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Der multimediale Ticker mit Kommentarfunktion und Social-Media-Anbindung.

Ramadan2015

Von: BR interkulturell am 19.7.2015

Das war es von hier vom Ramadan 2015. Es war auch für unser Team eine besondere Zeit. Wir lernten uns in diesen Wochen teils besser und teils sogar erstmals kennen. Und wir stellten fest, dass nicht nur ein Logo, sondern auch ein solcher Programmschwerpunkt zum Ramadan in diesen Tagen möglicherweise mehr in Gang setzen kann als zahlreiche Monate Integrationsdebatte.


Dieser Ramadan war auch für uns kein Monat wie jeder andere. 

Dafür danken wir den vielen interessanten Menschen, die wir in dieser Zeit begleiten durften, unseren Followern und Besuchern im Netz sowie den Zuschauern und Zuhörern im TV und Hörfunk. Auch für die vielen ermutigenden Zuschriften: sie machten das tägliche Bloggen im heißen Monat angenehmer, obwohl von uns, die hier bloggen, eigentlich niemand fastete. 






Unser Angebot wird Ihnen und Euch selbstverständlich auf br.de/interkulturell erhalten bleiben. Auf unserer interkulturellen Plattform informieren wir auch über alles neu Anstehende. 

Wer sehen möchte, was sich in den letzten vier Wochen zum muslimischen Monat der Monate ansammelte, kann dies im gebündelten Ramadan-Dossier, direkt unter: br.de/ramadan 2015. Darin gibt es zum Nachsehen die Liveübertragung des Festgebets aus der Penzberger Moschee, Filme, Berichte, Hintergründe und Specials zum Ramadan.


Wir freuen uns schon jetzt auf den nächsten Programmschwerpunkt, und w��nschen allen noch einen schönen Sommer!



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Dem IS war bereits das Friedensgebot im Ramadan egal, nun setzte er seine Reihe an Anschlägen auch zum Eid al-Fitre und zum Ende des Ramadan im Irak fort.  

Von: Michael Olmer am 18.7.2015

Das Eid al-Fitr, wie das mehrtägige Fest des Fastenbrechens oder Ramadanfest heißt, gilt neben dem Opferfest zu den wichtigsten Festen des Islam. Es hat für Muslime im festlichen Charakter einen Rang wie für Christen Weihnachten oder Ostern, wie für Juden Pessach oder Chanukka. Es ist vor allem auch ein Fest der Familie, die zum Essen zusammenkommt. Für die Kinder, die Süßigkeiten und Geschenke bekommen. Es soll gefeiert, getanzt werden.  

Aber in Chan Bani Saad in der Nähe Bagdads, wo sich der Selbstmordanschlag am gestrigen Abend ereignete, haben die Behörden eine dreitägige Trauerzeit ausgerufen, nachdem über 100 Menschen – die meisten Teil der schiitischen Strömung und nach Angaben auch Kinder – ermordet wurden. 


Es geschah auf einem Marktplatz, wo Familien ihre Einkäufe für das Fest machten, das noch am Vorabend mit einer gemeinsamen Mahlzeit zum Ende des letzten Fastentages im Ramadan eingeleitet wird. Für irakische Schiiten war es der gestrige Freitagabend. Und an diesem war das Attentat. Noch weichen die Berichte voneinander ab. Laut CNN-Bericht hat sich der Selbstmordattentäter als Verkäufer auf dem Marktplatz ausgegeben.    

Schon während des Ramadan und auch in seinem letzten Drittel, in dem nach muslimischer Überlieferung der Koran offenbart wurde - eine Zeit, in der sich gläubige Muslime umso mehr aufs Gebet konzentrieren -, sollte der IS-Terror nicht ausbleiben. Nach Berichten u.a. der BBC und unter Berufung auf einen dem IS zugeschriebenen Eintrag in den Sozialen Medien, hatte sich der IS bereits zu einer Anschlagsserie in Bagdad am 12. Juli bekannt. 


Es ist keine neue Erkenntnis, dass der IS der Idee von der Heiligkeit des Lebens, der sich gläubige Muslime in den vergangenen vier Wochen vertieft widmeten und der auch das Eid al-Fitr gelten soll, keine Bedeutung beimisst. Weder im Ramadan noch zu einer anderen Zeit. 

Auch war der gestrige Anschlag im Irak der letzten Jahre nicht der erste, der in die Zeit des Ramadanfestes fiel. Aber er gehörte zu den schlimmsten. Dieses gestrige Attentat machte umso mehr deutlich: dass die muslimische Welt selbst zu den Opfern und Angriffszielen des fundamentalistischen IS-Terrors gehört.

 

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Abschluss einer besonderen Zeit. Das Fest nach dem Monat der Monate.  

Von: Sammy Khamis am 17.7.2015

Donnerstagabend. Der Ramadan geht zu Ende. „Endlich“ und „Leider“ – das zumindest sagen die Gemeindemitglieder des Muslimischen Kulturforums in München Moosach. Dort war am Donnerstag noch reger Betrieb – am Freitag, dem ersten Tag des Zuckerfestes, wird dort gebetet und gegessen.


Noch liegen die Reste des letzten Iftar auf den Tischen im Gemeinschaftsraum der Al Habiba Moschee in Moosach. Danach das letzte Abendgebet. Der Imam der Moschee, Sofian Trabelsi, bittet die Gemeindemitglieder nach dem Gebet noch zu bleiben, um die Moschee zu putzen. Gesagt, getan, denkt sich auch Mai aus Baghdad.

Mai
von BR-interkulturell

Innerhalb einer Stunde ist die Moschee frisch geputzt. Männer wie Frauen helfen gleichermaßen. Ganz zum Schluss wird noch Parfum versprüht, für das Zuckerfest, auf Türkisch Ramazan Bayrami, auf Arabisch Eid al-Fitr, soll nicht nur alles gut aussehen, sondern auch gut riechen. Alles in einem, ist selbst das Putzen ein fröhliches Ereignis, auch für Boutheina und ihre Freundinnen. 

Boutheina
von BR-interkulturell

Am nächsten Tag, dem ersten der drei Festtage des Eid, ist die Moschee ab Sonnenaufgang geöffnet. Fast mantrisch wiederholen die Betenden das Glaubensbekenntnis, die Shahada, und warten auf das Eid-Gebet. Das wird in der Regel ein bis zwei Stunden nach Sonnenaufgang gebetet. Kurz vor dem Gebet strömen rund 500 Menschen in die kleine Moschee über einem KFZ-Händler. Eine Davon ist Mariam, die Frau des Imams. Sie ist schwer bepackt. In einer riesigen Tüte trägt sie: Süßigkeiten für die Kinder.

Mariam
von BR-interkulturell

Neue Kleidung, Geld und Süßigkeiten, das ist Eid, also das Zuckerfest für die Kinder. Und auch wenn Mariams Tochter bekräftigt, gar nicht so gerne Süßes zu essen: Bis zum Sonntag werden bestimmt einige Kugeln Eis und viel Schokolade „verschwinden“.






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Ende des Ramadan. Der Monat Schawwal und die junge Mondsichel. 

Von: Michael Olmer am 16.7.2015

Heute nach Sonnenuntergang endet der 29. Tag des Ramadan 2015. Heute Morgen ist der geozentrische Neumond eingetreten. Auf den Ramadan folgt der Monat Schawwal, der zehnte Monat des islamischen Kalenders. Was einen Monat lang religiös geboten war, ist am ersten Tag dieses neuen Monats untersagt, erklärt Mehmet Pekince vom Münchner interkulturellen Dialogzentrum (IDIZEM).

Mehmet Pekince, IDIZEM München
von BR-interkulturell

Muslimische Gemeinden in Deutschland stützen sich heute weitgehend auf einen einheitlichen Kalender und werden morgen früh das Festgebet zum Ende des Ramadan begehen. In den vergangenen Jahrzehnten gab es immer wieder Unklarheiten nicht etwa nur über den Beginn, sondern gerade auch über das Ende des Ramadan. Besonders auch Meldungen aus Saudi Arabien führten dazu, dass aus Sicht anderer Länder das Ende des Fastenmonats zu früh vermeldet worden war. Ein Thema, das den Münchner IT-Spezialisten und Freizeit-Astronom Martin Elsässer seit einigen Jahren beschäftigt:

Martin Elsässer
von BR-interkulturell

Elsässer ist in der Münchner Volkssternwarte als Kenner in Sachen Mondphasen und Sichtungen bekannt. Er ist selbst ist kein Muslim, aber vollwertiges Mitglied des Islamic Crescents' Obervation Projects, das seinen zentralen Sitz in Jordanien hat und in vielen Teilen der islamischen Welt zu einer wichtigen Referenz für die astronomisch fundierte Berechnung von Mondphasen zählt.   

Auch im Oman gefragter Experte - Martin Elsässer.  
von BR-interkulturell

Um bloße Vorausberechnung kann es dabei nicht gehen, betont Elsässer. Auch nicht am heutigen Abend, wo die Chancen einer Sichtung der jungen Mondsichel in Mitteleuropa selbst mit technischen Hilfsmitteln gleich null sind: ganz einfach deshalb, da der Mond bereits vor der Sonne untergegangen sein wird. 

Dass eine Sichel nicht gesehen werden kann, heißt natürlich nicht, dass sie nicht existiert, das wäre angesichts des bereits eingetretenen Neumondereignisses absurd. Das Problem löst Elsässer, indem er seine Beobachtung einfach am Tag anstellt und mit einer Kamera arbeitet.  


Martin Elsässer
von BR-interkulturell

Um die junge Mondsichel auszumachen, nutzt Elsässer ein Fernrohr, hinter dem die Kamera platziert wird. Vom genau bekannten Standort der Sichel werden Dutzende oder sogar mehrere hundert Bilder zu einem Summenbild zusammengefasst. Dabei wird, führt Elsässer aus, eine besondere Software eingesetzt, welche Kontrastunterschiede betont und andere Erscheinungen, die sich abgesehen von der Sichel in den Bildern verfangen haben (z.B. Spinnweben), herausfiltert. Auf diese Weise entstand sein Bild der jungen Mondsichel von heute Vormittag. 

Selbst auf dem Summenbild noch schwer erkennbar - die junge Mondsichel des Juli- Neumonds.  
von BR-interkulturell

Am Tag, erklärt er, stehe die Mondsichel ohnehin viel höher am Himmel, so könne er durch wenig störende Atmosphere beobachten.   

von BR-interkulturell

Natürlich ist dieses Verfahren höchst umstritten und die Diskussion darüber ist kontrovers. Schon allein was den Einsatz irgendwelcher technischer Hilfsmittel zur Sichtung angeht, besteht unter islamischen Gelehrten bei weitem kein Konsens. Umso weniger ist vorgesehen, einen Sichtungsbericht zu vermelden, bevor der letzte Fastentag enden konnte. Elsässer betont allerdings immer wieder, dass es sich hier um keine „visuelle“ Sichtung mit dem bloßen Auge handle. Er sei sich natürlich dessen bewusst, dass die religiöse Relevanz solcher Befunde eine Frage ist, die nicht etwa von ihm zu beurteilen sei. 

Andererseits: Aus Sicht von islamischen Verfechtern der Vorherberechenbarkeit von Anfang und Ende des Ramadan, die von einer wirklichen Sichtbarkeit ohnehin Abstand nehmen, könnte Elsässers Methode wie eine Symbiose aus jahrhundertealter Tradition und digitaler Gegenwart erscheinen. Zumal die Idee der Sichtung der jungen Mondsichel in traditioneller Perspektive als religiöse Aufgabe, wenn nicht sogar Pflicht gilt. Für Mehmet Pecince steht sie besonders auch für den Aspekt der Gemeindschaft:

Mehmet Pekince, IDIZEM München
von BR-interkulturell

Technische Hilfsmittel zur Feststellung des Ramadan-Endes abgesehen von der bloßen Berechnung? Er sei natürlich keine religiöse Autorität und könne hier kein Gelehrtenwort vermelden, macht Pekince deutlich, aber einen Widerspruch zur Lehre Mohammeds und seiner Zeit sehe er nicht: 

Mehmet Pekince, IDIZEM München
von BR-interkulturell



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Ramadan 2015 - wo stehen wir?

Von: BR interkulturell am 16.7.2015

"puzzle"-Moderatorin Özlem Sarikaya spricht darüber, wie sie persönlich den Ramadan 2015 erlebt hat, wie es aus ihrer Sicht um eine Normalität des Islam in Deutschland steht - und wie sie das erste gemeinsame Fastenbrechen auf dem BR-Fernsehgelände in Freimann wahrnahm: 

von BR-interkulturell

Video: Peter Allgaier

Interview: Michael Olmer



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Naimas Abend. Zusammen kochen in der Culture Kitchen München.

Von: Undine Fraatz und Michael Olmer am 15.7.2015

Die Culture Kitchen München ist ein internationales Kochprojekt, in dem sich Leute aus vielen Kulturen und Ländern über das gemeinsame Kochen und Essen kennenlernen. Etwa alle zwei Wochen trifft sich die Gruppe in Räumen in der Nähe des Münchner Ostbahnhofs. Immer am Sonntag, gewöhnlich um die Mittagszeit. 

Während des Ramadan haben sich Team und Gäste am Nachmittag getroffen, und nach Sonnenuntergang gegessen. Wir durften dabei sein, als Naimas Stunde geschlagen hat: Vor Kurzem hat sie die Schule abgeschlossen, nun hat die praktizierende Muslima für etwa 15 Leute Sambusa zubereitet, eine Teigtaschen-Spezialität aus Somalia, so wie sie diese aus ihrem Elternhaus kennt. Alle haben mit angepackt, und so wurde das Essen auch rechtzeitig zur Iftar-Zeit serviert.  

von BR-interkulturell

Video: Undine Fraatz

Naimas persönliches Sambusa-Rezept ist demnächst bei uns und auf der Website der Culture Kitchen München zu finden:

save-me-muenchen.de/culturekitchen

facebook.com/CultureKitchenMuenchen



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In der Bahnhofsmission - die letzten Tage des Ramadan

Von: Michael Olmer am 14.7.2015

Er macht diesen Job schon seit einigen Jahren und auch der Ramadan sei hier keine Neuigkeit, erzählt Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission Zoo. Es ist eine jener beiden Stellen der Berliner Stadtmission, die sich um Bedürftige kümmert. Puhl ist Angestellter der Evangelischen Kirche, sein Chef sei aber sei Jesus, ergänzt er.

Dieter Puhl empfängt die jungen Besucher am Bahnhof Zoo
von BR-interkulturell

Es ist der Sonntag Nachmittag des vergangenen Wochenendes. Einige junge Leute der Muslimischen Jugend Deutschland e.V. sind zu Besuch in der Bahnhofsmission, um eine ihrer letzten Hilfsaktionen des in diesem Jahr erstmals gestarteten Projekts "Ramadan - Segen für Deutschland" durchzuführen. Erstmals kommen sie in wirklichen Kontakt mit Menschen, die auf der Straße leben. Den ganzen Vormittag lang sind sie beschäftigt gewesen, Essenspakete vorzubereiten, nun wollen sie diese an Menschen verteilen, die wöchentlich oder auch tagtäglich das Haus am Hintereingang des Bahnhofs Zoo besuchen. 

Von links nach rechts, Berliner Teilnehmer der Aktion "Ramadan - Segen für Deutschland": Suhaib, Siwan, Gülcin, Hamida und Sarah.
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Für Sarah ist der Besuch ein besonderes Erlebnis in den letzten Tagen des Ramadan: 

Sarah, klinische Linguistin
von BR-interkulturell


von BR-interkulturell

Der angehende BWL-Studenten Suhaib erzählt, dass ihn der Besuch anfangs schon etwas Überwindung abverlangte. Jetzt ist er froh, dabei gewesen zu sein: 

Suhaib
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Sicher: Gute Laune und die Tatsache, dass die Mädels und Jungs bereits nahezu vier Wochen lang tagsüber gefastet haben, schließen sich bei ihnen nicht aus. Andererseits hat man auch nicht den Eindruck, dass sie gedanklich bereits beim anstehenden Fest des Fastenbrechens angelangt wären. Auch sei das große Ramadanfest - oder auch Zuckerfest - nach dem neunten Monat kein Anlass, die Vorsätze des Ramadan zu vernachlässigen, erklärt Siwan, der Zahnmedizin studiert.

Siwan
von BR-interkulturell

Natürlich steht dieser letzte Sonntag im Ramadan auch im Zeichen der Nacht der Bestimmung, die irgendwann in diesen letzten zehn Tagen des neunten muslimischen Monats sein kann. In diesen Tagen besonders an Gutes zu denken und Gutes zu tun, kann für gläubige Muslime - ob jung oder alt - kein Fehler sein. Eine besondere Aufgabe, wenn man gleichzeitig die Ausbildung nicht vernachlässigen möchte, erzählt Gülcin. 

Gülcin, angehende Lehramtstudentin
von BR-interkulturell

Die jungen Leute wollen die Bahnhofsmission bald ein zweites Mal besuchen. Puhl weiß, dass dies nicht die Regel ist. 

Dieter Puhl, Leiter der Bahnhofsmission Zoo, Berlin
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Vor dem Versäumnis. Die Lailat al-Qadre gilt für viele Muslime als die kostbarste Nacht des Ramadan – und wohl auch des Islam. 

Von: Michael Olmer am 13.7.2015

In ihr wurde der Koran offenbart, heißt es in der Sure 97, der Kadre-Sure, die von der Lailat al-Qadre handelt. Koran bedeutet wörtlich ein „Lesen“, das auch das Rezitieren beinhaltet. 

Der Koran ist also selbst: Lesen. Nach muslimischer Überlierung hat ihn der Erzengel Gabriel an Mohammed überliefert (der Koran selbst spricht von weiteren Engeln). Daran erinnert die Nacht der Bestimmung. Diese Nacht ist auf keinen bestimmten Tag terminiert, auch wenn sie viele muslimische Gelehrte auf die 27. Nacht des Ramadan festlegen. Da ein Tag im islamischen Mondkalender nicht nach Mitternacht, sondern nach Sonnenuntergang beginnt, beginnt diese 27. Nacht des Ramadan nach gregorianischem Kalender heute Abend am 13. Juli nach Sonnenuntergang und geht bis zum Morgengrauen am 14. Juli.  


Für Muslime kann diese Nacht auch an jedem anderen Tag im letzten Drittel des Ramadan einkehren. Diese Phase im neunten islamischen Monat verlangt eine nochmals gesteigerte Aufmerksamkeit - denn es ist unbestimmt, ob diese Nacht wirklich die 27. sei, ob sie eine spätere sein wird oder ob sie nicht doch z.B. schon die 25. gewesen ist. Garantiert ist nur so viel: wer diese Nacht verpasst und den Ramadan in religiöser Absicht begeht, hat den Ramadan in einem nicht unerheblichen Maße aus religiöser Sicht verschlafen. 

Die Nacht der Bestimmung ist für viele Muslime auch der symbolische Beginn des Jahres. In ihr entscheidet sich, ob das ''Lesen'' des Korans oder das Gebet mit einer Vergebung der Sünden einhergehen kann. In der ganzen Reihe an möglichen Versäumnissen des körperlichen Verzichts zur Tageszeit während des Ramadan, ihren Ausnahmeregelungen und Unterscheidungen, geht es diesmal vor allem um das Gebet. Wer dieses selbst in dieser Nacht versäumt, hat schlechte Karten, grundlos versäumte Gebete und Sünden während des Jahres von Gott vergeben zu bekommen.  


Die Tragweite von (möglichen) Versäumnissen führt über einzelne Handlungen hinaus. In den abrahamitischen Religionen geht es wohl auch immer wieder um die innige Beziehung zwischen Lesen und Schreiben. Nach jüdischer Überlieferung wurden Moses von Gott die Zehn Gebote und mit ihnen die Tora überliefert, zumindest in Teilen oder (je nach Auslegungstradition) sogar die ganze, einschließlich etwa der Schöpfung der Welt und der Zeit vor der Vertreibung aus dem Paradies. Gott diktiert, Moses macht sich seine unermesslichen Notizen, die so gesehen ebenfalls gewöhnliche Vorstellungen von Raum und Zeit außer Kraft setzen.  

Die Nacht der Bestimmung hat eine ähnliche Ausgangslage wie der jüdische Versöhnungstag Jom Kippur. In beiden Fällen geht es im Gebet selbst nicht um zwischenmenschliche Fehltaten, die durch Gott vergeben werden könnten (dies lässt sich nur zwischen den Menschen selbst regeln). Und weder an Jom Kippur noch in der Lailat al-Qadre gibt es einen Garantieschein, dass die Sünden gegenüber Gott von diesem wirklich vergeben würden.

In den Aphorismen Franz Kafkas erscheint das Gebet als ein Motiv gesteigerter Aufmerksamkeit, die seinem Urheber immer wieder die Grenzenlosigkeit möglicher Versäumnisse, Fehltaten und Unschicklichkeiten vor Augen führt. Kafka war bekanntlich ein jüdischer, offensichtlich aber kein religiöser Schriftsteller, beschäftigte sich jedoch intensiv mit der Doppelexistenz, die auch in der Lailat al-Qadre eine Rolle zu spielen scheint: der Fokus auf die Möglichkeiten endloser individueller Versäumnisse auf der einen Seite und auf der anderen Seite die Chance auf eine eigentlich unfassbare Bestimmung. Vom Paradies heißt es bei Kafka:     

"Die Vertreibung aus dem Paradies ist in ihrem Hauptteil ewig: Es ist also zwar die Vertreibung aus dem Paradies endgültig, das Leben in der Welt unausweichlich, die Ewigkeit des Vorganges aber (oder zeitlich ausgedrückt: die ewige Wiederholung des Vorgangs) macht es trotzdem möglich, daß wir nicht nur dauernd im Paradiese bleiben könnten, sondern tatsächlich dort dauernd sind, gleichgültig ob wir es hier wissen oder nicht."   

Die Nacht der Bestimmung ist unter der Voraussetzung, dass zumindest eine Möglichkeit des Eintretens ihrer Versprechen besteht, für viele Muslime die wohl kostbarste Nacht im religiösen Kalender des Islam, gleichgültig ob man weiß, an welchem der letzten zehn Tage des Ramadan sie letzten Endes stattfindet. Darüber hinaus lässt sie sich schwer verstehen, diese Nacht scheint einfach unermesslich.     




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Ramadan in der JVA Nürnberg – unterwegs mit zwei muslimischen Seelsorgern

Von: Tina Wenzel am 12.7.2015

Schlüssel, Geldbeutel und Handy: Alles muss an der Gefängnispforte abgegeben werden. Erst dann geht es weiter durch zahllose Sicherheitstüren. Routine für Ali-Nihat Koc vom Verein Begegnungsstube Medina. Seit einem Jahr kommt er in die JVA-Nürnberg und kümmert sich ehrenamtlich um die muslimischen Gefangenen – versucht eine Stütze für sie zu sein. 

Ali-Nihat Koc – „Ich versuche ein Freund, ein guter Onkel zu sein.“
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Der Seelsorger weiß: „Gerade die Zeit während des Ramadans ist für die Gefangenen besonders schwer. Sie vermissen ihre Familien und die Gemeinschaft beim Fastenbrechen.“  

Ali-Nihat Koc – Ramadan im Gefängnis
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Ramadan ist an diesem Tag auch das bestimmende Thema in der Gruppenstunde mit Imam Ahmet Karabacak – dem Hodscha, wie der Geistliche von den Häftlingen respektvoll genannt wird. Mit sieben Häftlingen sitzt der Imam an einem Tisch, betet mit ihnen und spricht über die bevorstehende Lailat al-Qadr. Die Nacht, in der erstmals der Koran offenbart wurde. 

Imam Ahmet Karabacak – Rezitation Sure Lailat al-Qadr
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„Wie können wir die Lailat al-Qadr hier im Gefängnis feiern? Wie an diesem Tag richtig beten?“ Für die Gefangenen ist dieser Austausch mit dem Geistlichen sehr wichtig, betont einer der Häftlinge:

„Die Gruppenstunde gibt mir Kraft.“
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Zwei Mal im Monat besucht der Imam die Häftlinge im Gefängnis. „Sie wünschen sich, dass ich öfters komme. Das geht aber leider nicht, weil ich nur ehrenamtlich hier tätig bin und einfach die Zeit fehlt“, erzählt der Hodscha. Seelsorger Ali-Nihat Koc kritisiert: „Es mangelt an einer flächendeckende Seelsorge für muslimische Gefangene in Deutschland. Es gibt gerade mal zwei hauptamtliche Seelsorger – deutschlandweit. Das ist gar nichts.“ 

von BR-interkulturell
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Gespräch mit Ali-Nihat Koc
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Imam Ahmet Karabacak besucht Häftlinge in der JVA Nürnberg
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Gruppenstunde mit Imam Ahmet Karabacak
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Bilder: Philipp Kimmelzwinger


In der JVA Nürnberg sind rund 100 muslimische Gefangene inhaftiert. Zu zweit versuchen Seelsorger Ali-Nihat Koc und Imam Ahmet Karabacak die Häftlinge emotional zu stützen. „Dabei ist es auch unsere Aufgabe, die Häftlinge vor einer Radikalisierung zu schützen“, sagt Imam Karabacak. Radikale islamistische Gruppen versuchen auch in Gefängnissen, neue Anhänger zu rekrutieren. Bisher haben die beiden Seelsorger aber in diese Richtung noch nichts Auffälliges in der JVA Nürnberg beobachtet.

Das nächste Mal will Ali-Nihat Koc zum Eid al-Fitr, dem Fest des Fastenbrechens, ins Gefängnis kommen, Baklava mitbringen und zusammen mit den Gefangenen das Ende der Fastenzeit feiern. Eine kleine, aber wichtige Geste für die Häftlinge.



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Sag, wie hältst du's mit dem Koran? - Wege und Richtungen im Islam

Von: Veronika Wawatschek am 11.7.2015

Etwa jeder zweite Muslim in Deutschland sagt, dass er sich an die Fastenregeln im Ramadan hält. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie im Auftrag der Deutschen Islamkonferenz, die noch immer als eine der umfassendsten zum muslimischen Leben in Deutschland gilt.

Am strengsten nehmen demnach Sunniten die Gebote. Dagegen faste jeder vierte Schiit in Deutschland gar nicht, bei denen es sich oft um Einwanderer aus dem Iran handelt. Und die Aleviten, die immerhin die zweitgrößte Strömung des Islam in Deutschland stellen, messen dem Fasten im Ramadan sowieso eine nicht ganz so große Bedeutung bei, bei ihnen fällt die eigentliche Fastenzeit in den Monat Muharram, also in den ersten Monat im islamischen Kalender (zusätzlich kennen sie den Brauch des Hizir-Fastens im Februar).

Dazu die Diskussion über die Auslegung des Koran: Einen Katechismus, wie ihn die christlichen Kirchen haben, kennt der Islam nicht. Muss der Koran buchstabengetreu gelesen werden oder ist er vor dem Hintergrund seiner Entstehungszeit zu verstehen und kann entsprechend interpretiert werden? Liberal oder konservativ – die Diskussion über die Koranauslegung gerät oft zum Richtungsstreit, wenngleich konservativ-traditionelle Ansätze ebenso Interpretationen beinhalten und versuchen, Tradition und Moderne in Einklang zu bringen.

Annika Mehmeti, Liberal-Islamischer Bund
von BR-interkulturell

„Uns wird ja als liberalen Muslimen auch immer vorgeworfen, dass wir den Begriff politisch einsetzen wollen“, berichtet Annika Mehmet vom Liberal-Islamischen Bund. Das sei aber nicht der Fall, man habe nicht das Ziel, Politik zu machen. „Es geht um Spiritualität und um Ausleben des Glaubens, das ist kein politischer Begriff.“ 



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Su Turhan - mit Kommissar Pascha im heißen Monat

Von: Roswitha Buchner am 10.7.2015

Seine Ermittlungen während des Ramadan bringen Zeki Demirbilek alias Kommissar Pascha in Gewissenskonflikte. Denn es ist Hochsommer und in den Biergärten locken Schweinsbraten und Gerstensaft. Genüsse, auf die der bayerisch-türkische Kommissar aus Su Turhans mittlerweile dreibändiger Krimireihe ungern verzichtet. Er fastet zwar - eher aus kulturellen Gründen und mit dem Hintergedanken, ein paar Kilo abzuspecken, nimmt es aber sonst mit der Religion nicht ganz so genau. Auch nicht mit den religiösen Speisegesetzen - wie sein Erfinder, der Autor Su Turhan, geboren in Istanbul, aufgewachsen in Niederbayern, heute Münchner. Schmunzelnd erzählt er, dass er auch gerne mal Döner mit Weißbier oder Schweinsbraten mit türkischen Ayran zum Abendessen genießt.

Wie schon im ersten Band ''Kommissar Pascha'' hat der schrullig-bärbeißige Ermittler auch im zweiten Band ''Bierleichen'' mit den „zwei Seelen in seiner Brust“ zu kämpfen, bevor er den Fall am Ende auf seine gewohnt ''bayerisch-grantlerische'' und ''türkisch-paschahafte'' Art löst. Wie sich der Kommissar während des Ramadan fühlt, erfahren wir vom Autor persönlich, der uns bei hochsommerlichen Temperaturen im Nockherberg-Biergarten aus seinem Buch vorliest.

Su Turhan - Kommissar Pascha im heißen Monat
von BR-interkulturell


Video: Peter Allgaier




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Fortsetzung: Muslime im oberbayerischen Moosburg. Wie fühlen sie sich im Ramadan 2015?

Von: Veronika Wawatschek am 9.7.2015

Von links nach rechts: Osman Demirkan, Erdogan Aydeniz (Mitglied im Moosburger Stadtrat) und Demirkans Sohn, der LKW-Fahrer Mustafa Demirkan.
von BR-interkulturell

Der Gastarbeitersohn Mustafa Demirkan spielt mit dem Gedanken, in den nächsten Jahren in die Türkei zurückzukehren, die Idee hat bei ihm allerdings keinen religiösen Grund.

Mustafa Demirkan - "Ich fahre jeden Tag 700 Kilometer."
von BR-interkulturell


Fatima Görbes denkt da anders. Ihre Kinder sind hier, auch ihre Enkelkinder. Sie ist selbst als Kind nach Deutschland gekommen, Deutsch hat sie sich quasi selbst beigebracht, sagt sie. Es ist nicht perfekt, aber sie kann sich damit verständigen – ob nun beim Kochkurs, zu dem sie kürzlich Nichtmuslime in die Moscheegemeinde eingeladen haben oder in der Nachbarschaft.

Fatima Görbes - "Wir müssen zusammen leben"
von BR-interkulturell



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Ahlan wa Sahlan? Willkommen daheim - oder eher doch nicht? Ein Besuch im oberbayerischen Moosburg. 

Von: Veronika Wawatschek am 8.7.2015

Die Mehrheit der Muslime in Deutschland orientiert sich in ihren Werten an denen der nichtmuslimischen Mehrheit der Gesellschaft. Letztere nimmt das aber zu großen Teilen kaum wahr. Das stellte der Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung Anfang des Jahres fest. Wie willkommen fühlen sich Muslime also hierzulande im Ramadan 2015? 

Eingang der Moosburger Mevlana-Moschee. Ein Minarett wurde der muslimischen Gemeinde nicht genehmigt. Bild: Mustafa Demirkan.
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In die Moosburger Mevlana-Moschee gehen Muslime verschiedenster Herkunftsnationen. Yahya kommt aus Syrien, lebt aber schon seit über 50 Jahren in Deutschland. Er hat hier studiert, war in Deutschland bei der Bundeswehr, hat hier ein Haus gebaut. In die Moosburger Mevlana-Moschee geht der Rentner regelmäßig, auch wenn er sich nicht als sehr gläubig bezeichnen würde. Deutschland ist sein Zuhause, sagt er.

Yahya - Zuhause in Deutschland
von BR-interkulturell

Moujahid ist seit den 1990er Jahren in Deutschland. Auch er ist zum Studium hierher gekommen. Mit seinen Kindern und seiner Frau lebt der gebürtige Marokkaner in der Nähe von Moosburg. Ganz anders als Yahya aber fühlt er sich nicht willkommen. Seine Frau ist zum Islam konvertiert. Ein Kopftuch trägt die Tierärztin nicht. Welcher Bauer würde eine Frau mit Kopftuch schon auf den Hof lassen, fragt Moujahid.

Moujahid - "Es ist eine Art Duldung..."
von BR-interkulturell

Weitere Stimmen aus Moosburg a.d. Isar gibt es hier in Kürze. 



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Zakat - Hintergründe des Spendens im Ramadan

Von: Roswitha Buchner am 7.7.2015

Barmherzigkeit ist ein wichtiger Bestandteil im Islam. Sie gehört zu den fünf Säulen des muslimischen Glaubens. Laut einem Ausspruch Mohammeds wird man heiligen Monat für seine gute Taten besonders belohnt.


Deshalb ist jeder Fastende, sofern er es sich leisten kann, verpflichtet, während des Ramadan die sogenannte „Zakat ul-fitr“ an Bedürftige zu spenden. Der Name bezieht sich eigentlich auf das Ende das Ramadan und das Fest des Fastenberechens ( zakat dt. "Reinigung"; fitr dt. Fastenbrechen"), die Zakat kann aber auch während des laufenden Monats geleistet werden. Überhaupt ist sie natürlich eine Tugend, die das ganze Jahr über abverlangt wird, im Ramadan aber eine besondere Betonung erfährt.  

Die Idee hinter der Ramadanspende ist, dass sie nicht etwa aus persönlichem Nutzen, sondern allein aus Ergebenheit gegenüber Gott geleistet wird: sie steht in direktem Zusammenhang zu einem zentralen religiösen Versprechen des Ramadan - der Vergebung der Sünden und dem Bestehen vor dem Jüngsten Gericht im Sinne einer späteren Aufnahme ins Paradies.  

Die Spende ist auch in Form von Geld möglich. Bezahlt wird pro Kopf eine Summe, die dem Wert einer Mahlzeit entspricht. Das bedeutet, dass über jeden Muslim, ob Mann, Frau oder Kind, im gesamten Ramadan eine Mahlzeit für Bedürftige finanziert werden sollte. Jedes Jahr wird für jedes Land entsprechend der Kaufkraft der jeweiligen Landeswährung die Summe neu festgelegt. In diesem Jahr beträgt die Zakat ul-Fitr in Deutschland zwischen 7 und 8 Euro pro Familienmitglied. Sie muss zwischen Beginn des Ramadan und spätestens vor dem Id, dem Festgebet zum Ende des Ramadan geleistet  werden.


Viele der In Deutschland, Österreich und der Schweiz lebenden Muslime geben ihre Spende an die weltweit tätige gemeinnützige islamische Hilfsorganisation Muslime Helfen e.V., die 1985  in München gegründet wurde und heute ihren Sitz in Ludwigshafen hat. Auch die in Köln gegründete Organisation Islamic Relief Deutschland (IRD) schnürt anhand derartiger Spendengelder Hilfspakete und führt mehrere Aktionen zum Wohl von Bedürftigen durch. Zum Spenden wurde bereits vor Beginn des Ramadan aufgerufen.  




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Ramadan im Café Abraham

Das Fasten im Judentum, Christentum und Islam

Von: Tina Wenzel am 6.7.2015

Mehrere Ausgaben der Bibel und des Koran stapeln sich auf dem Tisch – dazu noch zahlreiche wissenschaftliche Bücher zu den drei Weltreligionen. Keine leichte Lektüre, die sich 15 Erlanger Studenten da vorgenommen haben. Es sind Studenten der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) Erlangen und Studenten, die im Café Abraham organisiert sind. 

Gemeinsam diskutieren im Café Abraham
von BR-interkulturell

Das Café Abraham ist eine Gruppe junger Muslime, Christen und Juden aus Erlangen, die regelmäßig zusammenkommt, um über die drei Weltreligionen zu diskutieren. Der Name Café Abraham ist dabei nicht zufällig gewählt, erklärt Mitbegründer Fabian Schmidmeier: denn Juden, Christen und Muslime beten nicht nur zum selben Gott, sondern sehen Abraham auch als ihren gemeinsamen Stammvater an. Durch einen gemeinsamen Dialog will das Café Abraham ein Zeichen setzen, dass Muslime, Juden und Christen sehr wohl friedlich miteinander auskommen und miteinander reden können. Meistens trifft sich die Gruppe in einem Erlanger Café – diesmal jedoch in der der ESG. 

Burcu Sargin - Brückenschlagen im Café Abraham
von BR-interkulturell


Intensive Kost - das Fasten in der Bergpredigt 
von BR-interkulturell


Das Thema der Diskussionsrunde: Das Fasten in den drei Weltreligionen. Als Ausgangspunkt dient die Bergpredigt, denn Teile finden sich in ähnlicher Entsprechung auch im Koran wieder, berichtet Mahmoud Abushuair, der in Erlangen promoviert – so in Sure 5,28 bzw. Sure 2,183. Zum Thema Fasten ist in der Bergpredigt etwa bei Matthäus (Kap. 6) zu lesen:

„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. 

Sich nicht mit dem eigenen Fasten zu rühmen, das sei auch im Islam ein zentraler Punkt, sind sich die muslimischen Teilnehmer in der Runde einig. Auch die Fastengründe stimmen bei den Religionen überein: sich auf Gott besinnen, Demut und Dankbarkeit erlernen und mehr Empathie für Menschen erlangen, die weniger besitzen oder gar Hunger und Durst leiden müssen.

Nur auf Schokolade verzichten müssen - reicht das?

Unterschiede gibt es natürlich bei der Dauer und Praxis des Fastens: Im Judentum etwa gibt es einen besonderen Fastentag, den Versöhnungstag Jom Kippur. Gefastet wird dann allerdings auch in der vorherigen Nacht bis Sonnenuntergang am Haupttag. Im Christentum beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch und dauert sieben Wochen bis Ostern. Allerdings ist das Fasten im Christentum mehr zu einer individuellen Haltung geworden: „Christen verzichten mal auf Schokolade, Gummibärchen oder Facebook“, meint Benjamin Moscovici, „aber das kollektive Fasten oder rituelle Fasten ist mehr und mehr verloren gegangen.“ Das Fasten bei den Muslimen sei da viel strenger, sagt El Hadi Khelladi, der das Café Abraham auch mitgegründet hat. Das Anliegen des Café Abrahams für ihn - eine lebendige Debatte.

El Hadi Khelladi - Offene Diskussion im Café Abraham
von BR-interkulturell


Auch für Lukas Altvater geht es darum, durch den Austausch voneinander zu lernen.

Lukas Altvater
von BR-interkulturell


Den Sonnenuntergang und damit das Fastenbrechen haben die Studenten während der Diskussion verpasst. Khelladi nimmt es gelassen: „Einen Schluck Wasser habe ich schon getrunken, das hilft und der Grill läuft auch schon an, da freu ich mich drauf. 


 
Von links: Fabian Schmidmeier, El Hadi Khelladi und Benjamin Moscovici vom Café Abraham.
von BR-interkulturell


Das Café Abraham trifft sich immer sonntags im Erlanger Teehaus. Jeder kann kommen, Fragen stellen und mitdiskutieren.

cafeabraham.wordpress.com

https://www.facebook.com/pages/Café-Abraham

Aktualisiert am 7.7.2015. 




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Vorgestellt: Sanaa Laabich - Koordinatorin des Projektes "Ramadan - Segen für Deutschland"

Von: Roswitha Buchner am 5.7.2015

Sanaa Laabich ist 23 Jahre alt und studiert Psychologie im 8. Semester in Greifswald. Seit Jahren engagiert sie sich für den interkulturellen und interreligiösen Dialog und in vielen Anti-Rassismus-Initiativen auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene. Die Arbeit mit Jugendlichen und ihre Talentförderung sind ihr besonders wichtig. 

Sanaa Laabich, Muslimische Jugend Deutschland e.V.
von BR-interkulturell

Derzeit engagiert sich Sanaa in der Muslimischen Jugend Deutschland e.V. als Koordinatorin des Projekts "Ramadan - Segen für Deutschland". Wir berichteten im Blog (siehe weiter unten) vor wenigen Tagen. Nun erzählte uns Sanaa von ihrem Anliegen:  

Die Muslimische Jugend Deutschland hat sich für dieses Jahr ein ganz besonderes Projekt ausgedacht. Wie kam es dazu?

Sanaa Laabich: Der Ramadan ist eine ganz besondere Zeit für Muslime, in der die spirituelle Auseinandersetzung mit sich selbst und die Verbesserung des eigenen Charakters eine zentrale Rolle spielen. Es ist außerdem ein Monat, in dem Muslime weltweit um gute Taten wetteifern und so ihrer gesellschaftlichen Verantwortung in einem noch verstärkteren Maße gerecht werden als im restlichen Jahr. Mit dem Ramadan-Projekt wollten wir aufzeigen, dass auch Nichtmuslime und allgemein Menschen unabhängig von Kultur, Religion oder sozialem Status von dem „Segen“, der im Ramadan steckt, profitieren sollen. Muslimische Jugendliche sind wichtige Akteure in der Gesellschaft und das wollen wir der breiten Masse zugänglich machen. 

Gibt es ein langfristiges Ziel hinter der Aktion?

Sanaa Laabich: An erster Stelle geht es uns einfach darum Gutes zu tun. Wir fühlen uns als deutsche Muslime verantwortlich für das Wohlbefinden unserer Mitmenschen und wir wollen dieses Verantwortungsgefühl an andere Jugendliche weitergeben. 

Und an zweiter Stelle? 

Sanaa Laabich: Ein weiterer wichtiger Grund ist, dass die Kontakthypothese des Sozialpsychologen Thomas F. Pettigrew besagt, dass die effektivste und nachhaltigste Methode der Vorurteilsreduktion im direkten Kontakt zwischen Menschen hervorgerufen wird. Unser Ziel ist es, Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen zu bringen, damit sie sich kennenlernen. Auf diese Weise wollen wir nachhaltig Vorurteile, rassistisches und islamophobes Gedankengut in der deutschen Gesellschaft reduzieren. Wir wollen aufzeigen, was muslimische Jugendliche in Wirklichkeit sind, nämlich wichtige Akteure zur positiven Veränderung. 

Fragen: Roswitha Buchner am 5.7.2015 

www.muslimische-jugend.de




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Debatte trifft Clubkultur - die "Nächte des Ramadan" in Berlin

Von: Michael Olmer am 4.7.2015

Die "Nächte des Ramadan" in Berlin haben seit den Anfängen im Jahr 2008 den heiligen Monat der Muslime in der Hauptstadt zu dem gemacht, was er jetzt ist - zum festen Bestandteil im Berliner Veranstaltungskalender. 

Nächte des Ramadan 2015: Diskussion im Pergamonmuseum
von BR-interkulturell

Eines vorweg: Die "Nächte des Ramadan", eine Veranstaltungsreihe mit Podien, Theaterstücken, Ausstellungen, Filmvorführungen und Konzerten, sind natürlich kein religiöses Ereignis. Es geht vielmehr um das Kennenlernen, den kulturellen Austausch und auch darum, gesellschaftspolitischen Debatten (wie in diesem Jahr der aktuellen Lage in Syrien) ein gemeinsames Forum zu bieten. In diesem Jahr sollen in der europäischen DJ-Metropole Berlin besonders Clubnächte dazu beitragen, auch den festlichen Charakter zu unterstreichen, den der heilige muslimische Monat nach Sonnenuntergang in sich hat. 

Heute Abend wird die Münchner Rapperin Ebow in Berlin sein und gemeinsam mit der - in München geborenen - Musikerin DJ Ipek Ipekçioglu sowie Bluessängerin Gülina auf der Bühne stehen. Wie es dazu kam und worum es sonst noch bei den "Nächten des Ramadan" geht, berichtet Programmdirektorin Anna Mechelhoff im Interview.     

Anna Mechelhoff, Programmdirektorin der "Nächte des Ramadan"
von BR-interkulturell



Wie kam es zur Idee, die "Nächte des Ramadan" als ein Kulturevent anzugehen? 

Anna Mechelhoff: Die Idee hatte uns schon eine Weile begleitet, denn in anderen Städten wie London und Paris waren ähnliche Formate bereits etabliert und wir dachten, in einer Stadt wie Berlin, mit ihrem großen muslimischen Bevölkerungsanteil, fehlt ein solches Kulturfest. Die Absicht ist es ja, die Vielfalt muslimisch geprägter Kulturen in einem kompakten Kulturfest zu feiern und zu präsentieren und zugleich den Ramadan, als die wichtigste Zeit im muslimischen Kalender, in Berlin sichtbarer und erlebbar zu machen.

Sicher ist der Ramadan aus religiöser Sicht die wohl wichtigste Zeit im muslimischen Kalender. Aber zugleich haben Sie eine recht aufwendige Veranstaltungsreihe nach dem Mondkalender ausgerichtet und so auch an einem Monat festgemacht, der noch dazu jedes Jahr um ca. 11 Tage nach vorn wandert. Lag darin ein gewisser Kick - oder wurden Sie sich dieser Besonderheit aus planerischer Sicht erst später bewusst? 

Anna Mechelhoff: Diese Besonderheit war uns bewusst - aber weil sie eben 'in der Natur der Sache' liegt, haben wir uns der Herausforderung einfach gestellt. Tatsächlich ist es manchmal schade, gute Kooperationen nicht weiterführen zu können, weil andere Formate nie lang parallel verlaufen - und auch Ferien oder Weltmeisterschaften können keine 'Rücksicht' nehmen. Auf der anderen Seite ergeben sich zu unterschiedlichen Jahreszeiten auch andere Möglichkeiten, Open Air z.B., und eben auch vielfältige Kooperationen mit anderen Veranstaltern.

Der Jahreswechsel 2014/15 war im Rahmen der "PEGIDA"-Aufmärsche von einer besonders islamfeindlichen Stimmung geprägt. Spielte das in der Vorbereitung des diesjährigen Programms für Sie eine Rolle?

Anna Mechelhoff: Nein, nicht direkt. Aber es bestätigt natürlich die Notwendigkeit unseres Anliegens, diesen Stimmungen etwas entgegenzusetzen. 

Wie lautet Ihre Einschätzung: würden die Nächte des Ramadan auch bundesweit in Großstädten funktionieren?

Anna Mechelhoff: Ganz bestimmt! Wir haben auch schon einige Versuche gestartet, Kooperationen mit Veranstaltern in anderen Städten zu beginnen. Bisher ist es aber leider noch nicht dazu gekommen.

In der heutigen Clubnacht werden drei Frauen auf der Bühne sein – zusammen mit den beiden Berlinerinnen DJ Ipek, sie ist in München geboren, und Bluessängerin Gülina kommt die Müncher Rapperin Ebow. Anlass ist die vom Musicboard Berlin geförderte Reihe "Die Nächte des Ramadan - Club Sessions". Aber wie kam es zu genau dieser Konstellation am heutigen Abend? 

Anna Mechelhoff: Die Reihe hat zum Ziel, lokale und auswärtige Künstler unterschiedlicher musikalischer Genres in kreativen Kollaborationen zusammenzubringen. Im besten Fall soll darin auch die Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit ermöglicht werden. Im Fall der drei Künstlerinnen gab es den Wunsch schon lange, einmal an einem solchen gemeinsamen Projekt zu arbeiten, und so freuen wir uns natürlich sehr, dass sich diese Möglichkeit nun ergibt. Ich bin sicher, dass uns ein großartiger Abend erwartet!

Fragen: Michael Olmer am 4.7.2015

Noch bis zum 16. Juli finden die "Nächte des Ramadan" in Berlin statt. Für alle, die heute Abend oder in diesen Tagen in Berlin sind, gibt es alle nötigen Infos auf diesen Seiten: 

http://www.gretchen-club.de (heutiges Clubkonzert)

http://www.piranhakultur.de/event/events_2015/naechte_des_ramadan/programm




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„Wir haben alle Hände voll zu tun“ - Umsatzplus im Ramadan

Von: Tina Wenzel am 3.7.2015

Yildiray Aydin, Bäcker
von BR-interkulturell

Zu dritt bedienen die Verkäuferinnen in der Bäckerei Aydin in Nürnberg ihre Kunden, und kommen trotzdem kaum nach. Kurz vor Ladenschluss stehen die Kunden Schlange für das traditionelle Ramadan-Brot. „Ich komme während des Ramadan jeden Tag hierher“, sagt Serkan, der seit 12 Jahren regelmäßig fastet, „weil das Brot frisch aus dem Ofen und noch warm ist.“ 

Ein Fastenbrechen ohne das traditionelle Brot – kaum vorstellbar. „An Ramadan haben wir alle Hände voll zu tun“, freut sich Yildiray Aydin, der Geschäftsführer der Bäckerei, am Wochenende stünden die Kunden sogar bis auf die Straße Schlange. 

Yildiray Aydin - Geheimnis des Ramadan-Brotes
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Aber nicht nur das Fladenbrot wird stark nachgefragt, auch süßes Gebäck ist sehr beliebt, erzählt Aydin, der selbst nicht  zum Fasten kommt, dazu ist die Arbeit in der heißen Backstube für ihn einfach zu anstrengend. 


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Yildiray Aydin - "Backlava Hausfrauenart"
von BR-interkulturell

Zum Fastenbrechen werden oft viele Freunde und die ganze Familie eingeladen. Da darf es an nichts fehlen. „Unsere Kunden kaufen in Massen ein“, erzählt Aydin, und „so ist Ramadan schon immer der umsatzstärkste Monat für uns.“ Nur die reichverzierten Hochzeitstorten, die das Schaufenster schmücken, laufen nicht ganz so gut während des Ramadan. Denn während der Fastenzeit wollen natürlich die wenigsten Hochzeitspärchen heiraten.   




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Ein Segen für Deutschland. Die erste bundesweite Ramadan-Hilfsaktion der Muslimischen Jugend.  

Von: Roswitha Buchner am 2.7.2015

Der Ramadan gilt für Muslime auch als die Zeit, in der man seinen Taten ganz besondere Aufmerksamkeit schenken sollte. In den Hadithen, den prophetischen Überlieferungen Mohammeds heißt es etwa: „Jede seiner Taten belohnen wir dem Menschen mehrfach. Eine gute Tat wird zehn- bis siebenhundertfach belohnt.” 

Die Muslimische Jugend in Deutschland e.V.  (MJD) startete im Ramadan 2015 das Projekt “Ramadan - Segen für Deutschland”.  

Ramadan-Hilfsaktion
von BR-interkulturell

Unter dem Motto “1 Monat, 1 Land, 1 Ziel.“ unterstützen junge Muslime in ganz Deutschland jeden Tag ein gemeinnütziges Projekt, um den Segen des muslimischen Monats der Monate für ihre Mitmenschen sichtbar zu machen. 

Aktionstag für Flüchtlinge in Bielefeld. Quelle: MJD.
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Willkommensfeier für Flüchtlinge in Schwerte. Quelle: MJD.
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Ramadan 2015: Die Muslimische Jugend feiert mit Flüchtlingen in Schwerte ihre Ankunft in Deutschland. Quelle: MJD.
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Waffeln backen in Dortmund. Quelle: MJD.
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Waffeln backen in einem Dortmunder Seniorenheim. Quelle: MJD.
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Essenspakete für Bedürftige in Köln. Quelle: MJD.
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Hamburg: Vorbereitung von Essenspaketen. Quelle: MJD.
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Hamburg: Die Pakete können verteilt werden. Quelle: MJD.
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Spieleabend in Bielefeld. Quelle: MJD.
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Quelle: MJD.
von BR-interkulturell
 
 

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Vieles hat es inzwischen schon gegeben: Kinderfeste in Flüchtlingsheimen, Spieleabende in Behinderten- und Seniorenheimen oder das Verteilen von Essenspenden für Obdachlose. Weitere Aktionen in vielen Städten Deutschlands sind geplant. Mitmachen könne jeder, egal ob Einzelperson, Jugendgruppe, Moscheegemeinde, Sportclub oder Hochschulvereinigung. Der Fantasie seien dabei keine Grenzen gesetzt.

Wir danken der MJD für die Bilder von den jüngsten Aktionen des Projekts, das im nächsten Jahr fortgesetzt werden soll. 

https://www.facebook.com/ramadansegen



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Fußball im Ramadan - ein Besuch beim Landesligisten Dergahspor in Nürnberg

Von: Sammy Khamis am 1.7.2015

Den ganzen Tag arbeiten, den ganzen Tag nichts essen und trinken – und am Abend dann zwei Stunden Fußballtraining. Wer den Ramadan macht, der hat es als Sportler nicht leicht. 

Ein bisschen fühlen sich Mustafa und Mehmet schon auch wie die ganz großen im Fußball, die während der WM 2014 in Brasilien vor einem gewissen Konflikt standendenn der Ramadan fiel damals genau mit dem Turnier in Brasilien zusammen. Aber um sich wirklich auszupowern, muss man kein Weltstar sein – auch in der bayerischen Landesliga ist das Training anstrengend. 

Mustafa in Aktion
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Vor allem in der Saisonvorbereitung und vor allem dann, wenn man sich entschieden hat, wirklich zu fasten: dreimal die Woche Training, plus ein Freundschaftsspiel, schnauft Mustafa, der nach 32 Sprints zwar sein T-Shirt durchgeschwitzt hat, aber nichts trinken darf. Es ist ja Ramadan. Vier Einsätze pro Woche, das ist das Pensum von Dergahspor, einem Nürnberger Fußballverein, gegründet 1981 von Gastarbeitern, heute von den Kindern und Enkeln der ersten Einwanderergeneration weitergeführt. 

Training bei Dergahspor
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Von den gut 20 Spielern im Team von Dergahspor fasten vier. Vielen ist es zu anstrengend in der Saisonvorbereitung zu fasten – andere sind keine Muslime. Dergahspor ist ein internationaler Verein. Auch wenn die Sprache auf dem Platz Deutsch ist, die Spieler haben türkischen, bosnischen, kroatischen, russischen, amerikanischen oder ghanaischen Hintergrund.

Merken Mustafa und Mehmet den Leistungsabfall? Nicht im Spiel. Da spüre er nach 15 Minuten sowieso nichts mehr, meint Mehmet, und selbst wenn er mal in ein kleines Leistungsloch falle: das Team ziehe ihn da wieder raus.




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Netzwerken und Feiern. Ramadan-Treffen von Zahnräder e.V. 

Von: Roswitha Buchner am 30.6.2015

Am Sonntag trafen sich insgesamt 50 junge Erwachsene zum gemeinsamen Essen und Feiern nach Sonnenuntergang. Geladen hatte das Netzwerk Zahnräder e.V., das jungen Muslimen helfen will, durch gegenseitigen Austausch berufliche Startup-Ideen mit sozialem Mehrwert zu verwirklichen.

Nadira, Team Zahnräder e.V. Bayern
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Aus vielen Teilen Bayerns, wie Augsburg, Rosenheim oder Memmingen, waren die jungen Social Entrepreneurs angereist. Innovative Ideen gab es auch hier genug, ob es nun um das Thema einer muslimischen "Dating Line" oder um zinslose Wohngenossenschaften ging.

Netzwerken und Feiern - Ramadantreffen von Zahnräder e.V. 
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Orientalistik-Studentin Nadira, Team Zahnräder e.V. München 
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Grillvorbereitungen - es glüht bereits und das Wetter stimmt...
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Ruf zum Gebet
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Beim gemeinsamen Iftar im Garten des Spiel- und Begegnungszentrums am Hart wurde in lockerer Picknickatmosphäre gefeiert. Gegen 1:00 Uhr verabschiedeten sich die letzten Gäste. Schlafen wollten manche aber gar nicht mehr. Lohne sich nicht, so die Aussage, da man ja bereits um 2:30 Uhr mit dem Suhur, dem Vorfastenfrühstück beginne. 

 


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Selbst im Monat des Friedens: der IS und der Ramadan 

Der Ramadan ist ein Monat des Friedens, unter Muslimen und unter allen Menschen. Diesen Frieden kündigt der selbsternannte "Islamische Staat" mit einem blutigen Wochenende nun auf. Ein Kommentar.

Von: Sammy Khamis am 29.6.2015

Der IS gibt sich religiös und zugleich ist es die wohl unheiligste Armee, die zurzeit im Namen Gottes mordet. Und das auch im Ramadan, dem Monat, in dem Muslime die Waffen schweigen lassen sollten. Der IS hat bereits angekündigt, sich nicht an den „Waffenstillstand“ im Ramadan zu halten. Ihre Drohung haben sie nun umgesetzt. In Tunesien, aber auch in der umkämpften kurdischen Stadt Kobane. 


Ihr Kampf gegen "Ungläubige" kennt keine Pause, auch nicht während des heiligen Monats der Muslime in diesem Jahr. Ungläubige, das sind für den IS nicht nur alle Menschen, die nicht der Sunna folgen (also Sunniten sind), sondern pauschal jeder, der sich nicht dem IS anschließt: Kurden, Yeziden, Christen, Atheisten oder Schiiten.


Aber der IS ist nicht die einzige Kraft im Nahen Osten, die sich nicht um den Ramadan und das Friedensverständnis im Islam schert: Syriens Machthaber Bashar al-Assad, der innerhalb Syriens immer noch für die meisten Todesopfer verantwortlich ist, hat in den letzten gut vier Jahren jeden Ramadan ignoriert. Und auch die erste Offensive gegen den ehemaligen libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi fiel in den Fastenmonat Ramadan. 2011 setzten sich Rebellen wie Regierungstruppen darüber hinweg.


Als 2013 in Ägypten die Muslimbrüder entmachtet wurden, errichteten sie Camps in ganz Kairo. Erst nach dem Ramadan ließ sie der frühere Militärchef und jetzige Machthaber Abdel Fattah al-Sisi räumen. An einem Tag starben so fast 1000 Menschen.


Dass sich Armeen und Kämpfer über das Einverständnis an Ramadan keinen Krieg zu führen hinwegsetzten, erstaunt und erzürnt viele. Aber es zeigt nur, wie verfahren die Situation im Nahen Osten ist – und wie wenig die Kriegsparteien wirklich mit Religion zu tun haben.

Aktualisiert am 30.6.2015


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Mitmachen aus Solidarität: gemeinsam Fasten im ''Joko''  

Von: Anja Seiler am 28.6.2015

Ich stellte bereits zwei muslimische Studierende aus dem Münchner Johanneskolleg (Joko) vor. In diesem gibt es auch Aufrufe zum Solidaritätsfasten. Ich traf die ecuadorianische Christin Isabel. Sie hat schon öfters mitgemacht -  auch dieses Jahr wieder:

Isabel - andere Sicht auf Probleme
von BR-interkulturell


Immer klappt es nicht, verrät sie uns:

Isabel - wenn man von der Uni kommt...
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Iftar-Menü im Münchner Bahnhofsviertel 

Von: Roswitha Buchner am 27.6.2015


von BR-interkulturell

Video: Peter Allgaier


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Bewährungsprobe für Familien: Mit Kindern den Ramadan meistern

Von: Roswitha Buchner am 26.6.2015

Der Ramadan wird für viele Familien, vor allem wenn er in die Sommermonate und in die reguläre Schulzeit fällt, zur Multi-Tasking-Bewährungsprobe. Besonders auch für die Eltern: Die Kinder, die ja miterleben, mit welchem Aufwand hier Weihnachten oder Ostern begangen werden, haben natürlich zu Ramadan ihre speziellen Erwartungen.

Eines der wichtigsten Gebote im Ramadan ist, trotz des Fastens, mild und gütig zu bleiben - gerade auch den Kindern gegenüber. Nicht immer einfach in einer Zeit, die geprägt ist von Terminen, Hektik, beruflichem und schulischem Leistungsdruck. Ein Anlass, sich einmal im Netz umzusehen - was gibt es eigentlich an Angeboten für junge muslimische Eltern, die ihnen helfen, die Werte des Monats näherzubringen? 

Die Familienplattform grünebanane.de bietet ein Ramadanspezial mit Bastelanleitungen für Fensterschmuck, Girlanden, spezielle Grußkarten zum Ramadan, Monduhren, Ramadanspardosen oder  einen Gute-Taten-Pass. Auch  ein Ramadan-Paket für Bedürftige kann man selbst basteln und befüllen. Dazu gibt es noch eine kleine Vorlesegeschichte passend zum Thema und weitere kindgerechte Erklärungen zur Bedeutung des Fastens, der Gebete oder des Iftar-Mahls. 

Iman Othmane, die in Bayern geborene Tochter einer Tunesierin und eines Palästinensers erfand einen besonderen Ramadankalender, ein Aktivitätenspiel namens „Mein wunderschöner Ramadan", zu finden unter http://www.l-iman.com

Bastelspaß im Ramadan. 
von BR-interkulturell

Üblicherweise ähnelt der Ramadankalender stark dem christlichen Adventskalender, jedenfalls optisch und praktisch. Zum Fastenbrechen nach Sonnenuntergang dürfen die Kinder ein Türchen oder Beutelchen öffnen, worin sich Süßigkeiten oder auch ein wenig Taschengeld befinden. Auch Fragen oder Gebete zum Ramadan sind darin enthalten. Iman erzählt, was es mit ihrem Kalender auf sich hat:  

Iman Othmane
von BR-interkulturell


Weitere solcher Ideen sind Rezepte für eine Ramadan-Suppe und Hilal-Kekse, Bastelanleitungen für Gebetsketten, Spendenboxen oder Ramadan-Laternen, die sogenannten Fanoos: Dinge, die Iman auch in Deutschland nicht missen möchte... 

Iman Othmane
von BR-interkulturell



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Jungs in Aubing: Kochdienst zum Fastenbrechen 

Von: Sammy Khamis am 25.6.2015

Im Flüchtlingswohnheim im Westen von München sind elf junge Männer untergebracht. Sie kommen aus Mali, Somalia, Bangladesch und Syrien. Alle sind als unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland gekommen und (fast) alle machen den Ramadan. Und es ist fast erstaunlich, wie gut sich die Jungs selbst organisieren. Heute hat Lamin, 18 aus Mali, Kochdienst. Irgendwas zwischen aufgedreht und ausgelaugt nach einem Tag Fasten beschreibt seine Stimmung.

Jungs in Aubing
von BR-interkulturell

Alle Jungs in Aubing haben den Tag über Schule und Hausaufgaben. Lamin macht dazu noch viel Sport. Irgendwie muss er ja die Stunden bis Iftar rumkriegen. Heute geht das einfacher, immerhin kocht er für die ganze Einrichtung.

Lamin - vorbei mit Chicken Wings
von BR-interkulturell


Auch wenn Lamin genug Essen für drei Fußballmannschaften kocht (Hühnchen, Salat, Pommes, Nudeln, Brot, Datteln, Orangen, Wassermelone), feiern die Syrer unter sich. Fünf junge Flüchtlinge aus Syrien wohnen in dem Mehrfamilienhaus. Einer davon ist Hamze, den sie hier als Sternekoch verehren und auf den Arm nehmen. Aber alle lieben sein Essen.

Hamze aus Syrien
von BR-interkulturell


Auf den ersten Blick kann man sich denken: Komisch, dass syrische und afrikanische Flüchtlinge nicht gemeinsam das Fasten brechen. Aber Ramadan weckt in ihnen Heimatgefühle – die teilen sie am liebsten mit ihren eigenen Leuten. Und dann ist da noch das Essen selbst: Hamze isst gerne arabisch, die Jungs aus Somalia gerne ihr Essen. Macht ja auch Sinn. Aber spätestens zum Zuckerfest, also dem Ende des Ramadan, essen dann alle gemeinsam: Dann wollen alle Jungs drei Tage lang im Garten grillen.



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Eine zweite Heimat - Ramadan im katholischen Studentenwohnheim 

Von: Anja Seiler am 24.6.2015

Was machen eigentlich junge gläubige Muslime, wenn sie weit entfernt von ihrer Heimat ihren heiligen Monat verbringen? Wie ergeht es ihnen dann? Auch im Münchner Johannes-Kolleg begehen Muslime den Ramadan. Im katholischen Studentenwohnheim wohnen Muslime, Buddhisten, Hinduisten, Juden und Christen unter einem Dach. 70 Prozent der Studenten kommen aus dem Ausland. 

Neira ist aus Bosnien, sie lebt seit sechs Jahren in Deutschland. Die 25-Jährige erklärt, warum sie fastet.

Neira - Warum ich faste
von BR-interkulturell

Das Fasten – ist es nur eine religiöse Pflicht? Oder steckt mehr dahinter? Für Neira ist die Antwort eindeutig. 

Neira - "Ich sehe den Nutzen"
von BR-interkulturell

Für viele ausländische Studenten ist das Johannes-Kolleg zu einer zweiten Heimat, einer Art Ersatzfamilie geworden. Das erleichtert auch das Leben der Muslime während des Ramadan dort, erklärt Omar aus dem Jemen.

Omar - "Bei uns zuhause fastet die ganze Familie"
von BR-interkulturell

Die Bewohner des „Jokos“ – wie die Studenten das Johannes-Kolleg nennen - reden nicht nur über interreligiöse und interkulturelle Verständigung, sondern sie leben sie und unterstützen sich gegenseitig, so auch im Ramadan.

Neira - Ramadan im Joko
von BR-interkulturell

Studieren und Fasten? Den ganzen Tag kein Wasser trinken? Für viele Menschen wohl unvorstellbar. Der 25-jährige Omar sieht das eher pragmatisch. Sein Körper gewöhnt sich schnell an die Enthaltsamkeit, sagt er.

Omar - Vorrat in der Nacht
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Der Glaube an die multikulturelle Gesellschaft: Kazim Erdoğans Neukölln   

Von: Michael Olmer am 23.6.2015    

Kazim Erdoğan in Neukölln
von BR-interkulturell


Es hätte alles anders kommen können, als Kazim Erdoğan nach Berlin kam, um an der Freien Universität Psychologie zu studieren. Einmal gleich nach der Ankunft im Jahr 1974 und auch fünf Jahre später, als ihm besonders eine Behörde Probleme bereitete.

von BR-interkulturell

Nach bald 42 Jahren sei eine Rückkehr für ihn komplett ausgeschlossen, erzählt Erdoğan mit einem Selbsthumor, dem die vergangenen vier Jahrzehnte Einwanderungspolitik der BRD buchstäblich ins Gesicht geschrieben scheinen. Ein Schlüsselerlebnis aber war für den Mitarbeiter des Neuköllner Jugendamtes die Trennung von seinen Eltern im Alter von sechs Jahren:  

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Kazim Erdoğans Eltern, erzählt er, hatten ihn nicht religiös erzogen. Der Ramadan spielt für ihn persönlich auch ansonsten keine Rolle. Abgesehen davon, dass seine Familie alevitischer Herkunft und somit mit anderen Fastenzeiten als den Ramadan vertraut ist, sei Religion für ihn so lange zu respektieren, wie sie zur Solidarität beitrage und er selbst sich nicht dafür rechtfertigen müsse, keinen Glauben zu praktizieren. 

Seit 2003 engagiert sich Erdoğan im Verein Aufbruch Neukölln e.V., wo er die erste türkische Vätergruppe Deutschlands initiierte. Inzwischen sind es sechs solcher Initiativen in Berlin, nebst weiterer ehrenamtlicher Projekte. 

Woran Erdoğan glaubt: an eine multikulturelle Gesellschaft, die für ihn ein Zustand von mehr Partizipation und Kommunikation ist, der so noch nicht erreicht wurde. "Sie wird entstehen, ich habe die Hoffnung nicht aufgegeben."       

Gleich ab 23:15 Uhr im Bayerischen Fernsehen, der Film "Halbmondwahrheiten" über Kazim Erdoğans Vätergruppe im Verein Aufbruch Neukölln e.V.   



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Schickt uns eure Gedanken, Erlebnisse, Fragen zum Ramadan

Von: Gülseren Ölcüm am 22.6.2015


von BR-interkulturell



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Mehr als Fasten - Was der Ramadan in sich trägt 

Von: Roswitha Buchner am 21.6.2015

Die ersten Tage sind die schwersten - hört man immer wieder von gläubigen Muslimen, wenn es um das Thema Fasten im Ramadan geht. Danach, wenn sich der Körper einmal umgestellt habe, sei alles viel einfacher. Aber was kann der Reiz sein, das einen ganzen Monat lang mitzumachen? Ist es bloße religiöse Pflichterfüllung oder steckt mehr dahinter? 

Aykan Inan, DITIB Südbayern
von BR-interkulturell

Wir sprachen mit Aykan Inan, Politikwissenschaftler und Landesbeauftragter für interreligiöse Angelegenheiten der Türkisch-Islamischen Union (DITIB) in Südbayern. Er erklärte uns einzelne Hintergründe, warum das Fasten gläubiger Muslime im Ramadan kein Selbstzweck ist und vor allem der soziale Aspekt des Teilens im Vordergrund stehe: 

Aykan Inan
von BR-interkulturell



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Interview mit dem Regisseur Dirk Schäfer ("Der heiße Monat - Ramadan in Bayern")

Dirk Schäfer, Filmemacher ("Der heiße Monat - Ramadan in Bayern")
von BR-interkulturell

Dem Film merkt man Ihre persönliche Faszination für den Ramadan an. Wie erklärt sich diese für Sie?

Dirk Schäfer: Ich finde faszinierend, dass man Alltagsgewohnheiten für die Dauer eines Monats aufgibt und stattdessen andere, vertraute Rituale wiederkehren. Und das erlebt man nicht nur individuell, sondern als Teil einer großen Gemeinschaft. Das fordert die Sinne heraus, z.B. wenn die Nacht zum Tag gemacht wird. Außerdem steigt das Bedürfnis, anderen Menschen emotional näher zu sein. Und es macht schön. Von innen. Einige Freunde von mir, die sich an die Regeln des Ramadan halten, gewinnen tatsächlich an Schönheit.

Wie gehen Sie selbst mit diesem Ausnahmezustand während des Ramadan in der Türkei um, den Sie so schillernd beschreiben? Sie betonen im Film, dass Sie selbst katholisch erzogen wurden. Haben Sie eine Art Strategie entwickelt, um in dieser Zeit als Nichtmuslim gewissermaßen über die Runden zu kommen?

Dirk Schäfer: Ja, habe ich. Man sollte aber zunächst daran erinnern, dass es in der Türkei nach wie vor eine freie Entscheidung ist, den Ramadan zu praktizieren. Der Konsens jedoch ist klar: Fasten ist Pflicht. Je nachdem, wo man sich in der Türkei befindet, wird man den Ramadan unterschiedlich stark wahrnehmen. In Großstädten wie Istanbul oder Ankara z.B. gibt es säkular geprägte Stadtteile, in denen man tagsüber Menschen beim Essen und Trinken sieht. Das ist auf dem Land oder in den meisten Städten Ostanatoliens undenkbar. Aber auch dort kann man mittags essen gehen, z.B. in den oberen Stockwerken der Hotels, wo man von der Straße aus nicht gesehen wird. Ich selbst esse oder trinke grundsätzlich während des Ramadan tagsüber nicht in der Öffentlichkeit. Und abends warte ich wie die Muslime auf den Sonnenuntergang. Da ich nicht rauche, so gut wie keinen Alkohol trinke und ohne Probleme eine Weile sexuell abstinent leben kann, erlaube ich mir dann auch, das Fastenbrechen inmitten meines muslimischen Umfelds zu genießen.

Ihr neuer Film aber handelt vom Ramadan in Bayern. Das Kruzifix hat in diesem eine fast schon epische Funktion. Sie beschreiben eine Kindheitserinnerung, wie Sie beim Landspaziergang mit Ihrer Mutter immer wieder dem hängenden Jesu am Wegkreuz begegneten. Was war Ihre Motivation, in einem Film über den Ramadan am Anfang und am Ende dieser Kindheitserinnerung Raum zu geben? 

Dirk Schäfer: Von Dokumentarfilmen wird in der Regel erwartet, dass sie möglichst objektiv sind. Aber es gibt in diesem Genre auch Erzählformen, die subjektiv gefärbt sein dürfen und diesen Mangel an Objektivität thematisieren. Das ist auch meine Herangehensweise. Die Jesus-Geschichte hat viel mit meiner eigenen Erfahrung von Religion zu tun. Für mich hat sie eine mythologische Dimension, eine irrationale Botschaft, bei der es um die Erkenntnis geht, dass wir Menschen zu Empathie fähig sind. In meinen Filmen spielt Empathie eine große Rolle. Nicht nur vor der Kamera. Meine künstlerischen Mitarbeiter bei diesem Film, Sabine Ohle und Knut Schmitz, sind zutiefst mitfühlende Menschen. Wenn man so will, habe ich die Christusfigur wie eine Brücke, wie ein Scharnier, zwischen mich und die Welt des Islam gerückt, in der auch Jesus als Prophet dazugehört.

Heute, am dritten Tag des Ramadan, wird außerdem international der Weltflüchtlingstag begangen. Zwei Ihrer Protagonisten kamen selbst als Flüchtlinge nach Bayern. Die Schülerin Afaf kam mit ihrer Familie aus Syrien und hat mit ihren 13 Jahren bereits eine unglaubliche Geschichte hinter sich. Laut einem aktuellen Amnesty-Bericht habe die Weltgemeinschaft noch nicht einmal die historische Tragweite der ganzen Situation verstanden. Wie lautet Ihre persönliche Einschätzung zur Situation dieser Familien, die in Europa Zuflucht suchen? 

Dirk Schäfer: Das ist ein großes, komplexes Thema. Ich will nur den Aspekt der Ungerechtigkeit hervorheben. Es herrscht extreme Ungerechtigkeit und Ungleichheit in der Welt. Ich habe das Glück, mit meiner Kunst, mit meinen Filmen, darauf reagieren zu können. Deshalb schreibe ich gerade an einem halbdokumentarischen Spielfilm, in dem sich Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan selbst verkörpern. 

Fragen: Michael Olmer am 20.6.2015

TV-Premiere: "Der heiße Monat - Ramadan in Bayern" wird heute ab 22:10 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt. 



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Trommel oder Wecker? 

Eine alte Tradition und mein kostbares Ramadan-Geschenk   

Von: Roswitha Buchner am 19.6.2015

Als ich in Istanbul studierte, wurde ich jede Nacht während des Fastenmonats vom „Ramazan davulcusu“ , dem Ramadan-Trommler unsanft aus dem Schlaf gerissen. Mit lautem Getrommel zog er durch die Straßen unseres Viertels, um die Menschen im Morgengrauen zum „Suhur“, der letzten Mahlzeit vor Sonnenaufgang zu wecken. Am Ende des Fastenmonats entlohnten ihn die Gläubigen für seine Dienste mit einem kleinen Trinkgeld.

Diese alte Tradition aus osmanischer Zeit gehört für viele Menschen in der Türkei zu den wichtigsten Kennzeichen des Fastenmonats. Die Trommler, die früher angesehene Leute waren, gaben ihr Können vom Vater an den Sohn weiter. So stammten die Trommler stets aus der gleichen Familie. Heutzutage geht diese alte Tradition in der Türkei immer mehr verloren. Einigen ist diese Methode mittlerweile zu antiquiert. Sie empfinden das laute Trommeln als unangenehm und halten es schlicht für unnötig (http://www.youtube.com/watch?v=OMu5PpckrwU).

Viele bevorzugen mittlerweile eine Ramadan-App auf ihrem Smartphone. Aber es gibt da noch etwas: einen speziellen Ramadan-Wecker, ein technisch ausgeklügeltes Gerät, zumeist in Form einer Moschee mit unglaublich vielen Funktionen. 

So kann man etwa zwischen zwei Gebetskalendern wählen, die Gebetszeiten dem Land und der Stadt anpassen, in der man lebt und sich aus 8 verschiedenen Muezzinrufen den aussuchen, von dem man am liebsten ans Gebet erinnert werden will. 

Und: Mit der zusätzlichen Ramadan-Funktion kann man sich zum Frühstück vor Sonnenaufgang auch mit Trommeln wecken lassen. Ein Grund, warum mir ein türkischer Freund diesen Wecker kürzlich geschenkt hat. Er sollte mich an Istanbul erinnern. Das neueste Modell zeigt allerdings keine Moschee in der türkischen Metropole, sondern die neue Zentralmoschee in Köln. Ist ja vor allem auch für Muslime in Deutschland gedacht…


Rosis Ramadan-Wecker
von BR-interkulturell

In der Türkei gibt es mittlerweile Kurse, die die alte Tradition des Ramadan-Trommlers wieder attraktiver machen sollen, denn es fehlt an Nachwuchs. Die Gemeinde Beylikdüzü in Istanbul hat für diesen Zweck einen ganzen Wettbewerb ausgerufen.

Man kann es halten wie man will. Ich jedenfalls fände es schade, wenn der alte Brauch des Ramadan-Trommlers, des „Ramazan davulcusu“, ganz verloren ginge. Denn wenn ich als Nichtmuslimin auch nicht faste, gehört der Trommler irgendwie auch für mich zum Ramadan - genauso wie mein neuer Wecker. 



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Unterhaltung ist alles - Ramadan im arabischen TV

Von: Sammy Khamis am 18.6.2015

Ramadan ist der heilige Monat der Muslime, soweit so einfach. Aber Ramadan ist auch der Monat im Jahr, an dem sehr viele meiner ägyptischen Freunde und Verwandten sehr viel vor der Glotze sitzen.

Das hat zwei Gr��nde: Zum einen gibt es viele Gelehrte und Gläubige, die Fragen rund um den Ramadan beantworten (Darf ich Kaugummi kauen? Ist es erlaubt meine Frau zu küssen? etc). Fragen über Fragen auch im Nahen Osten (ja, man darf seine Frau küssen, aber erst nach Sonnenuntergang. Kaugummi ist erlaubt, zumindest bei vielen Gelehrten, Hauptsache er hat nicht allzuviel Eigengeschmack).

Hier ein Video auf Englisch. Darin spricht der indische Wahabit Zakir Naik über Küssen und Sex im Ramadan. Es gibt zahlreiche solcher Anleitungen über das Verhalten während des Ramadan. Auf Türkisch, Englisch, Arabisch etc. Aber eigentlich geht es im Fernsehen während Ramadans um etwas ganz anderes: Unterhaltung (https://www.youtube.com/watch?v=AnEm4aTF3Mo).

Das ist der Trailer zur siebten Staffel der syrischen Soap "Bab al Hara", einem Historiendrama aus Damaskus unter französischer Besatzung. Jedes Jahr zu Ramadan läuft sie für vier Wochen, dann ist wieder ein Jahr Pause.

Ramadan ist auch deshalb ein ruhiger Monat, weil sehr viele Leute sehr viele Stunden einfach zu Hause auf der Couch verbringen. Für Fernsehmacher sind die Monate zuvor deshalb relativ anstrengend. Denn die Ramadan-Soaps sind extrem beliebt.

Die meisten Produktionen kommen aus Ägypten und sind oft platt und langweilig. Doch dieses Jahr birgt eine Sendung aus Ägypten viel Sprengkraft. "Haret al-Yahoud" heißt sie, zu Deutsch "Das jüdische Viertel" und thematisiert das mittlerweile fast verstorbene jüdische Leben am Nil.

Die Sendungen werden im ganzen Nahen Osten geguckt, von Gaza bis an den Gold, von Marokko bis in den Irak. Und das Gute dabei ist: Sie laufen nach dem Fastenbrechen, man kann also Chips dazu essen.



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Sichtung heißt nicht immer Sichtbarkeit: Der Abend der Mondsichel 

Von: Michael Olmer am 17.6.2015

Tag ist nicht gleich Tag. Schon gar nicht, wenn man es einmal mit dem Sonnen- und einmal mit dem nach Mondphasen gerichteten Kalendermodell zu tun hat. Dieses gilt im Islam und für den Ramadan. Aus dem Blickwinkel des gregorianischen Kalenders rückt der ganze Monat Ramadan ein jedes Jahr um etwa 11 Tage nach vorne. Peter Stättmayer, der Leiter der Münchner Volkssternwarte, erläutert den ganz natürlichen Weg des Mondes:

Peter Stättmayer (Münchner Volkssternwarte) und der Lauf des Mondes
von BR-interkulturell

Am 16. Juni war Neumond, weltweit und unabhängig vom Standort. Standortabhängig ist allerdings die Frage, wann und ob die hauchdünne Sichel, als welche der neue Mond aus seiner verdeckten Position heraustritt, auch für das menschliche Auge sichtbar ist...

Peter Stättmayer (Münchner Volkssternwarte) und der unsichtbare Neumond
von BR-interkulturell


Das Erscheinen der jungen Mondsichel, auf Arabisch "Hilal", steht für den Anfang des neuen Monats im islamischen Kalender und so auch des Ramadan - also für nichts Geringeres als die Frage, ob gläubige Muslime heute für die nächsten vier Wochen ihren letzten Morgenkaffee zu sich nehmen konnten. 

Stättmayer führte uns am Rechner vor, welche Chancen nach seiner Kenntnis am heutigen Abend für eine lokale Sichtung des Hilal mit dem bloßen Auge in Bayern bestünden:

Peter Stättmayer (Leiter Volkssternwarte München) und die Hilal-Sichtung 2015
von BR-interkulturell

Seit 2008 haben sich die größten muslimischen Verbände in Deutschland für ihre Datierung des 1. Fastentages im Ramadan auf das ortsneutrale Prinzip des frühestmöglichen Hilal-Ereignisses geeinigt. Es ist astronomisch berechenbar und nicht mehr vom geographischen Standpunkt abhängig. Im Prinzip ist es das, was uns Peter Stättmayer in seiner Münchner Volkssternwarte vorführte. Sichtung heißt eben nicht immer Sichtbarkeit.

Heute Abend wird in den Moscheen das Vorabend-Gebet des Ramadan begangen. Zurecht, denn im Lauf des Tages wurde die junge Mondsichel schon in vielen Teilen der Erde entdeckt. 



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Fünf Gründe, warum der Ramadan kein Monat wie jeder andere ist 

Von: Michael Olmer am 16.6.2015

Der "heiße Monat'' (so die wörtliche Bedeutung des Ramadan) hat offensichtlich einen unvergleichlichen Status im islamischen Kalender. Hier einmal fünf Gründe:

1. Obwohl "heißer Monat", kann der Ramadan auch in den Winter und in jede beliebige Jahreszeit fallen. Er kann am Anfang, in der Mitte oder erst gegen Ende eines Monats im gregorianischen Kalender beginnen: der Ramadan folgt allein der Sichel des neuen Mondes. Warum also der heiße Monat? Der Ramadan steht auch für eine Art innere Hitze, durch die während des Fastenmonats diverse Fehltaten des Menschen gewissermaßen 'verglühen'.  


Schon Überlegungen über den Beginn des Ramadan erfordern streng genommen Forschungen, die wohl auch die zeitlichen Kapazitäten gewöhnlicher Muslime weit überstrapazieren dürften.


Umso besser, dass sich die zentralen islamischen Verbände Deutschlands auf einen einheitlichen Kalender einigten. Fest steht nach diesem: der Vorabend des Ramadan-Fastens in Deutschland ist der Abend des 17. Juni 2015, der Tag der weltweit frühestmöglichen Sichtung der Sichel des neuen Mondes, die den Monat nach islamischem Mondkalender einläutet. Kurz vor Morgengrauen am 18. Juni beginnt dann in vielen Teilen der Erde das eigentliche Fasten. Praktizierende Muslime werden selbst auf den Kaffee am Morgen verzichten - denn das Fasten beinhaltet nicht nur Speisen, sondern auch Getränke jeder Art. 

3. Lailat al-Qadre: Die ''Nacht der Bestimmung'' im letzten Drittel des Ramadan macht diesen erst zu dem, was er ist. Sie gilt im Islam als die Nacht der Offenbarung des Koran sowie als die Nacht einer möglichen Vergebung der Sünden. Gemäß einer Koran-Sure ist sie schon allein „besser ist als tausend Monate“.

4. Das Versäumnis. Muslimisch, gläubig - aber das Fasten mal verpasst? Kein Drama, denn das versäumte Fasten lässt sich grundsätzlich auch nachholen.

Es gibt allerdings feine Unterschiede, besonders zwischen dem unfreiwilligen und dem vorsätzlichen Versäumnis, wobei Letztgenanntes im Zweifel mit weitaus mehr Nachsitzen verbunden ist. Das Versäumnis scheint eine ganze Wissenschaft zu beinhalten. Aber zu dieser sicher später einmal mehr.

5. Der Marathon zum Fest. Als ''Marathon'' wird der Ramadan besonders gern umschrieben. In der Tat: wer dieses Fasten zur Tageszeit einen ganzen Monat lang durchhalten möchte, muss zumindest irgendwann einmal trainiert haben, einen gewissen Rhythmus finden, immer wieder Kräfte sammeln, um schließlich ans Ziel zu gelangen.

Dieses Ziel ist eben das Fest des Fastenbrechens. Es beginnt, wenn sich der Mond des neunten Monats verabschiedet hat und der eigentliche Monat Ramadan vorüber ist. 



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Was gefällt dir am Ramadan?

Von: Gülseren Ölcüm am 15.6.2015 

Der Ramadan ist für viele ein besonderer Monat. Für @benbulat ist er es vor allem aus diesem Grund: 





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