittagessen machen ... *ächz* Ein Knusperburger aus dem angebratenen Restkloß von gestern nach Rezeptheft. Hoffentlich lohnt es sich, dafür die halbe Küche einzusauen. Mann, manchmal ist vegan sein echt Stress, vor allem nach einer schlechten Nacht :P

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  • Zwischenbilanz: Nach einer schwierigen Anfangsphase (zu viel zu tun, zu wenig Zeit für Einkauf und Essen) komme ich langsam rein ins Vegansein. Ich weiß inzwischen glaube inzwischen zu wissen, was ich essen kann, habe dank vegan-App und der Internetseite wir-essen-gesund.de wichtige und sinnvolle Helfer für mein Vorhaben gefunden und leide inzwischen nicht mehr körperlich :)

    Aber: Es ist zwar nicht so, dass ich das Fleischessen schmerzlich vermisse, trotzdem gehen mir einige Lebensmittel schon ab. Und vor allem auch, etwas Altbekanntes einfach zu genießen und nicht erst Ersatz dafür finden zu müssen.

    Auf in den Rest der Dschällendsch-Woche!
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  • Tja, und das war das Essen. Sorry, es hat scheinbar so gut geschmeckt, dass ich vor lauter Dreharbeiten vergessen habe, ein Foto zu machen :) Das war ein Kloß mit Spinat-Champignonsoße *burps* War mal was ganz anderes und hat beim Kochen Spaß gemacht.

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  • Tag 5: So, jetzt ist das Kamerateam schon zum zweiten Mal da. Auf dem Drehplan: Zwischenbilanz und Zubereitung eines vegangen Essens. Meine Frau wird gleich mit eingebunden und interviewt. Das Ergebnis gibt's am 9. Februar in der Frankenschau aktuell im Bayerischen Fernsehen :)

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  • Nachtrag Tag 4: Da, das ist meine extra-Wurst äh mein extra-Topf :D Vielen Dank, Corry, war sehr lecker!

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  • Als ich mich freiwillig zur Vegan-Dschällendsch gemeldet habe, hatte ich es ganz vergessen: Die Geburtstagsfeier meiner Freundin Corry, die genau in meine Woche ohne tierische Nahrung fällt – und ihren legendären Wok! #facepalm

    Ich habe mich schon darauf eingestellt, einen Abend nur Reis zu essen und dabei an einer rohen Paprika zu lecken, aber Corry erfuhr durch diesen Blog von meinem Vorhaben und bot mir an, einen vegan-kompatiblen extra-Topf zu machen, ohne Hühnchen und Sahne. Super, immerhin :)

    Mein vegan-Vorhaben war dann auch das Thema des Abends. Neben noch mehr nicht (ganz) ernst gemeintem Hohn und Spott, dass ausgerechnet ich sowas mache, wurde vor allem über Sinn und Unsinn der veganen Grundhaltung diskutiert. Muss man tierische Nahrung meiden? Ist das tatsächlich gesünder?

    Spätestens der Nachtisch war definitiv gesünder. Ich bekam ein paar Stücke warmen Apfel, die anderen aber Butterstreusel darüber und Vanilleeis dazu. *seufz* Wenigstens ist Bier vegan ;)
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  • Fertig mit Einkaufen, jetzt gibt's Frühstück! Zum ersten Mal habe ich mir vegane Aufstriche besorgt. Der Paprika-Cachew-Aufstrich ist richtig lecker, der erstaunlich trockene Champignon-Shiitake-Aufstrich schmeckt ein bisschen so, wie er heißt. Beim Blick auf die Liste der Zutaten vergeht mir der Appetit kurzzeitig völlig: "Palmfett"?! Ein Sternchen weißt darauf hin, dass es (wie die meisten anderen Zutaten) aus kontrolliert ökologischen Anbau stammen. Hm. Muss ich glauben. Da ist es wieder, das Vertrauen, dass ich auch in vegane Lebensmittel setzen muss, wenn ich sie mir nicht selbst herstellen kann.

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  • Man kriegt schon alles, finden muss man es halt. Bio- und laktosefreie Lebensmittel sind groß gekennzeichnet, was vegan ist, muss man sich tief unten im Regal selbst zusammensuchen.

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  • Dschelländsch Tag 4: Endlich Samstag! Vor einem entspannten Frühstück mit veganen Brötchen von unserem Bäcker (die übrigens die gleichen sind, die wir immer kaufen) mache ich mich mit einer langen Einkaufsliste in die benachbarte Kleinstadt zum Einkaufen. Erstes Ziel: der nächste Supermarkt.

    Bei meinem hektischen Kurzeinkauf ein paar Tage zuvor hatte ich dort wenig veganes gefunden, also stelle ich mich drauf ein, jedes Geschäft im Ort abzuklappern und suche mir für den Fall der Fälle schon mal die Öffnungszeiten für ein zehn Kilometer entferntes Reformhaus heraus. Ich lebe halt am Land, da kann man nicht erwarten, dass dort alles zu kriegen ist, was ich brauche.

    Bullshit. In dem Supermarkt finde ich so gut wie alles, was auf meiner Liste steht, die ich mir aus meinem Rezeptbegleitheft zusammengeschrieben habe. Nur frischer Blattspinat ist außerhalb der Saison nicht zu kriegen. Noch ein Vorurteil entkräftet. Vegan am Land? Einkaufstechnisch grundsätzlich kein Problem.

    Nach kurzer Recherche weiß ich: Auch die Discounter stocken ihr veganes Sortiment immer weiter auf. Bisher hab ich schlicht nicht darauf geachtet.
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  • Zuhause gibt es am Abend endlich endlich den herzhaften Salat zum Abendessen. Inzwischen habe ich herausgefunden, dass ich mein Lieblingsdressing auch während der Vegan-Dschällendsch verwenden kann, den Honig ersetze ich einfach durch zwei Spritzer Süßstoff. Lecker und (fast) ohne Verzicht, so lass ich mir das gefallen :)

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  • In der Kantine traue ich mich heute, Koch Rainer (er heißt auch so) nach der äh Veganheit des heutigen Speiseangebots zu fragen.

    Koch Rainer: "Vegan?!"
    Reporter Rainer: "Ja."
    Respekt und vielen Dank, Koch Rainer!

    Das war ja einfach. Aber warum sollte es auch schwer sein? Dass Köche was gegen Veganer haben, ist ein saublödes Vorurteil, wie ich mir zwei Minuten später beschämt eingestehen muss. Koch Rainer kommt da nämlich aus der Küche und spricht mit mir den Essensplan der kommenden Woche durch, der noch nicht mal aushängt. Das am Montag ist vegan, jenes könnte er mir am Dienstag vor dem Überbacken mit Käse zur Seite legen, und am Mittwoch gibt es sogar ein passendes Standartgericht.

    Reporter Rainer: "Dann einen Teller Gemüse."
    Koch Rainer: "Das Gemüse hier kannst Du essen."
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  • Das ist Folter. Folter! Eigentlich geht es mir am dritten Tag meiner Dschällendsch viel besser, mein Körper hat sich wohl drauf eingestellt, das irgendwas anders ist. Und dann das: Mount Faschingskrapf tut sich mitten in unserer Redaktion auf! Oh, dieser Trennungsschmerz! Bleibt ungegessen, Krapfen, aber nächsten Fasching schmeckt ihr mir um so besser!

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  • Beim Zähneputzen fällt mein Blick auf unsere Hühner, die in ihrem eingezäunten Gehege herumscharren. Kollege Marc vom Fernsehen wollte für die Dreharbeiten gerne ein Ei auf meinem Frühstückstisch sehen. Also bin ich schnell die 100 Meter zu den Hühnern gelaufen und hab ein Ei geholt. Eines der Lebensmittel, die ich als nicht-vegan eine Woche lang meiden muss. Mein Blick liegt auf einem Huhn.

    putz-putz, scharr-scharr

    Aber ist das nicht idiotisch? Diese Hühner haben doch ein wunderbares Leben. Sie werden nicht geschlachtet, können auf mindestens 150 Quadratmetern frei herumlaufen, scharren, sich so sozial verhalten, wie es Hühner eben tun ... warum sollte ich Gewissensbisse haben, ihnen ein gelegtes Ei abzunehmen und es zu verzehren? Geht es denn natürlicher? Was weiß ich, wie lange es her ist, dass diesen Tieren der Brutreflex abgezüchtet wurde. Die Donnervögel hatten nicht so viel Glück.

    putz-putz

    Zeit, in den dritten Tag zu starten.
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  • Tag 3 der Dschällendsch: Ich mache mir zum Frühstück wieder den Haferbrei. Diesmal koche ich ihn mit mehr Geschick auf, verfeinere ihn gekonnter mit Zimt und Obst, verfrachte ihn mit weniger Sauerei von der Casserole in die Porzellanschüssel.

    Toll. Trotzdem hängt er mir schon beim zweiten Mal als Frühstücksmahl zum Halse raus. Ich muss dringend rausfinden, was von meinem nicht-tierischen Standartfrühstück ich noch essen darf. Schnell die Smartphone-App konsultiert und gestaunt: Brot, Toast, meine geliebte Hiffenmarkmarmelade ... eigentlich scheint alles vegan zu sein. Oder "wahrscheinlich vegan", denn weiter will sich die App ja nicht festlegen. Aber auch der Blick auf die Zutatenlisten (und einige weitere Blicke in Wiki-App) ergeben keine gegenteiligen Verdachtsmomente. Und die Sonnenblumenmargarine im Kühlschrank kann als veganer Butterersatz herhalten.

    Morgen hole ich mir mein Frühstück zurück! Und das ohne was Neues einkaufen zu müssen. Adieu Haferbrei!
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  • Endlich zu Hause von der Arbeit! Eigentlich wollte ich mit meiner Frau am Abend noch einen herzhaften Salat aus dem Rezeptheft machen, dass ich als Begleitung für meine Vegan-Woche bekommen habe. Aber um halb zehn am Abend will ich mir das verdauungstechnisch nicht mehr antun. Also gibt es als Alternative der Notprogramm: Cornflakes mit Hafermilch. An die hatte ich mich erstmal nicht rangetraut nach einer Erfahrung mit weiland schrecklich süßlicher Sojamilch. Jetzt zwingt mich der Hunger dazu. Und siehe da: weil sie nicht schlimm, sondern nur etwas süßlicher schmeckt, kann ich sogar den Zucker in den Flocken weglassen. Freut euch, Mitochondrien!
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  • Den Rest des Tages verbringe ich damit, mir auszumalen, was ich die nächsten Tage alles nicht essen darf, beziehungsweise was ich gar nicht weiß, ob ich es essen darf.

    Meine Güte, was soll die ganze Fragerei, schließlich leben wir im 21. Jahrhundert! Ich lade mir eine Smartphone-App herunter (meine Wahl fiel kurzerhand auf "Vegan Scanner" im Google Play Shop), mit der ich nach dem Scan des Strichcodes, der auf jeder Lebensmittelpackung vorhanden ist, die vegan-Kompatibilität erfahre.

    Erste Test-Scans ergeben: "Dieses Produkt ist wahrscheinlich vegan". Steht bei jedem Produkt dran, das ich vor die Linse meiner Handykamera kriege. Auch dort, wo mir laut Warnhinweis Spuren von Milch und sonstwas dräuen. Tja, ein bisschen Vertrauen muss ich wohl haben, denn für ein Lebensmittellabor für die Analyse der chemischen Zusammensetzung meines Kühlschrankinhalts ist kein Platz in meinem Hobbykeller.
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  • Was gibt es an Veganem in unserer Kantine? Ein vegetarisches Essen ist täglich zu kriegen, reine Glückssache, wenn mal was vegan-kompatibles mit dabei ist. Ich hab gerade nicht den Nerv, den Koch zu fragen und bedienen mich an der einzig verbleibenden Quelle: der Salatbar.

    Die vegan-erfahrene Kollegin Sabine hilft mir freundlicherweise beim Auswählen der richtigen Salate, nicht alles erschließt sich meinem vernebelten Selbst sofort: keine Milchprodukte; hoppla, da ist ja Schafskäse drin; das Yoghurt-Dressing lassen wir dann mal weg ...

    Beim Bezahlen fällt mir mal wieder auf, wie teuer mein abgewogenes Schälchen mir erscheint, verglichen mit dem Teller Schweinebraten mit Kloß und einem See Soße des Kollegen in der Schlange vor mir. Vielleicht liegt es an irgendwelchen Drüsen im Sparmodus oder an meinem Hirn, das den Körper diesmal nicht mit Vorfreude-auf -totes-Tier-Hormonen überschüttet und meinen Gastrointestinaltrakt statt dessen auf die harte Arbeit vorbereitet, mit Essig versetztes Hasenfutter und Hülsenfrüchte zu verdauen. Aber diesmal denke ich den Gedanken des teuren Salates zu Ende: warum ist der eigentlich teurer?

    Oder besser: Warum ist das Fleisch so billig?

    Hm. Schlagartig erinnere ich mich an alle Dokus, die ich mir jemals zum Thema Fleischproduktion in phoenix, arte und 3sat angetan habe, und deren weltweite Auswirkungen für Nahrungsmittelpreise, Umwelt und Landwirtschaft. Schließlich gibt es noch andere Gründe, vegan zu leben, als anderen auf die Nerven zu gehen.
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  • Wenig zuträglich zu meiner Stimmung ist die ständige Piesackerei in der Kantine. Normalerweise bin ich ja für jeden Quatsch zu haben, aber nicht, wenn meine Mitochondrien auf Sparflamme laufen.

    Wenn ich jedes Mal einen Euro kriegen würde, wenn mir jemand mit einem fiesen Grinsen sein Mittagsfleisch unter die Nase hält, mich fragt, ob ich eine Wette verloren habe oder sich einen anderen Seitenhieb auf die Vegan-Dschällendsch leistet, könnte ich mir schon drei Tage Urlaub in einem veganen Spa leisten. Manchmal glaube ich, dass mir mehr Verständnis entgegen gebracht worden wäre, wenn ich mir als Experiment eine Woche lang nur Frauenkleider anziehen würde. Gefühlt.

    Bisher kam es mir eher so vor, dass Veganer bei jeder Gelegenheit die Überlegenheit ihres Lebensstils raushängen lassen. Jetzt scheint es genau anders herum. Vielleicht kann man als Veganer auch nur durchhalten, wenn man selber offensiv seinen Ernährungsstil propagiert.
    Naja, der Perspektivwechsel ist ja Teil dieses Wochenexperiments. Das macht es aber auch nicht besser. Und mich gerade fertig. Ich brauch jetzt was zu essen.
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  • Mittag, Nachmittag, Abend ... meine Stimmung verschlechtert sich zusehends. Von wegen Tag gerettet. Offenbar hat mein Körper auf den "Hilfe, ich kriege nicht meine normale Nährstoffmenge"-Modus gestellt. Ich bin fahrig, unkonzentriert, gereizt.

    Einige Voll- oder Teilzeit-Veganer haben mir erzählt, dass es vorteilhaft ist, wenn man sich sein Essen selbst zubereiten kann. Und nur macht sich anscheinend bemerkbar, dass ich dazu einfach nicht komme, weil ich gerade auch ziemlich lange Arbeiten muss. Ich schaffe ja nicht mal, vernünftig einzukaufen.
    Da helfen mir auch die besten Rezepte nichts. Von einer vollwertigen Ernährung kann gerad wohl keine Rede sein.
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  • Erster Drehtermin in unserer Küche. Thema: was ich von einer Woche vegan befürchte/erwarte. Fragt mich, was ihr wollt, Hauptsache, ich darf für die Kamera nochmal in ein Wurstbrot beißen ;)

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  • Tag 2 meiner Vegan-Dschällendsch.

    Ich hatte erstmal ordentlich Bammel, wie mein erstes veganes Frühstück aussehen könnte. Gut, bei meinen vollausgestatteten Cousinen hab ich schon solche Frühstücke bekommen. Aber: Vom Inhalt meines eigenen Kühlschranks können Veganer bisher ebenso viel erwarten wie ein Herrenfriseur von Donald Trump.

    Und für mich gilt: Frühstück ist die wichtigste Mahlzeit des Tages, Punkt. Wenn das versaut wird, kann ich den Rest des Tages gleich in die Tonne treten.

    Gut, dass mir meine Kollegin Judith den Tipp mit dem Porridge gegeben hat (klingt irgendwie sophisticated-kosmopolitischer als "aufgekochter Haferbrei"). Auch wenn ich beim Gedanken daran zunächst eher an zahnkranke Gäule denken musste: mit ein bisschen Zimt, Äpfeln und Weintrauben drin ist das ein schnell gemachtes und leckeres Frühstück. Und satt macht's auch noch.

    Wieder was gelernt und Tag gerettet :D

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  • So, jetzt komm ich endlich zum Einkaufen. Aber was darf ich essen? Was soll, was kann ich kaufen? Es ist, als wäre mir alles fremd, wie in einem georgischen Supermarkt. Nirgends finde ich sowas wie ein vegan-Regal. Ist echt nicht einfach. Am Schluss nehme ich Haferflocken, ein paar Äpfel, noch mehr Paprika und eine Packung Hafermilch mit, die hat wenigstens ein vegan-Logo. Zum Abendessen gibt's Kiwi und eine Banane. Für Tag 2 bin ich besser vorbereitet.

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  • Ein langer Arbeitstag, und jetzt muss ich noch bei einer Freundin Office installieren ... hoffentlich komm ich noch dazu, ein paar Frühstückssachen einzukaufen, sonst gibt es morgen früh Paprika mit Ayvar - vegan-kompatibler ist meine Vorratskammer noch nicht o.O
    Wenigstens bekomme ich von Chrissi einen Haufen Kochtipps. Und einen Hinweis, den ich öfters höre an Tag 1 meiner vegan-Dschällendsch: Es ist sehr hilfreich, wenn man sich seine veganen Mahlzeiten selbst herstellen kann.
    Schade, dass ich ein ziemlicher Küchenhonk bin :| Offenbar muss ich noch mehr lernen als tierische Zusatzstoffe.

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  • Was um Himmels Willen darf ich zu mir nehmen und was nicht? Ich dachte immer, dass vegane Lebensmittel gekennzeichnet sind! Offensichtlich nicht :( Heißt das, ich darf jetzt jedesmal erst die Zutaten studieren, bevor ich reinbeißen darf? Ich glaub, ich brauch eine Lupe und ein Inhaltsstoffeverzeichnis. Oder eine vegan-Erkennungs-App.

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  • Als Kollegin Ulli mir ein Stück ihrer Knusperchip-Tortilla-Schokolade anbietet, widerstehe ich meinen natürlichen Reflexen und schau erst mal auf die Inhaltsstoffe: Zucker, Vollmilch *möööp* das war's, keine Schoki für mich.
    Ein Vorgeschmack (haha) auf die nächsten Tage.

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  • Eine Woche vegan. Ich, der Fleischfan, Tellersauberesser und Nienaschereiausschlager. Die Reaktionen meiner KollegInnen auf mein Vorhaben sind volldigital: 0 oder 1, pro oder contra, dazwischen gibt's praktisch nix. Die einen schütteln den Kopf oder reagieren wie mein Kollege Andi in der Kantine, wo ich meine letzte "normale" Mahlzeit für die nächste Woche einnehme:
    Ich: "Ich ernähr mich eine Woche vegan."
    Andi: "Du?!?!?!" (ja, tatsächlich so viele "?!")
    Die anderen fangen gleich an, mir Geschichten von ihren veganen Erlebnissen zu erzählen und geben Koch- und Ernährungstipps.
    Au weia. Ich merke schon: Selbst wenn ich nur mal aus Interesse und Neugier eine Woche auf vegan machen will, polarisiert das schon. Ich hoffe, meine Eltern enterben mich nicht ;)
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  • So, jetzt hab ich den Salat! Eine Woche lang nur vegan leben. Aber lieg ich mit dem "nur" überhaupt richtig, oder verpass ich stattdessen was?
    Ihr merkt vielleicht: Ich hab jedenfalls wenig Erfahrung in Sachen vegane Ernährung. Nur zwei Cousinen, bei denen ich unter anderem schon Donauwelle (war echt lecker) und Milch (argh, Soja) garantiert ohne tierische Inhaltsstoffe probiert hab. Bin also praktisch unbeleckt. Das kann ja heiter werden :)
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