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Tägliche Schikane - Mobbing in der Schule

Es kann jeden treffen: Heute noch normaler Schulalltag, morgen Opfer von Mobbing. Ausgrenzung, Hänseleien, blöde Sprüche, heftige Übergriffe sind an der Tagesordnung. Wie entsteht Mobbing in einer Klasse - und was können Lehrer, Eltern und die Kinder selber dagegen tun? Im "Notizbuch" sprechen darüber Dr. Mechthild Schäfer, Privatdozentin am Department für Psychologie, Ludwig-Maximilians-Universität München und Simone Fleischmann, Direktorin der Anni-Pickert-Grund- und Mittelschule Poing. Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen und Fragen, im Experten-Chat bis 12 Uhr.

  • Vielen Dank für Ihre zahlreiche Beteiligung an unserem Experten-Chat!
  • @mutter: Mechthild Schäfer: welche Bedeutung hat es in diesem Fall, ob es sich um Mobbing oder um Unbeliebtsein handelt?
  • Ob wer einen Gewinn davon hat, kann ich leider nicht beurteilen.
  • @mutter: Mechthild Schäfer: Als Mobbing gilt proaktive Aggression gegen jemanden. Und meistens hat jemand in der Klasse (Strippenzieher/-in) einen Anerkennungsgewinn davon. Der Rest der Klasse macht, je länger es dauert, immer mehr mit. Hat im Fall Ihrer Tochter jemand einen wirkliche Gewinn, wenn Ihre an den Rand gedrängt wird?
  • Hätte noch gerne Ihre Einschätzung zu meinen anfänglichen Beitrag gehört. In dem Beitrag ging es um eine 14 jährige. Handelt es sich um Mobbing oder ist es Unbeliebtsein??
    Vielen Dank
  • Vielen Dank! Und danke nochmal für den guten Beitrag!
  • @Dr.Behrendt: Mechthild Schäfer: ein möglicher Weg könnte sein, dass Sie die Eltern motivieren, einen "runden Tisch" anzuregen. Dann wären Sie als Ärztin Expertin und könnnten durch objektive Informationen beitragen.
  • Einen Round Table anregen könnte man nach Schweigepflichtentbindung sicherlich, anbieten sicher nicht, wenn man sich den Praxisalltag und den Zeitdruck hier anschaut. Wäre auch glaube ich von der Perspektive nicht gut, da ich als Ärztin des "Opfers" ja eine ähnliche Fürsprecherrolle wie die Eltern hätte und daher zu wenig Objektivität. Gibt es keine unabhängigen Stellen oder Vereine, an die man sich hier wenden könnte?
  • @FranzAßbichler: Mechthild Schäfer: Wirklich ein schönes Beispiel von zivilcouragiertes Verhalten von Eltern und ein Beleg dafür, dass wenn sich sich viele zusammentun, man tatsächlich etwas verändern kann.
  • Meine ältere Tochter, inzwischen Erwachsen hatten ab der 3. Klasse Grundschule das Pech, eine Lehrerin zu haben, die ihre Autorität damit stützte, indem sie die Kinder mobbte (ihrer Meinung nach "witzig") und damit andere Kinder anregte, es ihr gleich zu tun. Damals war ich Klassenelternsprecher und wir hatten einen Elternstammtisch, bei dem sich 2/3 bis 3/4 der Eltern regelmäßig trafen. In dieser Zeit geschah es, dass sich kurz nacheinander junge Menschen von einer hohen Brücke in dieser Gegend stürzten. Wir besprachen das am Stammtisch und verfassten einen offenen Brief an die Schule, in dem wir, bezugnehmend auf die Suizide, die Lehrerschaft pauschal aufforderten, Kinder, die sich schützend vor einen gemobbten stellen, nicht wegen "Ruhestörung" zu bestrafen, sondern für ihre Zivilcourage zu loben, Damit erreichten wir, dass sich zwar nicht alles änderte, aber das Selbstvertrauen und der Zusammenhalt der Kinder gestärkt wurde. Es war für uns Eltern eine gute Erfahrung, was möglich ist, wenn man offen miteinander umgeht und dabei auch ein bisschen Glück hat, den richtigen Nerv zu treffen.
  • Danke für die Sendung! Danke für die Anerkennung für uns Opfer! Danke für ihre Arbeit!
  • @Veilchen: Simone Fleischmann: Der Schulwechsel sollte wirklich nur eine Alternative sein. Im Vorfeld sollten alle anderen Alternativen ausgelotet werden: in einem Round-Table mit allen Erwachsenen, die zur Klärung und Lösung beitragen können. Ein Systemwechsel ist nicht für jedes Kind geeignet. Manchmal ist DIE Lösung der Wahl, weil keine Interventionen Chancen auf Erfolg haben und das Kind die aktuelle Schule verweigert.
  • Wann wäre denn ein Schulwechsel angebracht? Kann das nicht auch eine gute Lösung sein?
  • @Dr.Behrendt: Simone Fleischmann: Helfen Sie dazu, dass Wegschauen nicht geht. Im bayerische Schulsystem stehen vielfältige und manchmal widersprüchliche Aufgaben an. Oftmals können Lehrerinnen und Lehrer nicht noch weitere Aufgaben übernehmen und fühlen sich allein gelassen. Helfen Sie dazu und unterstützen Sie die Schule, indem Sie ein Round-Table anbieten und zusammenhelfen Lösungen zu finden.
  • @MutterWaldorfschule: Mechthild Schäfer: Coaching von betroffenen Eltern können wir frühestens ab Anfang 2016 anbieten. Interessierte Lehrer können wir in besonderen Fällen schon in den Pilot dieses Ausbildungsstranges integrieren. Dann aber in großem Umfang. Wegen Vorträgen können Sie uns sehr gerne kontakten.
  • Erst einmal vielen Dank, dass Sie eine Sendung zu dem sehr brisanten und weitverbreiteten Thema gebracht haben. Ich selbst bin betroffene Mutter, mein Sohn geht in die Waldorfschule. Die großen Klassen und recht großen Freiheiten können leider auch Nährboden für Mobbing sein. Endlich haben wir es geschafft, dass das Thema (in unserer Klasse) ernst genommen wurde und schon haben sich die Eltern-Vertreter aller anderen Klassen gemeldet und ebenfalls Beratungsbedarf angemeldet. Das gibt Hoffnung. Nun möchten wir einen Arbeitskreis Gewaltprävention gründen, um Anlaufstelle zu sein und um die Komplexität des Mobbing besser verstehen zu können. Gibt es von den Expertinnen eine Idee, wen man sich als Helfer und Berater für den Einstieg holen könnte? Haben Sie an der LMU auch die Möglichkeit mit betroffenen Eltern zu arbeiten? Könnten wir Vorträge wahrnehmen bzw. Sie zu uns in die Schule einladen? Für Tipps wäre ich sehr dankbar - auch für brauchbare, praxisbezogene Lektüre.
  • @Dr.Behrendt: Simone Fleischmann: Helfen Sie dazu, dass Wegschauen nicht geht. Im bayerische Schulsystem stehen vielfältige und manchmal widersprüchliche Aufgaben an. Oftmals können Lehrerinnen und Lehrer nicht noch weitere Aufgaben übernehmen und fühlen sich allein gelassen.
  • @mutter: Mechthild Schäfer: Welche Klassenreaktion meinen Sie?
  • wie würden sie die u.a. Klassenreaktionen deuten. Ist das Mobbing oder Unbeliebtsein??? Ich hätte gerne dazu Genaueres. Wir sind ziemlich hilflos.
    von mutter bearbeitet von Notizbuch-Redakteur 4/24/2015 9:24:26 AM
  • Zu empfehlen ist in Sachen "neue Schule", zunächst zu sagen, dass das Kind bereits gemobbt worden ist. Aber zu fragen, wie die Schule mit Mobbing umgeht. Bei der Information "bei uns gibt es kein Mobbing", diese Schule meiden wie der Teufel das Weihwasser.
  • @Mutter: Simone Fleischmann: Die Schuldzuweisung an den einzelnen Lehrer hilft nicht weiter. Es tut mir persönlich leid, dass Sie dies mit Ihrer Tochter erleben mussten. Es gibt bestimmt immer Grenzsituationen, in denen die Schule nicht so reagiert, wie Sie sich das als Eltern wünschen bzw. wie es für die Kinder angebracht wäre. Systemische Wechsel helfen oft. Leider aber manchmal auch nicht. Eine neue Klasse, ein anderer Lehrer und ein anderes Schulsystem kann helfen, kann aber auch vom Kind so interpretiert werdenl, dass es eben das Opfer war und gehen musste. Der letzte Schritt ist der Schulwechsel, vorher sollten viele alternative Maßnahmen gemeinsam überlegt werden.
  • @MutterK.: Mechthild Schäfer: Kindeswohl steht immer an ERSTER Stelle! D.h.: wenn das Kind an dieser Schule nicht mehr sein kann, ist ein Schulwechsel immer zu empfehlen. Bedenken muss man, dass das Kind an einer neuen Schule in ein neues schon gefügtes Sozialsystem (Klasse) kommt und sich mit einer schwierigen Sozialerfahrung (Mobbing) seinen Platz finden muss. Das ist für jedes Kind eine extreme Herausforderung.
  • Vielen Dank für die tolle Sendung! Ich bin Kinder- und Jugendärztin und habe häufiger Patienten, die Mobbing ausgesetzt sind. Viele haben aber nicht so engagierte und versierte Schulleiter und Lehrer, die ihnen so zur Seite stehen würden und bereit sind auch diesen ganzen Aufwand zu betreiben und das ganze System zu analysieren. Nach meiner Erfahrung schauen viele Lehrer auch weg. Was kann man diesen betroffenen Jugendlichen und Familien raten, wenn sie vom System Schule allein gelassen werden?
  • Bin Mutter eines 14-jährigen, der gemobbt wird und mittlerweile vom Verhalten der stummen oder auch aktiven Mittäter so genervt und enttäuscht ist, dass er lieber die Schule wechseln möchte als in dieser Klasse zu bleiben. Raten Sie auch in einem solchen Fall von einem Schulwechsel ab? Auf was muß man in der neuen Schule achten?
    von Mutter K. bearbeitet von Notizbuch-Redakteur 4/24/2015 9:20:02 AM
  • Danke für Ihre Sendung und danke auch für die konsequente Position, dass Mobbing im System aufgedeckt und gelöst werden muss und alle Beteiligten sich an einen Tisch setzen sollten. Ich bin mit meinem Wunsch danach vor einigen Jahren vor verschlossenen Türen einer Schule gestanden, wurde schließlich sogar selber gemobbt. Ich hatte keine andere Wahl als meinen 12jährigevon der Schule zu nehmen und ihn in eine Schule zu geben, in der pädagogisch ausgebildetete und vorallem menschlich denkende Lehrer arbeiten.Fortan gab es keinerlei Problem mehr und mein Sohn ist ein sehr guter, beliebter und vorallem glücklicher Schüler Ich hoffe dass diese Sendung auch nochmal zu einer Zeit ausgestrahlt wird, in der bayerische Lehrer zuhören.
  • @mutter: Mechthild Schäfer: Unbeliebtsein ist in der Regel die Folge von Verhalten, was schwer mit den Regeln einer Gruppe kompatibel ist - sprich in einer Klasse nicht gut ankommt. Nicht jeder muss jeden mögen. Mobbing bedeutet gezielte Aggressionen gegen ein einzelnes Kind in der Klasse, von dem ein Kind Status gewinnt und die Klasse sich immer stärker hineinziehen läßt.
  • @GeorgSebastianPlinganser: Simone Fleischmann: Respekt verschaffen ist freilch eine zu verstehende Reaktion. Wenn diese Verhaltensweise aber mit Gewalt einhergeht, dann kann das kontraproduktiv sein. Gewalt ist bestimmt keine Lösung und führt zu wieterer Gewalt. Wie du mir, so ich dir, ist für das System Schule aus Lehrersicht keine Alternative.
  • bin mutter einer 14jährigen. Wo zieht man die Grenze zu Mobbing und unbeliebt sein??
    Meine Tochter sagt sie steht seit Monaten so ziemlich alleine da. Wenn sie was in der Klasse zu einer Schülerin sagt, bekommt sie nur ein Achselzucken oder gar keine Antwort Es wird auch über sie gelacht, auch wenn sie das mitbekommt. Die Zimmeraufteilung für SLH wurde bereits festgelegt. Sie hat kein einziger gefragt. Ihre sogenannten Freundinnen haben auch keinen Platz mehr. Sie möchte nun gar nicht mehr mitfahren
  • @AnjaKocher: Mechthild Schäfer: an der LMU München werden Kurse in Zukunft angeboten. Das soll auch als Fortbildungsangebot erweitert werden. Der nächste Kurs zum Umgang mit komplexen Systemen, wie bspw. Schulkassen, startet im September.
  • @LehrerA: Simone Fleischmann: Oh weh, ich verstehe. Im System Schule laufen alle Mechanismen, die auch sonst in der Gesellschaft auch zu finden sind. Helfen ist wichtig, aber leider nicht immer gegeben. In einem Kollegium herrscht oftmals auch Konkurrenz. Diese trägt, wie leider in Ihrem Fall, zu traurige Situationen. Ich kenne hier keinen "Förderkurs", der Lehrer hier "ausbildet". Ich wünsche Ihnen, dass Sie doch Hilfe und Ansprechpartner finden. Wenden Sie sich an Ihren Schulleiter, die Schulaufsicht oder den Personalrat, in der Hoffnung, dass Sie hier Unterstützung bekommen.
  • Ich bin im Bereich Soziale Arbeit an Schulen im Allgäu tätig und Mobbing ist in meiner Arbeit eines der zentralen Themen. Bin bereits länger auf der Suche nach Fortbildungen zu Mobbing / Intervention, um mit den Jugendlichen innerhalb der Kleingruppe intensiv und sinnvoll am Thema zu arbeiten.
    Kennen Sie empfehlenswerte Fortbildungsmöglichkeiten, die Werkzeug zum Arbeiten MIT Jugendlichen Tätern/Opfern mitgeben?
    Wäre dankbar um Adressen... Danke
  • @JürgenHain: Mechthild Schäfer: Das Initiieren einer Dienstaufsichtsbeschwerde sollte nie Rache sein. Es kann aber tatsächlich "gelebte Verantwortung" sein, wenn das gemobbte Kind gar nicht mehr auf der Schule ist und Eltern einen Beitrag leisten möchten, dass die Schule ihre Verpflichtung, Mobbing nicht zuzulassen, wahr nimmt. Dabei ist anwaltliche Unterstützung hilfreich, damit der Fall auch Gehör findet an den entsprechenden dafür zuständigen Stellen.
  • Zurückschlagen kann anders wie in der Sendung dargestellt sehr wirkungsvoll sein. Jedenfalls hatte ich Ruhe, als ich einem einen Kopf größeren einmal einen Faustschlag auf die Nase verpasst hatte.
  • Ich bin Lehrer und ich werde von meinen KollegenInnen ebenfalls gemobbt. Kein Vorgesetzter hilft. Auch als Lehrer breche ich zusammen, da meine Kolleginnen systematisch die Schüler gegen mich aufhetzen. Ich finde es übel, wenn Lehrer als diejenigen hingestellt werden, die eine Lösung bringen. Lehrer sind Täter und mobben andere Lehrer ebenfalls!!! Einen Kurs für Lehrer, damit sie ihre Kollegen noch effektiver mobben können ist eine ganz fürchterliche Idee!!!!
  • @GutenMorgen,einesehr...: Simone Fleischmann: Sie nehmen die Situation ernt. Sie sprechen mit Ihrem Kind und den Lehrern. Hilfe bekommen Sie dann, wenn Sie mit dem Thema "ernst" machen und dieses nicht tabuisieren. Schule, Lehrer, Schulsozialarbeiter, Beratungslehrer und Schulpsychologen können mit Ihnen die ersten Schritte gehen. Wenn wir gemeinsam nicht mehr weiter wissen, gibt es externe Profis. Gemeinsam schaffen wir das!
  • Was man da hört, gibt Eltern nur eine Möglichkeit. Strafanzeige gegen die Schule (Aufsichtspflicht) und Strafanzeige gegen Täter/ Täter-Eltern. Schüler, die in dieser Qualität moppen gehören von der Schule suspendiert und strafrechtlich verfolgt. Ob sie, liebe Lehrer 15/ 20 oder 30 Schüler in Ihrer Klasse verantworten, bei aller Liebe, dass Kinder Nervenzusammenbrüche bekommen, das geht gar nicht und da ist es mit "reden" vorbei. Da gehören Sofortmaßnahmen an den Tag gelegt. Wer sich hier als Lehrer und Direktor auf die Menge der Schüler herausredet, der wird zum Mittäter durch wegschauen.
  • @GutenMorgen,einesehr...: NOTIZBUCH-Moderatorin Ulrike Ostner wird gleich mit Frau Professor Mechthild Schäfer und Schuldirektorin Simone Fleischmann über genau dieses Thema sprechen: Was können Eltern von Mobbing-Opfern tun, wie helfen.
  • Aber was kann man als Eltern machen?!? Wie helfen? Danke.
  • Wir freuen uns, wenn Sie uns Ihre Anliegen, Geschichten und Fragen rund um unser Notizbuch-Thema "Tägliche Schikane - Mobbing in der Schule" mitteilen. Die Redaktion NOTIZBUCH auf Bayern2
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